Studentenzahlen in Deutschland steigen weiter

27. Februar 2012, 18:35
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Vorausberechnung der Kultusministerkonferenz prophezeit keine Entspannung bis zumindest 2019 - Werden weiterhin auch nach Österreich kommen

Wien - Nicht nur in Österreich wird in den kommenden Jahren mit einem ungebrochenen Strom an Studienanfängern gerechnet. Laut einer Vorausberechnung der deutschen Kultusministerkonferenz (KMK) bis 2025 werden auch an den Hochschulen unseres Nachbarlands die Studentenzahlen weiter steigen. Demnach ist mit einem Absinken der Zahl der Studienanfänger unter 442.000 (2010) frühestens im Jahr 2021 zu rechnen. Die Länder sehen durch die bisherige Unterschätzung der Studentenströme ein "Milliardenloch bei der Hochschulfinanzierung", wie die Wochenzeitung  "Die Zeit" kürzlich berichtete.

Kosten steigen

So dürften die Kosten für die zusätzlich notwendigen Studienplätze allein für Bachelorstudiengänge bis 2020 bei 9,5 Mrd. Euro liegen, wie Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) bemängelte. 2008 hatte die KMK bei ihrer letzten Berechnung einen Rückgang der Studienanfängerzahl ab 2015 prognostiziert. Bei ihrer für das Jahr 2011 prognostizierten Zahl der Erstsemester (414.000) lag sie sogar um rund 100.000 Studenten zu niedrig.

Höhepunkt 2011

Tatsächlich haben sich die Studienanfängerzahlen laut KMK in den vergangenen fünf Jahren "sehr dynamisch entwickelt" und im vergangenen Jahr mit knapp 516.000 Studenten "einen Höhepunkt erreicht". 2006 lag die Zahl der Erstsemestrigen noch bei 345.000 Studenten. Nach einem leichten Rückgang auf 470.000 im heurigen Jahr sei 2013 "wieder mit einem Anstieg auf knapp 490.000 Studienanfänger zu rechnen". Der Anstieg ist laut KMK u.a. auf die doppelten Abiturjahrgängen in den Ländern, eine "deutlich gestiegene Studierneigung" und die 2011 beschlossene Aussetzung der Wehrpflicht zurückzuführen. Allein letztere habe 35.000 zusätzliche Studienanfänger gebracht und konnte bei der Prognose 2008 naturgemäß noch nicht vorhergesehen werden.

Steigende Zahl Deutscher auch in Österreich

Wie die Hochschulplanungsprognose im Rahmen des österreichischen Universitätsberichts 2011 kürzlich bescheinigte, ist auch in Österreich mit einem Anstieg deutscher Studierendenzahlen zu rechnen. Bei gleichbleibenden Zugangsregeln werden in 20 Jahren rund 13 Prozent der Studenten deutsche Staatsbürger sein (2009/10: etwa acht Prozent). In derselben Größenordnung bewegt sich die Zunahme Deutscher unter den Studienanfängern. Der Anteil von Neuzugängen mit deutscher Staatsbürgerschaft wird sich bis 2029/30 von derzeit rund elf Prozent auf 16 Prozent steigern. Insgesamt wird es laut Prognose der Statistik Austria im Studienjahr 2029/30 rund 385.000 Studenten in Österreich geben, was gegenüber 2009/10 (331.000 Studenten) einem Plus von 16 Prozent entspricht.

Das Phänomen steigender Studentenzahlen ist ein globales: Wie aus einem Bericht der "University World News" hervorgeht, werden sich die Studentenzahlen weltweit bis 2025 sogar mehr als verdoppeln und dann 262 Mio. betragen. Der Großteil dieses Zuwachses werde sich in den Entwicklungsländern ereignen, so der Universitätsexperte Bob Goddard. Die Zahl jener, die im Ausland studieren, werde sich sogar bis dahin auf 8 Mio. fast verdreifachen. (APA)

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