Immunisierung gegen Pneumokokken

15. Juni 2003, 11:30
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Mediziner forderten in Wien die Aufnahme in den Kinderimpfplan

Wien - Pneumokokken kann man sich nicht entziehen. Sie kommen im Nasen-Rachen-Raum von zehn Prozent der Menschen vor und gehören zu den gefährlichsten und häufigsten Erregern bakterieller Infektionen bei Säuglingen und Kleinkindern. Die Betroffenen können in hohen Prozentsätzen bleibende Schäden haben oder sterben. Mediziner forderten am Freitag bei einer Pressekonferenz in Wien, dass die Immunisierung gegen Pneumokokken in den Kinderimpfplan aufgenommen werden soll.

"Wir haben Daten, dass diese Impfung wirkt. Eine Empfehlung wurde von Seiten des Obersten Sanitätsrates (OSR, Anm.) erteilt", erklärte der Wiener Tropen- und Reisemediziner Univ.-Prof. Dr. Herwig Kollaritsch, der auch im Impfausschuss sitzt. "Jetzt liegt es bei der Politik", meinte der Arzt. "Jedes Jahr, das wir zuwarten, fordert weitere Todesfälle."

Gründe

Warum die Verabreichung der Vakzine gegen diese Krankheit von den Medizinern so empfohlen wird, liegt laut Univ.-Prof. Dr. Karl Zwiauer (Abteilung Kinder- und Jugendheilkunde am Landeskrankenhaus St. Pölten) in dem Problem, dass immer mehr Kinder gegen Antibiotika resistent sind. "Wir könnten einen Großteil der resistenten Stämme durch die Impfung abdecken", meinte auch Kollaritsch.

"Wir richten einen Appell an die Bundesregierung", sagte Univ. Prof. DDr. Ernst Huber, Präsident des "Österreichischen Grünen Kreuzes für Vorsorgemedizin". Durch die Impfung, die rund 110 Euro kostet, sollen nicht nur reiche Eltern einen Nutzen haben. "Herr Staatssekretär (Reinhart, Anm.) Waneck hat zwei Mal in der Öffentlichkeit diese Aufnahme versprochen. Aber passiert ist bisher nichts."

Die ökonomische Seite

Für Huber ist auch der Vorschlag, nur Risikokinder zu immunisieren, nicht sinnvoll. "Impfen wir gar nicht, haben wir Krankheitskosten von 24 Millionen Euro. Impfen wir die Risikopatienten, die etwa ein Drittel ausmachen, haben wir Impfkosten von vier und Krankheitskosten von 21 Millionen Euro. Das ist eine Belastung, die um eine Million Euro höher ist", rechnete Huber vor. Für den Mediziner ist es nur zweckmäßig, wenn alle Säuglinge und Kleinkinder immunisiert werden. "Hier haben wir Gesamtkosten - Impf- und Krankheitskosten zusammengezählt - von 20 Millionen Euro." Dies wäre nicht nur ein medizinischer, sondern auch ein ökonomischer Erfolg, meinte Huber.

Reaktion

Die kostenlose Impfung gegen Pneumokokken ist nur für Risikokinder in Planung. Derzeit gebe es diesbezüglich Verhandlungen. Das bestätigte Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (V). Eine flächendeckende Immunisierung sei derzeit nicht vorgesehen.

"Dem Wunsch nach einer flächendeckender Impfung wollte man nachkommen und es wurde den Ländern vorgeschlagen", sagte die Ministerin. Einige davon hätten diesen Plan jedoch abgelehnt, weil die Immunisierung zu kostenintensiv sei. "Neue Maßnahmen müssen Kosten deckend sein", meinte Rauch-Kallat.

Die Impfung von Risikokindern soll mit Mitteln aus Steuergeldern finanziert werden. "Diese Beiträge sind für die Länder verkraftbar", erklärte sie weiter. In keinem Land werde das Vakzin flächendeckend ausgegeben. Die Ministerin schloss aber nicht aus, dass das in Österreich einmal so sein wird. "Ich möchte diese Krankheit keinesfalls verharmlosen. Wir werden alles zur Risikovermeidung tun", so Rauch-Kallat.

Hintergrund

Seit 1998 - die Initiative ergriff die damalige Sozialministerin Eleonore Hostasch (S) - gibt es in ganz Österreich die Möglichkeit, Kinder kostenlos impfen zu lassen. Das Programm umfasst alle für Kinder empfohlenen Immunisierungen: Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Polio, Hepatitis B, Haemophilus influenzae B sowie Mumps, Masern und Röteln. (APA)

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