Saison-Rettung soll in Ruhpolding steigen

ÖSV-Team bei WM in Nebenrolle - Cheftrainer Gösweiner: "Medaille nicht utopisch" - Sumann gibt in Bayern Abschiedsvorstellung

Wien/Ruhpolding - Die WM in Ruhpolding (1. bis 11. März) wird in punkto Zuschauerinteresse alle bisher dagewesenen Titelkämpfe übertreffen, aus österreichischer Sicht sind neue Superlative nach einer durchwachsenen Saison hingegen nicht zu erwarten. Dennoch haben sich Christoph Sumann und Co. in der bayrischen Biathlon-Hochburg, wo an acht Wettkampftagen die Rekordzahl von 250.000 Zuschauern erwartet wird, neuerlich eine WM-Medaille zum Ziel gesetzt.

"Es stimmt mich zuversichtlich, dass der Trend zuletzt nach oben gezeigt hat. Es ist aber sicher nicht so, dass wir als Favoriten antreten, wir haben eine Nebenrolle", betonte ÖSV-Cheftrainer Reinhard Gösweiner nach einer Saison ohne Einzelpodestplatz. Rang drei in der Staffel von Antholz und zahlreiche Top-Ten-Ergebnisse lassen ihn aber dennoch auf Edelmetall hoffen. "Eine Medaille ist nicht utopisch, man hat gesehen, dass wir vorne mitmischen können", erklärte Gösweiner.

Hoffen auf positiven Ausreißer

2009 in Südkorea (1 x Gold, 2 x Silber), im Vorjahr in Chanty-Mansijsk (1 x Bronze) und auch bei den Olympischen Spielen in Vancouver (2 x Silber) haben die rot-weiß-roten Skijäger bei Großereignissen stets Medaillen geholt und das Tempo in der Loipe mitbestimmt. Das war in dieser Saison anders, deshalb sieht Gösweiner seine Truppe aber auch weniger Druck ausgesetzt. "Den großen Clou können wir uns nicht erwarten. Ich hoffe, dass wir im Training noch einiges aufgeholt haben. Aber ein Ausreißer ist immer möglich", betonte der ÖSV-Chefcoach.

Sumann "sehr zuversichtlich"

Für einen solchen ist Sumann bei seiner letzten WM ein heißer Kandidat. Der Olympia-Zweite holte sich rechtzeitig bei der WM-Generalprobe in Kontiolahti durch zwei Top-Ten-Resultate mit geringem Rückstand auf die Podestplätze neues Selbstvertrauen. "Zuvor war die Saison nicht Fisch und nicht Fleisch. Ich war mit den Platzierungen absolut nicht zufrieden, Plätze zwischen 18 und 30 sind für mich nur Mittelmaß, genau da wollte ich nicht hin. Jetzt bin ich aber sehr zuversichtlich, weil es einen großen Schritt vorwärtsgegangen ist. Spät, aber doch", meinte der WM-Dritte von 2011.

Seine Vorfreude auf die WM in Heimatnähe mit den enormen Zuschauermassen und auch vielen österreichischen Fans ist riesig. "Ich freue mich schon seit der Vergabe wahnsinnig auf die WM, weil so etwas erlebt man nur einmal in der Karriere mit", bekräftigte der 36-Jährige. Wie Sumann schöpft auch Ex-Weltmeister Landertinger Hoffnung aus seiner deutlich nach oben zeigenden Formkurve. "Zuletzt hat es läuferisch wieder super gepasst. Es muss aber auch das Schießen funktionieren. Beide Faktoren haben heuer noch nie zusammenpasst. Man darf sich von so einem Tief aber nicht verrückt machen lassen", sagte der Tiroler.

Die Hoffnung lebt bei Landertinger

Er sei diesmal nur Außenseiter mit Chancen auf eine Überraschung, meinte Landertinger weiter. "Dass ich einer der Favoriten für eine Medaille bin, das kann man nach so einer Saison nicht sagen, und das will ich auch gar nicht." Die Gewissheit, in der Loipe zu den Besten zu gehören, gebe aber Zuversicht. "Es ist gut zu wissen, dass die Chance auf eine Medaille lebt."

Auch ein Podestplatz mit der Staffel sei machbar, glaubt Landertinger. "Das ist auf jeden Fall möglich, wir müssen aber endlich einmal auch Glück haben. Es ist in dieser Saison oft dermaßen deppert hergegangen", meinte der Massenstart-Weltmeister von 2009, der damals und 2010 bei Olympia jeweils über Staffelsilber jubeln durfte.

Eder mit gesundheitlichen Problemen

Noch vor Sumann und Landertinger war Daniel Mesotitsch in dieser Saison der konstanteste ÖSV-Athlet. Aufgrund seines leichten Laufmankos gegenüber den Allerbesten setzt der Kärntner vor allem auf den Einzelbewerb (6. März) und die Staffel (9. März). Simon Eder ist der Vierte im Bunde, der jederzeit für einen Spitzenplatz gut ist. Der Salzburger schlägt sich aber seit langem mit Nebenhöhlenproblemen herum und kam deshalb zuletzt nicht auf Touren.

Als WM-Topfavoriten gelten Weltcup-Spitzenreiter Martin Fourcade (FRA) und der Norweger Emil Hegle Svendsen, die die Saison dominiert haben. Andreas Birnbacher und Arnd Peiffer könnten für deutsche Jubelstürme sorgen. Zudem sind gleich mehrere Russen für Medaillen gut. Mit einem Sieg im letzten Rennen vor der WM brachte sich auch Rekordweltmeister Ole Einar Björndalen (NOR) wieder zurück ins Spiel.

Neuner will hoch hinaus

Bei den Damen gibt es kaum Zweifel, dass Magdalena Neuner ihre Trophäensammlung erweitern wird. Die Bayerin hat sich bei ihrer Abschiedsvorstellung sogar eine Steigerung gegenüber der WM 2011 vorgenommen. Was eine starke Ansage ist, denn damals gewann sie fünf Medaillen. Die schärfsten Rivalinnen der achtfachen Saisonsiegerin sind Darja Domratschewa (BLR), Kaisa Mäkäräinen (FIN) und Olga Saizewa (RUS). Österreichs Damenteam kommt für Spitzenplätze hingegen nicht infrage. (APA)

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