Wichtiger Blick von außen

Kommentar27. Februar 2012, 18:51
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Abseits des Schweigens hört man immer dasselbe

Für die Bevölkerung muss die Causa Kampusch wohl nicht nur ermüdend sein, sondern auch das Vertrauen in die österreichischen Behörden erschüttern. Drei Staatsanwaltschaften, jene von Wien, Graz und Innsbruck, haben sich bereits mit dem Fall befasst. Nun wird der gesamte Akt seit Monaten im sogenannten Stapo-Ausschuss des Parlaments gewälzt, und es werden dort auch Zeugen einvernommen. Und dieselben Widersprüche bereiten den unter Verschwiegenheitspflicht stehenden Ausschussmitgliedern wieder Kopfzerbrechen.

Abseits des Schweigens hört man immer dasselbe: Wichtigen Ermittlungshinweisen sei nicht ausreichend nachgegangen worden, die Umstände des Selbstmordes von Entführer Wolfgang Priklopil seien nicht ausreichend geklärt worden. Und: Die Einzeltätertheorie sei unhaltbar. Zurück bleibt das dumpfe Gefühl einer nicht aufgeklärten Geschichte. Bevor man überlegt, welche Staatsanwaltschaft noch unbelastet an den Fall herangehen könne - im Gespräch ist etwa Linz -, scheint die Idee, internationale Hilfe anzufordern, grundvernünftig.

Wenn man bisher nicht in der Lage war, ein für alle Mal schwere Zweifel auszuräumen, den Fall noch einmal zu untersuchen und Skeptiker nicht als wahnsinnig hinzustellen, muss man wohl einen Blick von außen zulassen. Wenn dabei auch nichts herauskommt, könnte man den Aktendeckel endlich und endgültig schließen. (DER STANDARD, Printausgabe, 28.2.2012)

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