"Woche der Unruhe" gegen Uni-Reform in Tschechien begonnen

27. Februar 2012, 18:41
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Kritisiert wird geplante Einführung von Studiengebühren - Auch Beschränkung der akademischen Freiheiten befürchtet

Prag - In Tschechien hat am Montag eine Protestwoche gegen die Universitätsreform, welche die Regierung des konservativen (ODS) Premiers Petr Necas durchsetzen will. Die Studenten kritisieren vor allem die Absicht, Studiengebühren einzuführen. Außerdem befürchten Kritiker eine Beschränkung der akademischen Freiheiten wegen der beabsichtigten Änderungen der Kompetenzen der akademischen Organe.

Demo vor Regierungsgebäude

Im Rahmen der "Woche der Unruhe", wie die Protestwelle offiziell genannt wird, werden in den Universitäts-Städten verschiedene Happenings, Protestmärsche, Debatten mit der Öffentlichkeit, Konzerte und andere Veranstaltungen stattfinden. In mehreren Städten wollen die Studenten in der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch eine "Nacht der Universitäten" veranstalten, indem sie in ihren universitären Einrichtungen übernachten werden. Der Höhepunkt soll eine Demonstration vor dem Regierungsgebäude in Prag sein.

400 Euro pro Jahr

Nach vorläufigen Plänen sollen die Studiengebühren an den öffentlichen Universitäten und Hochschulen 10.000 Kronen (etwa 400 Euro) pro Jahr ausmachen. Laut Kritikern könnte dies vor allem Studenten aus sozial schwachen Familien vom Studium ausschließen. Der Durchschnittslohn in Tschechien liegt bei rund 24.000 Kronen monatlich. Die Befürworter argumentieren demgegenüber, der Staat werde entsprechende Kredite ermöglichen, die die Studenten erst dann zurückzahlen müssten, wenn sie einen Job hätten.

Kritik von Vaclav Klaus

Tschechiens Staatspräsident Vaclav Klaus kritisierte die Akademiker, die gegen die Reform protestieren und die Kürzung der akademischen Freiheiten fürchten. "Das, was sie vorführen, ist ein falsches Spiel auf die akademische Freiheit. Wir leben in einer Welt des öffentlichen Schulwesens, das vom Staat bzw. von den Steuerzahlern bezahlt wird, sodass der Staat auch das Recht haben muss, darüber zu entscheiden", betonte Klaus. Der Vertreter der Initiative für freie Hochschulen, Jan Gruber, wies das Argument von Klaus zurück und betonte, der Staat bzw. das Unterrichtsministerium verfüge bereits jetzt über viele Mittel und Kompetenzen, mit denen man die öffentlichen Universitäten und Hochschulen steuern und kontrollieren könne. (APA)

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