"Geht nach Österreich"

12. Juni 2003, 20:34
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Wirtschaftsminister Bartenstein wirbt in Berlin - "Jede Unterstützung" für Regierung Schröder

Berlin - Bei seiner Werbetour für Österreich setzt Wirtschaftsminister Martin Bartenstein in Deutschland auch auf Körpereinsatz. Er begrüßt jeden Einzelnen der 13 Journalisten in der österreichischen Botschaft per Handschlag. "Macht man das in Österreich immer so?", raunt eine Kollegin der Financial Times Deutschland. Dann versichert der ÖVP-Minister, dass es "jede Unterstützung" für die Reformpläne der rot-grünen Regierung in Berlin gebe. "Die Außenwirtschaft Österreichs ist zu rund 50 Prozent mit der deutschen verflochten. Österreich kann es nicht wirklich gut gehen, wenn es Deutschland schlecht geht."

Nach dem Plädoyer für die deutsche Wirtschaft wirbt Bartenstein für den Standort Österreich: niedrigere Körperschaftssteuer, keine Gewerbesteuer, flexiblerer Arbeitsmarkt, "wenn auch nicht so flexibel, wie ich es mir wünsche", gute Flugverbindungen, "wenn die Piloten nicht krank sind". Österreicher arbeiteten mehr als Deutsche, hätten weniger Urlaub.

Friedrich Rödler von PriceWaterhouse Coopers Austria relativiert: Österreich sei "keine Steueroase", die Steuer-und Abgabenlast insgesamt um vier bis fünf Prozentpunkte höher als in Deutschland. "Wir wollen auch nicht abwerben", versichert Bartenstein. "Aber wir wollen denjenigen, die wegwollen, sagen: Geht nach Österreich." Heuer seien schon 850 Gründungen deutscher Betriebe und 561 Anfragen aus Deutschland zu verzeichnen. "Es darf gerne mehr werden." (afs/DER STANDARD Print-Ausgabe, 13.6.2003)

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