Milliardendeal nach Ölpest in Golf von Mexiko möglich

Verhandlung um explodierte Plattform "Deepwater Horizon" verschoben - Gesamte Entschädigung könnte 10,5 Milliarden Euro betragen

New Orleans/London - Ein jahrelanger Mammutprozess um die Entschädigung für die Betroffenen der Ölpest im Golf von Mexiko könnte in letzter Minute abgewendet werden. Das Gericht in New Orleans hat den für Montag anberaumten Start der Hauptverhandlung zunächst einmal um eine Woche verschoben. Bis dahin könnte es zu einem Vergleich zwischen dem britischen Energieriesen BP und den 120.000 Klägern kommen, zu denen neben Privat- und Geschäftsleuten auch die US-Regierung, mehrere US-Bundesstaaten und Gemeinden zählen.

Wie die Wirtschaftsagentur Bloomberg unter Berufung auf drei nicht näher genannte Quellen berichtete, sollen BP und der Steuerkreis der Kläger vor einer Einigung über eine Gesamtentschädigung in Höhe von umgerechnet 10,5 Milliarden Euro stehen.

Erst Anfang Februar hatte BP mitgeteilt, umgerechnet 4,55 Milliarden Euro an Abschreibungen vorgenommen zu haben, um unter anderem die Ansprüche von Hotelbetreibern und Fischern abzusichern. BP hat die Gesamtkosten für das Schließen des Öllecks an der im April 2010 explodierten Plattform "Deepwater Horizon", die Beseitigung der Umweltschäden und die Entschädigung von Betroffenen bisher auf 30,6 Milliarden Euro geschätzt - der Jahresgewinn im Jahr 2011 betrug 19 Milliarden Euro.

Hoher Milliardenverlust

5,6 Milliarden Euro hat die Mineralölfirma bisher an Geschädigte ausgezahlt. Für einen Teil der Kosten will sich BP allerdings an Partnerfirmen schadlos halten - was auch diese in finanzielle Schwierigkeiten bringt. Der Schweizer Ölbohrkonzern Transocean hat wegen der Explosion der Bohrinsel, bei der elf Menschen starben und 4,9 Millionen Barrel Öl - fast 780 Millionen Liter - ins Meer flossen, einen hohen Milliardenverlust für 2011 verbucht, wie das Unternehmen am Montag mitteilte.

Allein im vierten Quartal betrug der Verlust umgerechnet 4,56 Milliarden Euro. Grund ist eine Neubewertung des Firmenwerts: Der Wert der Konzernabteilung "Auftragsbohrarbeiten" sank demnach beträchtlich. Hinzu kommen laut Transocean Rückstellungen von 750 Mio. Euro für mögliche Verluste wegen der Ölpest. (APA)

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