Deutsche Linke nominiert Kandidatin

27. Februar 2012, 13:23
166 Postings

Beate Klarsfeld hat gegen parteiübergreifenden Kandidaten Gauck keine Chance - Gauck absolviert Besuche bei CDU- und SPD-Gremien

Berlin - Die Führung der deutschen Linkspartei hat Beate Klarsfeld als ihre Kandidatin für die Wahl des Bundespräsidenten am 18. März nominiert. Die 73-Jährige, die durch ihr Engagement bei der Aufklärung von Nazi-Verbrechen bekannt wurde, tritt damit gegen den ehemaligen DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck an. Der geschäftsführende Parteivorstand der Linken habe Klarsfeld am Montag einstimmig nominiert, erfuhr die Nachrichtenagentur dpa aus Teilnehmerkreisen.

Klarsfeld wurde über die Grenzen Deutschlands bekannt, als sie den damaligen CDU-Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger 1968 auf einem Parteitag ohrfeigte und als Nazi beschimpfte. Die Journalistin wollte damit auf die Vergangenheit des Kanzlers in der NSDAP hinweisen. In ihrem Engagement, die nationalsozialistische Vergangenheit westdeutscher Politiker aufzudecken, geriet Klarsfeld nicht nur in diesem Fall mit der Justiz in Konflikt. Später bemühte sie sich mit ihrem Mann Serge Klarsfeld um die Auslieferung von Nazi-Verbrechern wie dem ehemaligen Gestapo-Chef von Lyon, Klaus Barbie.

Die in Paris lebende Klarsfeld war bereits vor gut einer Woche als Gegenkandidatin zu Joachim Gauck ins Gespräch gebracht worden. Sie ist allerdings nicht zuletzt wegen ihrer Solidarität mit Israel innerhalb der Linken umstritten. In Interviews machte sie bereits vor der Spitzenrunde klar, dass sie als Kandidatin nicht die Parteilinie der Linken vertreten wolle, die Nominierung aber als Ehre ansehe.

Kandidatin hat kaum Chancen

CDU/CSU, FDP, SPD und Grüne haben sich auf Gauck als Präsidentschaftskandidaten geeinigt. Chancen hat die Bewerberin der Linken bei der Wahl durch die Bundesversammlung nicht. Dem Gremium gehören die Bundestagsabgeordneten und die gleiche Anzahl an Ländervertretern an. Gauck, früherer Chef der Stasi-Unterlagenbehörde, ist für die Linkspartei unter anderem wegen kritischer Äußerungen zur Occupy-Bewegung und seiner Haltung zum Afghanistan-Krieg nicht tragbar.

Gauck ist nach eigenen Worten am Montag im CDU-Vorstand "überraschend offen" aufgenommen worden. Bei seiner Vorstellung habe er nicht nur Kritik an seiner Person angesprochen, sondern auch Grundfragen, die in der Gesellschaft zu lösen seien. "Dadurch war das ganze Gespräch ein richtiges Gespräch und hatte eine Dimension, die nicht unbedingt zu erwarten war", sagte Gauck. Die CDU hatte eine Nominierung Gaucks ursprünglich abgelehnt, sich dann aber dem Willen des kleineren Koalitionspartners FDP gebeugt.

Gauck ist breite Mehrheit sicher

Der 72-Jährige besuchte zu Mittag auch die SPD, die den Theologen und einstigen DDR-Bürgerrechtler bereits vor fast zwei Jahren mit den Grünen zur damaligen Bundespräsidentenwahl vorgeschlagen hatte. Im Juni 2010 zog er gegen den von Schwarz-Gelb nominierten, kürzlich nach Korruptionsvorwürfen zurückgetretenen Christian Wulff (CDU) aber den Kürzeren. SPD-Chef Sigmar Gabriel überreichte Gauck beim Besuch im SPD-Vorstand Willy Brandts Buch "Links und frei". Die SPD freue sich, dass er zum zweiten Mal im SPD-Vorstand zu Gast sei und der nächste Bundespräsident werde, sagte Gabriel. Bei der Wahl am 18. März ist Gauck eine breite Mehrheit sicher.

Die Führungsgremien der Linken hatten sich am Donnerstag vergangener Woche überraschend noch nicht auf einen Kandidaten festlegen wollen. Als Kandidatin der Linken war zuletzt auch noch die Bundestagsabgeordnete Luc Jochimsen zur Verfügung gestanden. Der ebenfalls als Anwärter genannte Politologe Christoph Butterwegge hatte seine Bereitschaft am Sonntag zurückgezogen. (APA/Reuters)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.