Abschied von Möllemann

13. Juni 2003, 15:08
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Genscher und Kubicki erweisen ihm letzte Ehre - Beisetzung unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Münster - Neun Tage nach seinem tödlichen Fallschirmsprung ist der ehemalige FDP-Spitzenpolitiker Jürgen Möllemann am Freitag auf dem Münsteraner Zentralfriedhof beigesetzt worden. Sechs Kameraden seines Fallschirmspringerclubs trugen nach einer Trauerfeier den hellen, mit roten Rosen geschmückten Buchenholzsarg zum Grab. Neben der Familie und engen Freunden aus Politik und Sport erwiesen auch der frühere Außenminister Hans-Dietrich Genscher und der FDP-Fraktionschef im Kieler Landtag, Wolfgang Kubicki, dem verstorbenen 57-Jährigen die letzte Ehre.

Die Witwe Carola Möllemann-Appelhoff und die drei Töchter wurden auf dem Weg zum Grab von Weinkrämpfen geschüttelt und mussten gestützt werden. Möllemanns ehemalige Parteifreunde Genscher und Kubicki zählten zu dem ausgewählten Kreis von 120 geladenen Trauergästen. FDP-Chef Guido Westerwelle und weitere hochrangige FDP-Politiker waren der Trauerfeier und der Beisetzung auf Wunsch der Witwe ferngebleiben. Der Sarg war geschmückt mit einem Rosengesteck und umgeben von Kränzen des deutschen Bundespräsidenten, der Bundesregierung und des Bundestagspräsidenten.

Ausschluß der Öffentlichkeit

In der für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen Trauerfeier kamen kritische Töne gegenüber der FDP-Führung auf. Der mit Möllemann eng befreundete Kubicki würdigte den Verstorbenen als Politiker, "der für das Gemeinwesen und die FDP mehr geleistet hat, als viele, die seine Integrität jetzt in Zweifel ziehen". Erneut wies Kubicki die Antisemitismus-Vorwürfe gegen Möllemann zurück. Diese hätten den Verstorbenen tief verletzt. Mit tränenerstickter Stimme sagte Kubicki: "Er bleibt ein großer Liberaler." Pfarrer Michael Scharf nannte den Verstorbenen in seiner Trauerrede einen "homo politicus" zum Wohle vieler Menschen.

Der Möllemann-Vertraute Uwe Tönningsen sprach von einem "Vollblutpolitiker". Möllemann habe "die Politik ein Stück ehrlicher machen wollen". Der Vorstandsvorsitzende des Fußballclubs Schalke 04, Gerhard Rehberg, kritisierte den Umgang mit Möllemann. Er mahnte in seiner Ansprache, der Tod des ehemaligen FDP-Politikers sei "eine ernste Mahnung, bei Differenzen im menschlich-persönlichen und politischen Bereich nicht so miteinander umzugehen, wie man es mit Möllemann getan hat."

Ebenfalls auf der Trauerfeier war der ehemalige Grünen-Abgeordnete im Düsseldorfer Landtag, Jamal Karsli. Er gilt als einer der Auslöser für das Zerwürfnis Möllemanns mit der FDP. Der gebürtige Syrer war mit Billigung Möllemanns mit israel-kritischen Äußerungen aufgefallen und vorübergehend in die FDP-Fraktion gewechselt. Karsli sagte, Deutschland habe mit Möllemann einen großen Politiker und Kämpfer für den Frieden verloren. Auch der Oberbürgermeister von Münster, Berthold Tillmann (CDU), erwies dem toten Politiker die letzte Ehre. Möllemann sei ein Mitbürger im besten Sinne, sagte er.

Zuvor hatten etwa 1.500 Menschen am Freitagmorgen vor der Friedhofskapelle, in der der Sarg aufgebahrt war, Abschied von Möllemann genommen. Die Trauernden trugen sich in Kondolenzbücher ein. Viele legten Blumen nieder. Einige hundert Menschen verfolgten danach die Trauerreden, die über Lautsprecher aus der Kapelle übertragen wurden. "Es bleibt die Erinnerung an einen couragierten und eigenwilligen Politiker", meinte einer der Zuhörer, als der Sarg aus der Kapelle getragen wurde.

Unfallhergang noch unklar

Möllemann war am Donnerstag vergangener Woche bei einem Fallschirmsprung aus 4.000 Meter Höhe am Flugplatz Marl-Loemühle in Westfalen ums Leben gekommen. Die genaue Ursache des Unglücks ist noch unklar, doch spricht nach Angaben der Ermittler vieles für einen Selbstmord. Am Tag seines Todes hatten Staatsanwälte im In- und Ausland Wohn- und Geschäftsräume des früheren Bundeswirtschaftsministers und Vizekanzlers durchsucht. Möllemann war Mitglied des Bundestags und des nordrhein-westfälischen Landtags. Bis 1993 gehörte er der deutschen Bundesregierung an, zuletzt als Wirtschaftsminister und Vizekanzler.(APA/AP/dpa)

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