Umstrittene neue Erinnerungskultur in Budapest

Gregor Mayer aus Budapest
27. Februar 2012, 18:17
  • Das Denkmal des ersten Präsidenten nach dem Ersten Weltkrieg, Graf 
Mihály Károlyi, auf dem Platz vor dem Parlament soll den Umbauarbeiten 
zum Opfer fallen.
    foto: wikipedia

    Das Denkmal des ersten Präsidenten nach dem Ersten Weltkrieg, Graf Mihály Károlyi, auf dem Platz vor dem Parlament soll den Umbauarbeiten zum Opfer fallen.

Der Kossuth-Platz soll wieder so gestaltet werden wie vor 1944 - Oppositionelle fürchten, dass so Demos verhindert werden sollen

Auf dem Budapester Kossuth tér, dem großen Platz vor dem neogotischen Parlamentsgebäude, sind am Wochenende die ersten Bauzäune errichtet worden. Dem symbolträchtigen Ort steht ein gründlicher Umbau bevor. Nach dem Willen von Premier Viktor Orbán soll im politischen Herzen der Nation das Flair der Horthy-Zeit wiedererstehen. "Der künstlerische Anblick des Platzes ist so wiederherzustellen, dass er dem Zustand von vor 1944 entspricht", heißt es im Parlamentsbeschluss, den die Abgeordneten der Orbán-Partei Fidesz im Juli absegnet hatten.Der " Reichsverweser" Miklós Horthy regierte von 1921 bis 1944. Er verbündete sich mit Hitler-Deutschland, unter seine Herrschaft fiel die Deportation von mehr als 400.000 ungarischen Juden nach Auschwitz. Die seit Mai 2010 regierende Fidesz hat sich bisher - anders als die rechtsextreme Jobbik (Die Besseren) - nicht direkt für die Rehabilitierung der Horthy-Zeit ausgesprochen. Kritiker meinen, die Renovierung des Platzes füge sich in eine Reihe von Fidesz-Stellungnahmen, die erkennen lassen, dass man dieser Ära nicht kritisch gegenüberstehe.

Hassfigur für die Rechte

Der Umbau ist Kritikern zufolge auch Teil des Bestrebens, die Erinnerung an linke und republikanische Persönlichkeiten der ungarischen Geschichte auszublenden. Mit der Wiederherstellung des architektonischen Gepräges der Horthy-Zeit sind nämlich die später aufgestellten Statuen zum Abriss verurteilt. Darunter fällt das Denkmal des ersten Präsidenten der nach dem Ersten Weltkrieg entstandenen Republik Ungarn, Graf Mihály Károlyi (1875-1955). Der links-bürgerliche Aristokrat ist eine Hassfigur für die gesamte ungarische Rechte, Jobbik fordert schon seit längerem seine Entfernung vom "Hauptplatz des ungarischen Staates". Verschwinden muss wahrscheinlich auch die 1980 aufgestellte Bronzestatue, die den renommierten plebejischen Dichter Attila József (1905-1937) zeigt, wie er am Donauufer sitzt und melancholisch über den von ihm besungenen Strom (An der Donau, 1936) blickt. Allerdings ist in seinem Fall das letzte Wort noch nicht gesprochen, nachdem sich Kulturstaatssekretär Géza Szöcs (Fidesz) zuletzt für seinen Verbleib eingesetzt hat.Die Umbauten sollen 2,5 Milliarden Forint (8,6 Mio. Euro) kosten und zwei Jahre dauern, das heißt den Rest der gegenwärtigen Legislaturperiode. Der Parlamentsvorplatz - anders als in Österreich gibt es in Ungarn die Bannmeile nicht - ist immer wieder auch ein beliebter Ort für Demonstrationen der jeweiligen Regierungsgegner. So wie jetzt die Bauzäune in den Himmel wachsen, wird das künftig schwierig werden. "Ist doch klar", meinte am Montag ein Anhänger der Protestbewegung "Milla" (Eine Million für die Pressefreiheit), die im vergangenen Oktober zehntausende Menschen gegen die Orbán-Regierung auf die Straße brachte. " Damit soll verhindert werden, dass man dort in den nächsten zwei Jahren demonstrieren kann." (DER STANDARD Printausgabe, 28.2.2012)

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Das Denkmal von Graf Mihály Károlyi ist weg...

heute sehr früh wurde es wegtransportiert...

...und Tschüß

Wir sehen uns in Siófok am Plattensee, am besten im Wasser stehend, tief eingegraben, damit nur dein Kopf herausragt, so haben auch die Möwen einen Platz zum Hinsch...

Schämen Sie sich!

Patjomkin, ich empfehle die Arbeiten des

serioesen ungarischen Historiker Krisztian Ungvary zu lesen.
Und uns nicht einreden, dass Ungarn keine geschichtliche Verantwortung fuer den Massenmord an
ungarischen Buergern traegt, die sie nach Auschwitz-Birkenau deportierten.

