Polen will Leichnam von US-Journalistin aus Syrien bringen

27. Februar 2012, 12:55
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Marie Colvin wollte ihre Schuhe holen, als sie am Mittwoch beim Beschuss der Stadt Homs getötet wurde - Edith Bouvier noch in Homs

London - Die in der syrischen Protesthochburg Homs getötete US-Journalisten Marie Colvin ist nach Angaben ihres Arbeitgebers gestorben, als sie ihre Schuhe holen wollte, um fliehen zu können. Colvin und eine Gruppe weiterer Journalisten seien dem örtlichen Brauch gefolgt, ihre Schuhe vor Betreten eines Gebäudes auszuziehen, das als Pressezentrum der Rebellen diente, berichtete die britische Zeitung "Sunday Times", für die Colvin tätig war, in einer ersten Darstellung der Umstände ihres Todes.

Die Journalisten hätten sich im Erdgeschoß befunden, als die oberen Stockwerke von Raketen getroffen wurden. Colvin sei zunächst unverletzt geblieben. Als eine  weitere Rakete den Eingang des Gebäudes traf seien Colvin und der französische Fotograf Remi Ochlik verschüttet und getötet worden. 

Verletzte Journalistin noch in Homs

Bei dem Angriff waren auch der britische Fotograf Paul Conroy und die französische Reporterin Edith Bouvier verwundet worden. Conroys Ehefrau sagte dem BBC-Radio am Sonntag, ihr sei trotz ihrer Bitten mitgeteilt worden, dass es zu gefährlich sei, ihren Mann aus der seit Wochen unter Beschuss stehenden Stadt herauszuholen. Frankreichs Innenminister Claude Gueant erklärte, es sei "medizinisch dringend notwendig", Bouvier aus dem belagerten Stadtteil Baba Amr herauszubringen. Frankreich werde alles tun, um die Journalistin sicher nach Frankreich zurückzubringen.

Die polnische Botschaft in Syrien bemüht sich indes darum, die Colvins Leiche aus dem Land zu bringen, berichtete am Montag die Zeitung "Polska The Times". "Der Botschafter bleibt in ständigem Kontakt mit der syrischen Regierung und dem Syrischen Roten Halbmond", sagte Marcin Bosacki, Pressesprecher des polnischen Außenministeriums. Polen vertritt die USA diplomatisch in Syrien, nachdem Washington Anfang Februar aus Sicherheitsgründen aus dem Land alle Diplomaten zurückgezogen hatte.

Colvins Mutter sagte am Samstag gegenüber dem Fernsehsender CNN, ihre Tochter werde vermutlich in Syrien beerdigt, da es für Helfer zu gefährlich sei, ihre Leiche aus Homs zu bergen. (APA)

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