Die französische Revolution

27. Februar 2012, 16:52

In Frankreich wird erlaubt, was Autofahrer hierzulande zur Weißglut treibt: das Rechtsabbiegen mit dem Rad bei Rot

Österreich ist langsamer. Oder einfach nur anders. In jedem Fall aber nicht Frankreich. Denn hier, in Österreich, stehen Verkehrspolitiker sich und einander vor lauter Klientel- und Ich-wisch-dir-eins-aus-Politik so gut im Weg, dass sie sich nicht einmal trauen, kontroverse Themen laut anzusprechen.

Ergo geht man hierzulande lieber in Deckung, wenn die Rede auf eine am 27. Jänner vom französischen Innenministerium proklamierte Neuerung im Straßenverkehr kommt. Denn diese "nouvelle signalisation à destination des cyclistes" kündigt nachgerade Unerhörtes an: Neue Verkehrszeichen und Ampel(zusatz)lichter "entraînent dans la circulation urbaine d'importantes mutations", werden also den Stadtverkehr nachhaltig verändern.

Denn die Schilder und Lichter (Nachrangzeichen, in die ein Bike und ein Richtungspfeil geradeaus respektive nach rechts gemalt sind, sowie Blinklichter seitlich auf der Höhe des grünen Ampellichtes) erlauben, was hierzulande Autofahrer zur Weißglut treibt: das Rechtsabbiegen mit dem Rad bei Rot - oder aber sogar das Überqueren einer Kreuzung, wenn die Verkehrssituation dies zulässt.

Freilich betont das Ministerium: Die Radfahrer haben Nachrang. Gegenüber Autos ebenso wie gegenüber Fußgängern. Und: Es steht den Kommunen frei, ob und wo sie diese Neuerung umsetzen.

An der österreichischen Radpolitik zog das bislang unbemerkt vorüber. "Schade", meint Christian Gratzer vom VCÖ. Er entdeckte diese französische Revolution in Berlin. Auf der Webseite einer Kreuzberger Radinitiative. Gratzer: "Der Blick über den Tellerrand wäre auch bei uns spannend. Aber man will lieber nicht wissen, was anderswo längst möglich ist." (Thomas Rottenberg/DER STANDARD/Automobil/24.2.2012)

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ein paar gedanken

1. sehr gute idee. wenn man die regeln der realität anpasst, werden sie auch wieder eingehalten. derzeit ist man als radler mit sinnlosen regeln einerseits und gefährlichen regelverstößen anderer verkehrsteilnehmer konfrontiert. na klar fügt man sich da nicht.

2. rechts abbiegen könnte man auch für autos erlauben, ist in einigen ländern überhaupt kein problem (zB USA, polen)

3. autofahrer, die regelverstöße von radlern ohne opfer (gefährdung, behinderung) aus prinzip zur weißglut bringen sollte man beim führerscheintest psychologisch aussieben. die verhalten sich dann erfahrungsgemäß auch entsprechend (knapp vorbeifahren und schneiden, radspur verstellen, hupen und schimpfen, bedrohen...)

dann mit autowegbenutzungspflicht selbstverständlich.

ich wähle gern den erlaubten weg - bei rot vom rad, ein paar schritte ums eck, aufsteigen und weiterfahren.

beim linksabbiegen so ein zebrastreifen vorhanden ist - vom rad springen und über den schutzweg - wichtig ist dabei dass man das rad ein bisserl vorm körper in die strasse schiebt - sicher ist sicher, und das bremst auch die forschen autoraser - drüben aufsteigen und weiterfahren - man muss die vorteile des rades nutzen!

Alltagsradfahrer steigen oder springen halt nicht gern ab..

Vielleicht weil sie 1 oder 2 Kindern am Rad mitnehmen, oder wirklich schwere Lasten transportieren, oder behindert sind..

Aber wenn man am Sonntag mal das niegelnagelneue MTB ausführt kann man natürlich bei jeder unnötigen Ampel auch schon mal abspringen und ums Eck hüpfen..

also absteigen sollte man auch mit kindern können und es geht (da hab ich mit 3 stück doch einige erfahrung) - und als rollstuhlfahrer sollt man auch einen randstein überwinden können - wenn nicht muss man halt auf grün warten - auch kein mallheur

Abbiegen

Als fast-nur-Autofahrer bekomme ich immer einen dicken Hals, wenn ich einen Radler das Rote der Ampel missachten sehe.
Das Rechtsabbiegen bei Rot offiziell unter den im Artikel beschriebenen Umstaenden zuzulassen hielte ich alllerdings fuer eine sehr gute Idee. Wenn alle wissen, was da kommen kann, kann das schon gut funktionieren.

rein aus interesse

regt es sie auf, wenn Autofahrer bei rot gerade noch über die Kreuzung drüberfahren.

aufregen

Ja, das regt mich auch auf. Noch mehr sogar.
Ich weiss, ich sollte mich nicht so aufregen ;)

ich frage deswegen, weil in solchen diskussionen sehr oft betont wird dass man sich über Radfahrer die über Rot fahren, dermassen aufregt, aber die Autofahrer die über Rot fahren kaum erwähnt werden. Ich weiss: der Fehler des einen, rechtfertigt den Fehler eines anderen nicht, aber wenn man den Fehler des einen dermassen betont, kommt der Verdacht auf, dass man den Fehler des anderen gar nicht wahrnimmt.

gibt eine einfache Lösung: zum Autofahrer ist man nicht geboren :-)

dicker hals aus prinzip?

da würd ich eher diagnostizieren: nicht zum verkehrsteilnehmer geboren.

zum radlfahrer ebenfalls nicht...

zum Autofahrer

Viele sind das nicht - stimmt ;-)

So neu ist das nicht: den Rechtsabbiegepfeil gab es für Radler UND Autofahrer schon vor Jahrzehnten - in der DDR.

In den USA gibt es das schon ewig. Funktioniert sehr gut, allerdings fahren die Amis aus rücksichtsvoller. Vielleicht weil sie in ihren Autos Fortbewegungsmittel sehen und nicht Statussymbole.

Die Amis fahren rücksichtsvoller?! Also ich lese einige Radblogs aus den USA, das kommt mir absoulut nicht so vor ...
Get of the Road ist da noch das freundlichste was ein Radler zu hören bekommt.

nicht ausgeschlossen dass sich das geändert hat

ich hab mich vor 20 jahren (damals als alltagsradler in einer kleinstadt in upstate NY) nur gewundert wie sehr auf mich rücksicht genommen wird. einmal sind an einer kreuzung ALLE autos stehen geblieben und haben mir gedeutet ich möge vorfahren.

auch meine erfahrungen aus dem letzten jahr waren ausschliesslich positiv - ok das war in san francisco, marin county und im umland von moab/utah, wo sowieso alles voll ist mit mountainbikern und rennradfahrern (und wo es parallel zu den highways radrouten gibt), das kann man vielleicht nicht vergleichen.

Lebenswohnraum triffts eher =)

Bei uns muss man halt noch absteigen, zwei Meter schieben, wieder aufsitzen, weiterfahren. Mit ein wenig Übung geht das fast so schnell wie im Fahren.

der österreichische autofahrer ist zu aggressiv, egoistisch und blöd um so etwas zu akzeptieren!

mit der einstellung wirst du als radler zurecht übern haufen geschoben !

Und mit der Einstellung sollte Ihnen zurecht der Führerschein entzogen werden.

Warum auf Gesetze warten?

Ich machs jetzt schon so. Natürlich haben Fußgänger Vortritt und auf die Autos wird aufgepasst.

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