Funpark mit Blick auf den Nationalpark

27. Februar 2012, 16:45
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Das Kitzsteinhorn bietet jungen Wintersportlern viel Spaß und anderen den Zugang zur Welt der 3000er

Es ist zwar nicht so bekannt wie das Matterhorn, aber unter Österreichs höchsten Bergen hat das Kitzsteinhorn das wohl markanteste Profil. Und anders als andere Gipfel kann man sich der 3203 Meter hohen Bergspitze bequem per Seilbahn nähern. Von der Bergstation der spektakulären Seilbahn mit der höchsten Stütze der Welt führt im Sommer ein gesicherter Steig ganz hinauf, den selbst ungeübte Alpinisten mithilfe von Bergführern in weniger als einer Stunde schaffen.

Aber auch für jene oft aus exotischen Ländern herbeiströmenden Touristen, die auf festem Boden bleiben wollen, bietet das Kitzsteinhorn seit dem letzten Sommer einen Blick in eine alpine Wunderwelt. Da wurde die "Gipfelwelt 3000" eröffnet. Ein alter Stollen, einst für Skifahrer gebaut, wurde erweitert und mit einer netten Ausstellung versehen, und am anderen Ende eine kleine Terrasse zu einer Plattform ausgebaut, die einen Rundblick auf die Gipfel des Nationalparks Hohe Tauern bietet. Wegen der Stauseen, der Seilbahn und dem Gletscherskigebiet, dem ältesten Österreichs, wurde das Kitzsteinhorn in den Achtzigerjahren nicht Teil des Nationalparks. Aber dessen Grenze verläuft nur wenige Meter vom Berg entfernt.

Der Tunnel, die Plattform und das rundherum verglaste Restaurant in der Gletscherwelt sind auch im Winter eine Attraktion, für Fußgänger genauso wie für Skifahrer, die kurz das Carven bleiben lassen wollen. Und von denen gibt es von Oktober bis Mai mehr als genug. Ein gutes Jahrzehnt nach der Brandkatastrophe in der Stollenbahn mit 155 Toten hat sich das Kitzsteinhorn wieder als einer der beliebtesten Skigebiete Österreichs etabliert.

Die Liftkapazität ist so hoch, dass es fast nie zu Wartezeiten gibt. Vom Talboden, wo man noch die Reste der alten Stollenbahn sieht und die Gedenkstätte an das Unglück besuchen kann, führen heute zwei moderne Seilbahnen ins Skigebiet, das von 2000 bis 3000 Höhenmeter reicht.

Was dem Gletscher an Pistenkilometern (41 gibt es) und langen Talabfahrten fehlt, macht er mit einem ausgefeilten Angebot vor allem für junge Snowboarder und Carver wett: tolle Funparks in mehreren Schwierigkeitsstufen und fünf anspruchsvolle Freeride-Routen, auf denen man relativ unbesorgt ins Gelände fahren kann. Und wenn einmal der Wind allzu sehr beißt, dann bietet das Icecamp auf 2700 Meter Höhe mit Cocktailbar im Iglu nieder- und hochprozentige Möglichkeiten, sich zu wärmen - und bei Sonne auch zahlreiche Liegestühle im Freien. Es sind diese Attraktionen, die dem Kitzsteinhorn in einer aktuellen deutschen Userumfrage den dritten Platz unter Europas Skigebieten beschert haben.

Für Wintersportler auf Urlaub in Kaprun ist das Kitzsteinhorn zweifellos die größte Attraktion. Aber Skifahren kann man auch am Maiskogel, einem sanften Skiberg mitten im Dorf, oder auf der nur wenige Kilometer entfernten Schmittenhöhe, dem Hausberg von Zell am See, der ein weitläufiges Skigebiet mit 77 Pistenkilometern und mehreren schwarzen Talabfahrten bietet. Manche Skipässe gelten auch für den Skicircus Saalbach-Hinterglemm, eine halbe Stunde Autofahrt entfernt.

Kein kurzer Weg zur Piste

Der Ort selbst bietet wunderbare Bergaussichten, aber wenig Atmosphäre. Dafür muss man ins idyllische Stadtzentrum von Zell am See fahren. Was auch fehlt, ist der kurze Fußweg zur Skipiste, gar nicht zu sprechen vom Skianschnallen vor der Hoteltür. Einige wenige Vier-Sterne-Häuser wie etwa der Rudolfshof Vitality, der sich auf Familien und eine grüne Küche spezialisiert hat, bieten einen eigenen Skishuttle zum Kitzsteinhorn und zur Schmittenhöhe sowie einen Abholdienst für Kinder durch die lokale Skischule. Sonst ist man auf das eigene Auto oder den Skibus angewiesen.

Deshalb träumen die lokalen Hoteliers von den ehrgeizigen Liftverbindungen, die schon seit Jahren zumindest projektiert sind: eine neue Zubringerbahn für die Schmittenhöhe, die dann mit einem Busshuttle quer über das Salzachtal vom Maiskogel aus erreicht werden kann; eine Verbindung vom Maiskogel zum Kitzsteinhorn, mit der der Gletscher vom Ort aus erreichbar wird; und schließlich auch der Lückenschluss zwischen Schmitten und dem Westgipfel von Saalbach. Doch das ist noch Zukunftsmusik. (Eric Frey/DER STANDARD/Printausgabe/25.2.2012)

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