Sie wiederholen sich gerne - ich wiederhole gerne andere:

Karl Pfeifer, floh 1938 mit seinen Eltern nach Ungarn, wo er 1940 der sozialistisch-zionistischen Jugendorganisation Haschomer Hatzair beitrat. Nach der deutschen Besetzung Ungarns im Zweiten Weltkrieg 1944 gelang ihm ... auf abenteuerliche Weise die Flucht nach Palästina:

"Die Pfeilkreuzler haben Tausende Juden zu Fußmärschen, die zu
Todesmärschen wurden, gezwungen und fürchterliche Verbrechen begangen.
Aber für die Deportation in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau tragen nicht sie die Verantwortung.“
http://hungarianvoice.wordpress.com/2011/12/2... det-wurde/

Netter Versuch. Nützt aber nichts. Familienangehörige von mir waren Pfeilkreuzler und haben mit ihren Judenmorden sogar geprahlt. In den 60-er Jahren nahmen sich die ungarischen Verbrecher noch kein Blatt vor den Mund.

hotzenplotz, Ihr Stammbaum überrascht mich nicht.

Der Volksgenosse Dammweber rannte in Ungarn in seinem Gymnasium mit dem Hitlergruß herum. Unter dem Namen Décsi nahm er als AVH Offizier die Verhaftung Mindszentys vor. Er hatte allerdings zwei gleichfärbige Augen (Hinweis, damit Sie ihn nicht mit jenem weiter unten identifizieren).

Zahllose solche Fälle sind aktenkundig. In den 60-er Jahren fühlten sich solche Expfeilkreuzler mit blutigen Händen in der Partei oder wenn sie noch etwas von ihrem Sadismus bewahrt haben im Staatssicherheitsdienst ziemlich sicher.

Wo waren Ihre Familienangehörige tätig?

Völlig wahr. Man muss eben die ungarische Juden fragen, wie ich gesagt haben.

Die Pfeilkreuzler konnten nur überhaupt mit deutscher Hilfe (gegen Horty) zum Zug kommen.
Die hatten von der Seite der ungarischen Bevölkerung
NULL Unterstützung. Die waren nützliche Idioten für die Nazis.

Hass, Rassismus, krankhafte Selbstverliebtheit: Es gab nicht nur Pfeilkreuzler sondern 15 verschiedene Verbrecherbanden, die Mord und Totschlag brachten. Auf dem Land sympathisierte eine Mehrheit mit mindestens einer dieser Organisationen.

Man sollte sich bewusst sein, worum es geht. So wie heute versprachen die Rechtsradikalen eine Zukunft ohne alle anderen außer ethnischen Magyaren, weil diese umgebracht würden.

Na dann haben Ihre Verwandten eine riesen Auswahl gehabt.

Aber wo nahmen sie die ethnischen Magyar her?

Zu Judendeportation noch einmal..

Die ung. Juden wurden von den Nazis deportiert, Eichman ist gerade deswegen nach Ungarn gegangen. Die Ungarn mussten die Infrastruktur zur Verfügung stellen. Ungarn ist das Land, wo prozentuell die meisten Juden nach dem Krieg zurüchgekehrt sind. Die Juden wissen ganz genau, wer für die Deportationen verantwortlich waren.
Wenn sie auch wissen wollen, fragen sie selber die ung. Juden. Aber bitte, ich will keine albernen, von Hass gefütterten Spekulationen darüber mehr lesen.

Patjomkin eine Luege, die man oft wiederholt wird nicht war

Fakt ist, ohne deutsche Besatzung keine Deportation. Aber ohne ungarische Administration unter dem von Horthy ernannten Ministerpraesident und ohne die Minister, die bereits vor der Besatzung amtierten sowie ohne die taetige Mitwirkung der koenigl. ung. Gendarmerie waere es unmoeglich gewesen, mehr als eine halbe Million Menschen, die zuvor von Ungarn ausgeraubt wurden, binnen 51 Tagen in die Viehwaggons zu peitschen und nach Auschwitz-Birkenau
zu deportieren.

Schön, dass sie nun auch die deutsche Besatzung hervor heben. Ein großes "Gefällt", auch wenn der Anlass ein sehr trauriger ist.

Europa versinkt in Finanz- und Korruptionssumpf und

die "klugen, aufgeklärten" Köpfe beschäftigen sich mit der Innenpolitik von Ungarn. Wunderbar.

Orban sollte sich mehr um Krisenbewältigung kümmern

Er ist sicher nicht für das Umgrstalten eines Platzes oder das Ausdenken absurder Verschwörungstheorien gewählt worden.

