Außenhandelsdefizit hat sich fast verdoppelt

27. Februar 2012, 12:25
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Die österreichischen Exporte stiegen 2011 um zwölf Prozent, aber die Importe legten noch dynamischer um 15 Prozent zu

Wien - Österreichs Defizit im internationalen Warenaustausch hat sich 2011 trotz der erzielten Exportrekorde massiv ausgedehnt. Das Loch in der Handelsbilanz weitete sich gegenüber dem Jahr davor ersten Berechnungen zufolge von 4,3 auf 8,2 Mrd. Euro aus. Die Exporte kletterten zwar um zwölf Prozent auf das bisherige Allzeithoch von 122,5 Mrd. Euro, doch die Importe legten mit einem Plus von 15 Prozent auf 130,7 Mrd. Euro noch dynamischer zu. "Wir wollen diesen Exportrekord 2012 toppen", kündigte der Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, Christoph Leitl, am Montag an. Angepeilt werde ein Ausfuhrvolumen von 130 Mrd. Euro als Maximum - 125 Mrd. Euro seien das Minimum.

Dass Österreich mehr Waren und Dienstleistungen importiert als exportiert, hat vor allem zwei Ursachen: "Die erhöhten Energie- und Rohstoffpreise finden hier deutlich ihren Niederschlag und Asien holt auf", erklärte der Wirtschaftskammerpräsident. Die Welt sei hungrig nach Erfolg, Europa sei müde und schwächle. Der Anteil der EU-27 an den weltweiten Exporten sei zwischen 2006 und 2010 von 37,9 auf 33,8 Prozent gesunken, jener Asiens von 29,5 auf 33,3 Prozent gestiegen.

Österreich müsse vor allem die Dienstleistungsexporte erhöhen - da gebe es noch Potenzial. Derzeit liege Österreich weltweit an neunter Stelle. "Wir wollen den einen oder anderen Platz vorrutschen", so Leitl. Der Anteil der Dienstleistungsausfuhren in Bereichen wie Reiseverkehr, Transport- und Bauwesen, Innovationen, Kreativität und Kultur soll sich innerhalb von drei Jahren von einem Viertel auf ein Drittel der heimischen Gesamtexporte erhöhen.

Kein Aufschwung

Den Prognosen der Konjunkturforscher zufolge ist in den kommenden drei Jahren kein Aufschwung zu erwarten, ein Wirtschaftswachstum soll es frühestens danach geben. Entsprechend defensiv sind auch die Erwartungen der Wirtschaftskammer für die Handelsbilanz: Den vorläufigen Berechnungen zufolge dürfte sich der Fehlbetrag heuer keineswegs verkleinern, sondern sogar noch leicht auf 8,5 Mrd. Euro erhöhen, 2013 droht eine weitere Verschlechterung auf 9,2 Mrd. Euro.

Heuer dürften die Exporte demnach nur um vier Prozent auf 127,4 Mrd. Euro wachsen - ebenso stark wie die Importe, die auf 135,9 Mrd. Euro steigen sollen. Unter Fortschreibung auf Basis der letzten Prognose des Wirtschaftsforschungsinstitutes (WIFO) vom Dezember 2011 verheißt 2013 wieder etwas mehr Dynamik: Die heimischen Ausfuhren sollen sich demnach um 7,5 Prozent auf 137 Mrd. Euro erhöhen, die Einfuhren um den gleichen Prozentsatz auf 146,1 Mrd. Euro.

"Unser Export ist die treibende Kraft für Österreich - eine positive und gestaltende Kraft", sagte Leitl. Die Ausfuhrentwicklung sei auf dem gleichen guten Niveau wie jene Deutschlands. 40.000 exportierende Betriebe plus zigtausende Unternehmen im Zulieferbereich sicherten Wachstum, Beschäftigung und die Budgetsanierung durch ein Mehr an öffentlichen Abgaben. "Wirtschaftliches Wachstum ist der wichtigste Beitrag - mehr als alle Sparpakete es vermögen", so der Wirtschaftskammerpräsident. Angestrebt werden solle dabei "ein Prozent plus x". "Wir brauchen ein Wachstum, das über dem der Eurozone liegt." (APA)

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