Gratis zum Psychotherapeuten - trotz Kritik

13. Juni 2003, 14:20
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Ab 1. Juli gibt es in Niederösterreich Therapie auf Krankenschein - 70.000 Stunden pro Jahr

Zum Psychotherapeuten, nur mit einem Krankenschein in der Hand: Am 1. Juli 2003, so freut sich der Obmann der niederösterreichischen Gebietskrankenkasse (NÖGKK), Gerhard Hutter, wird diese konkrete Utopie staatlicher Gesundheitsversorgung auch in Niederösterreich Wirklichkeit: Vor allem "sozial schwachen und besonders therapiebedürftigen Patienten" eröffne man vonseiten der NÖGKK auf diese Art Zugang zur Behandlung.

Geplant ist, jährlich 70.000 Stunden kostenfrei zu vergeben: Eine vergleichbare Regelung, wie sie seit Jänner 2003 auch in Wien besteht. In 70.000 Stunden könnten 2300 Patientinnen und Patienten versorgt werden, rechnet Helga Wimmer, Vorsitzende des Niederösterreichischen Landesverbandes für Psychotherapie (Nölp), vor.

Erfreut ist die Chefin der Landessektion des österreichweiten Bundesverbandes für Psychotherapie, der größten einschlägigen Berufsvertretung, trotzdem nicht: Der Vertrag nämlich wurde nicht mit dem Nölp, sondern mit zwei kleineren Gruppierungen abgeschlossen: dem Verein für ambulante Psychotherapie (Vap) und der Nö. Gesellschaft für Psychotherapeutische Versorgung (NGPV).

"Begleitmaßnahmen"

Die Vertragsbedingungen der NÖGKK seien inakzep- tabel gewesen, erklärt Wimmer im Gespräch mit dem STANDARD: "Gratisstundenkontingente ohne Begleitmaßnahmen führen zu einer sozialen Schieflage. Weil so nur die fitteren Patienten an die Freistunden kommen."

So hätte man zum Beispiel "nach dem Vorbild Tirols" eine Stundenvergabekommission ins Leben rufen können: "So wird garantiert, dass die wirklich Bedürftigen in die Behandlung kommen." Bei der NÖGKK sei man mit dieser Forderung jedoch auf taube Ohren gestoßen.

Dort jedoch widerspricht man dieser Sicht der Dinge: Der Nölp habe "unannehmbare Honorarbedingungen an uns gestellt. Angesichts des herrschenden Finanzierungslochs bei den Krankenkassen sei die jetzt beschlossene Regelung "die einzig realistische" gewesen. (bri/DER STANDARD; Printausgabe, 13.6.2003)

Vap-Hotline: (01) 402 56 96
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