"Gesundheit!"

26. Februar 2012, 21:46
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Hand vorhalten mag kurzfristig helfen - beim nächsten Händedruck findet der Keim ein neues Heim

Dieser Tage besteht die Welt im Wesentlichen aus wandelnden Wirten - und zwar solchen, die im Schutze mächtiger Rotzglocken hinterfotzigen Keimen Quartier gewähren. Immer wieder aber wollen die Keime hinaus an die frische Luft - bald jedoch wieder ins Warme, Feuchte, ursuppig Gemütliche. Kurz: in den nächstgelegenen Mitmenschen-Organismus. Hatschi!

Womit wir beim Thema sind. Niesen ist bei Verkühlung die meistverbreitete Art der Ansteckung, wenn auch nicht wie bisher angenommen. Mit besonderer Perfidie machen sich die Keime nämlich das gute Benehmen ihrer Wirte zunutze: Die meisten Ansteckungen finden nach neuen Erkenntnissen der Schnupfologie nicht via Tröpfcheninfektion statt - also über die Atemluft, die beim Niesen mit bis zu 180 km/h in die Welt geschleudert wird. Sondern über Hände, die dabei schützend vor den Mund gehalten werden, damit ebendieses möglichst nicht passiert.

Hand vorhalten mag kurzfristig helfen - spätestens beim nächsten feuchten Händedruck ist es dann aber so weit: Der Keim findet ein neues Heim.

Gesundheitsstrategen raten deshalb, statt in die Hand stets in den Ärmel zu niesen - was bislang freilich als Ausdruck offensiver Hinterwäldlerei galt. Allerdings wäre zu überlegen, ob das in derlei Situationen unerhört beliebte "Gesundheit" fürderhin nicht mehr dem Niesenden zu wünschen wäre - sondern wenn, dann gefälligst umgekehrt! (Severin Corti, DER STANDARD-Printausgabe, 27.2.2012)

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