: Auf den Kopf gestellt

Ansichtssache27. Februar 2012, 17:00
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foto: br/kerstin stelter

Selten war Hauptkommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) so nervös. "Warum liegt denn der noch im Koma? Das ist ein wichtiger Zeuge", herrscht er am Sonntagabend im Münchner "Tatort" (Der traurige König, ORF) den Arzt an.

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"Ist das Auf-die-Beine-Schießen bei der Polizei abgeschafft worden?", fragt dieser süffisant zurück, und da sind wir schon mittendrin in Leitmayrs Albtraum. Er selbst hat dem Mann in die Brust geschossen. Weil der zuvor in einer düsteren, unübersichtlichen Scheune einer Polizistin eine Pistole an den Kopf gehalten hatte. Eine Spielzeugwaffe, wie sich kurz danach herausstellt. Der Angeschossene erliegt wenig später seinen Verletzungen. Noch dazu kennt Leitmayr dessen Eltern - rechtschaffene und brave Leut, die in seiner Straße ein kleines Geschäft betreiben.

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Dem Münchner Kommissar, sonst meist recht lässig und souverän, entgleiten zunehmend die Gesichtszüge und fast auch noch die Freundschaft. Natürlich steht Kollege Ivo Batic (Miroslav Nemec) zunächst bedingungslos hinter seinem Freund Leitmayr, nach 62 gemeinsamen Tatort-Folgen sehen sich die beiden mit ihrem Silberhaar auch äußerlich immer ähnlicher.

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Aber der ermittelnde Staatsanwalt ist äußerst hartnäckig und nimmt Leitmayr so in die Mangel, dass der sogar verschütteten Kaffee als Blut wahrnimmt. Plötzlich ist gar nicht mehr so klar, ob der Herr Hauptkommissar wirklich immer auf der richtigen Seite steht. Schön, dass Wachtveitl einmal mehr zeigen darf als den routinierten Ermittler. Dass er am Schluss rehabilitiert wird, ist natürlich wenig überraschend und gehört quasi zum guten Tatort-Ton. Sonst gäbe es ja keinen 63. Fall mehr. (Birgit Baumann, DER STANDARD; Printausgabe, 28.2.2012)

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