Man hat schon rund um die Mihály Károlyi Büste die Bäume abgeschnitten

Fidesz will also das Rad der Geschichte zurückdrehen. Sie haben ja auch den Rooseveltplatz umgenannt und da sie keinerlei Erfolge auf dem Gebiet der Wirtschafts- und Sozialpolitik haben, bieten sie der Masse "nationale Phrasen", während die Freunde Orbáns sich bereichern können. Sie sind ja auch die einzigen welche von der flat tax profitieren.
All das geht einher mit klerikaler Heuchelei und mit Stärkung der offen pfeilkreuzlerischen Jobbik.

omar, die Büste ist eine andere Baustelle!

Was die Geschichte angeht stehen Sie voll daneben.
Vor dem Denkmal sind Sie noch nie gestanden.
Spätestens beim Betrachten dieser Seite, oben, links hätten Sie es erkennen können: es handelt sich um eine Vollfigur und nicht um eine Büste.
Blind von Hass oder wirklichkeitsfremd? Wie immer, weit von den Tatsachen.

Das Belritteln von Formalitäten ist keine Innhaltliche Widerlegung einer Aussage

Wie wärs mit sachlicher Argumentation?

Man sollte aber wissen worüber man spricht.

Das haben auch Sie noch nicht überrissen.

Ich bin davor gestanden. Solche Postings sind schnell geschrieben

da passieren dann nicht nur Schreibfehler, sondern auch Formulierungsfehler. Doch was die Geschichte angeht ist es wahr, dass Graf Karolyi ein demokratisch gesinnter Ministerpräsident war, der im Gegensatz zu drei Ministern in der jetzigen Orbán-Regierung nie Kommunist war.

aber mit ihnen der Zwischenkriegszeit sympathisierte

lassen wir die schwarz-weiß Malerei

Die inhaltlichen Fehler, die Sie ausgelassen haben, passieren so:

Im Budapester Zoo befreite ein junger Mann, von Beruf her Bodygard eines Jobbik- Politikers, ein junges Mädchen, dessen Mantelzipfel von einem Löwen erwischt wurde, mit einem kräftigen Schlag auf die Nase des Tieres aus der Lebensgefahr. Ein zufällig anwesender Korrespondent der apa berichtete uns am nächsten Tag:

„Brutaler rechtsextremer Berufsschläger begeht im Budapester Tiergarten Mundraub an afrikanischem Emigranten.“

Übrigens:
Es kann auch ein Kommunist demokratisch gesinnt sein, doch früher oder später dreht er ihnen den Rücken. Der ach so demokratischer Károlyi half sie an die Macht. Als Botschafter in Paris machte er erst die Hose voll, als er heimbeordert wurde. Er kannte die Sitten jener die er vertreten hatte.

Bagoly, die ungarischen Nationalisten haben einige

Probleme mit der Geschichtsschreibung. Ihr Idol Horthy konnte nur mit Hilfe der rumaenischen Armee nach Budapest kommen und es war das Horthyregime, dessen Minister in Trianon 1920 den Friedensvertrag unterzeichnete.
Ironie der Geschichte, die ungarische Rote Armee kaempfte gegen die tschechischen und rumaenischen Truppen 1919.

Ja und Sie gyaszvitez Bagoly-Jobbik haetten nicht in die Hose gemacht und waeren zurueckgekehrt, um von der AVO umgebracht zu werden?

Ich habe Ihnen immer wieder geraten sich weniger mit rechtsextremen Seiten zu beschäftigen.
Jetzt haben wir den Salat, die Horthy-Phobie der Pfeilkreuzler hat auch Sie erwischt. Ein derart abgrundtiefer Hass auf Horthy kommt bei denen auch zum Vorschein, wenn sie drüber reden, dass Horthy den ungarischen Führer Szálasi einlochen ließ und seine Partei auflöste.

Na und bei den Kummerln, aber das sind Sie doch nicht, oder?

In der „Roten Armee“ machte auch ein Sztójay dienst, zusammen mit vielen anderen, die auch nicht sehr rot waren.

Warum hätte der AVO den degenierten Grafen, den treuen Diener seiner bolschewistischen Herren umbringen sollen?

Bagoly-gyaszvitez

Horthy hat die Pfeilkreuzler nur bis 1938 einsperren lassen, dann wurde Szalasi aus dem Gefaengnis entlassen
Bagoly-gyaszvitez keine Ahnung haben Sie von ungarischer Geschichte. Die AVO hat die Leute "nur" gefoltert. Zu Tod verurteilt wurden nicht wenige Kommunisten wie Laszlo Rajk, Pallfy-Oesterreicher und einige andere waehrend der Rakosi Herrschaft. Und Karolyi hatte Angst, dass es ihm auch so ergehen koennte.
Elementare Kenntnisse der ungarischen Geschichte fehlen Ihnen. Das Horthyregime hat nichts getan fuer die drei Millionen Bettler, es hat einen Krieg gegen die Sowjetunion ohne jeden Grund begonnen und dabei auch gleich Hunderttausende Ungarn am Don mit schlechter Ausruestung in den Tod geschickt. Megertette gyaszvitez?

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