Die Landung des Martin Harnik

27. Februar 2012, 18:19
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Die österreichischen Kicker sind im Ausland durchaus erfolgreich. Stuttgarts Legionär Martin Harnik ist das Paradebeispiel. Gegen Finnland gilt es, aus den Qualitäten jedes Einzelnen etwas Gemeinsames zu formen

Pörtschach - Marcel Koller hat den Wörthersee endlich in echt kennengelernt. Ja, die Filme hat er schon gesehen, davon sind nicht einmal Schweizer verschont geblieben. Und der junge Koller hat wohl den einen oder anderen Samstagnachmittag mit Roy Black und Uschi Glas verbracht oder auch totgeschlagen.

Dass er als 51-Jähriger österreichischer Teamchef sein würde, stand damals in keiner Programmzeitschrift. Und jetzt ist er an dieser glorreichen Stätte, an der im vergangenen Jahrtausend ein Späßchen das andere jagte und im Idealfall überholte. Ganz im Ernst möchte er am Mittwoch in Klagenfurt (20.30, ORF 1) das Spiel gegen Finnland gewinnen. "Weil es im Fußball um den Sieg geht." Er sei übrigens sehr schön, der langsam auftauende Wörthersee. "Aber deswegen sind wir nicht hier."

Die österreichische Nationalmannschaft hat sich versammelt, nur Veli Kavlak musste absagen, die Oberschenkelmuskulatur des Besiktas-Legionärs ist beleidigt. Das Vorbereitungsprogamm ist kurz und bündig, Koller wird seine Leute taktisch schulen, ihnen Videos von den Finnen zeigen. "Aber nicht zu viele. Wir wollen ja selbst das Heft in die Hand nehmen." Auch das 1:2 gegen die Ukraine wird aufgearbeitet.

Österreich stellt eine Söldnertruppe, 14 Legionäre bilden das Gerüst. Großteils sind sie Stammspieler geworden, einige nehmen tragende Rollen ein. "Schön", sagt Koller, "ein Zeichen von Qualität. Das spricht für die kritisierte österreichische Liga. Immerhin haben sie hier begonnen." Die Ausnahme bildet Martin Harnik, der hat immer schon in Deutschland gekickt. Koller: "Man muss ja nicht so genau sein." Der 24-Jährige ist quasi das Aushängeschild, David Alaba, Christian Fuchs oder Aleksander Dragovic sind natürlich auch super.

Aber Harnik hat in dieser Saison 13 Ligatore für Stuttgart erzielt, in den jüngsten vier Partien netzte er siebenmal. Deutsche Medien wählen ihn regelmäßig ins Team der Runde. Harnik ist das insofern egal, "weil ich diesen Lauf nicht hinterfrage. Es ist halt so." Er möchte auch nicht über den Begriff "Torinstinkt" groß philosophieren. " Ich bin nach wie vor in der Lage, aus zwei Metern am leeren Tor vorbeizuschießen. Da gibt es kein Rezept, keine Enthüllung."

Zwischenzeitlich hat ihn Stuttgart-Trainer Bruno Labbadia aus der Startelf gestellt, Harnik hat das geärgert. "Aber ich kann mit guten und schlechten Erfahrungen umgehen." Respekt verschaffe man sich nur durch gute Leistungen. Harnik wurde in den Stuttgarter Mannschaftsrat gewählt. " Wenn Sie wollen, bin ich ein Führungsspieler." Ein Grund für sein Hoch könnte in der Vertragsverlängerung samt Gehaltserhöhung liegen, Harnik bleibt zumindest bis 2016 in Stuttgart. "Ich bin kein Wandervogel, ich benötige Beständigkeit und Harmonie. Ich muss mich wohlfühlen, um Leistungen zu bringen."

Im ÖFB-Team fühlt er sich übrigens pudelwohl. Es gehe nun darum, "dass sich gute Einzelspieler zu einer Mannschaft finden". Die EURO 2008 sei zu früh gewesen. Die Qualifikationen für die WM 2010 und die EM 2012 verliefen schlussendlich enttäuschend. "Aber die WM 2014 kann nicht zu früh sein. Irgendwann sind unsere Karrieren vorbei. Davor wäre ein Erfolg wünschenswert."

Weisheiten

Marko Arnautovic stimmt dem vollinhaltlich zu. Er legt übrigens darauf Wert, kein Skandalfußballer zu sein, er werde Tag für Tag ruhiger und vernünftiger. Die Joker-Rolle bei Werder gefalle ihm nicht. "Ich arbeite hart." Es sei eine Ehre, österreichischer Teamspieler zu sein. "Wir müssen unsere Qualitäten nur zeigen." Weitere Zitate von Arnautovic: "Du lernst zwischen Aufstehen und Schlafengehen." "Du sollst dein Leben nicht verschlafen." "Lebe und denke nicht an morgen."

Harnik denkt an den Mittwoch, an Finnland. "Die Leute sollen merken, dass unser Steigerungspotenzial groß ist." Koller hat folgendes Ziel: " Die Leute sollen eine Freude haben, uns zu sehen."

Abgesehen davon waren die Wörtherseefilme ganz nett. (DER STANDARD, Printausgabe, Dienstag, 28. Februar 2012)

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    Der Ball gehorcht Martin Harnik. Meist aus der Tiefe des rechten Raumes kommend, schreckt der Stuttgarter momentan die deutsche Bundesliga. In 28 Partien für das ÖFB-Team netzte der 24-Jährige sechsmal.

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