Fiat wagt Comeback in Russland

27. Februar 2012, 17:22
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Produktion von 120.000 Geländewagen in Sankt Petersburg geplant

Mailand - Der Turiner Autokonzern Fiat-Chrysler wird in Sankt Petersburg Geländewagen herstellen und in Moskau Jeeps zusammenbauen. Eine entsprechende Absichtserklärung wurde am Wochenende mit der russischen Sberbank unterzeichnet. An dem neuen Joint Venture hält Fiat-Chrysler 80 Prozent und die Sberbank 20 Prozent.

Vorgesehen ist unter anderem die Errichtung einer neuen Produktionsstätte in Sankt Petersburg. Die Investitionen von 850 Mill. Euro werden vollständig von der Sberbank finanziert. In Sankt Petersburg sollen 120.000 Fahrzeuge pro Jahr hergestellt werden.

Hingegen soll in der Moskauer Zil-Fabrik, wo einst die legendären Luxusschlitten für die kommunistische Elite vom Band liefen, neuerdings Jeeps der Marke Fiat-Chrysler montiert werden. Fiat-Chrysler soll das inzwischen verblasste Image der Zil-Fabrik aufpolieren. Zudem sieht die bilaterale Vereinbarung auch den Import von Fiat-Chrysler-Modellen und deren Teilen zu bevorzugten Bedingungen, das heißt zu niedrigeren Zolltarifen, vor. Der russische Markt für Geländewagen hat ein großes Wachstumspotenzial. Nachdem der Absatz im Vorjahr um 50 Prozent gewachsen ist, wird für heuer eine weitere Zunahme von zwölf Prozent prognostiziert. In den kommenden Jahren sind weitere zweistellige Wachstumsraten vorgesehen.

"Wichtiger Markt"

2018 sollen mehr Geländeautos in Russland abgesetzt werden als in Deutschland. Bis 2020 will Russland bei Geländeautos auf den weltweit sechsten Rang vorstoßen.

Jahrelang hat sich der Turiner Autokonzern, der Chrysler übernahm, von Russland ferngehalten. Nach dem Flop mit der russischen Sollers, die inzwischen eine Allianz mit Ford eingegangen ist, nahm Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne vorerst Abstand von einem weiteren Engagement auf dem russischen Markt. Offensichtlich war die schwache Position Fiats in Russland eine der Schwachstellen des Konzerns. Nach einem Treffen Marchionnes mit Wladimir Putin vor wenigen Tagen hat der Supermanager Russland als "strategisch wichtigen Markt" bezeichnet. Wenige Tage darauf erfolgte die Absichtserklärung des Autokonzerns mit der mehrheitlich vom Staat kontrollierten Sberbank. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.2.2012)

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