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Vor eineinhalb Jahren galt er noch als Lichtgestalt. Aber jetzt, wo Joachim Gauck als Konsenskandidat von fünf deutschen Parlamentsparteien ins Präsidentenamt gehievt wird, hebt die Entrüstung an: Gauck hat lobend über den krausen Rassentheoretiker Thilo Sarrazin gesprochen, er findet Kapitalismuskritik "albern" und der Sozialstaat ist für ihn kein Thema, und auch Bürgerrechte interessierten ihn nur in der DDR - heute hat er an staatlicher Bespitzelung wenig auszusetzen. Gauck ist also ein strammer Neokon, so die Kritik, die ihm entgegenschlägt. Aber dann setzte plötzlich auch so etwas wie Selbstkritik der Netzcommunity ein: Da werde viel aus dem Zusammenhang gerissen, Gauck ist vielleicht keine Lichtgestalt, aber auch kein Finsterling. Also: Wie böse ist Gauck wirklich?
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Soweit ich lesen konnte, gab es in allen großen Zeitungen (beinahe oder ganz) konsequent eine Kampagne für Gauck. Als sich die Informationen aus dem Netz nicht mehr ignorieren ließen, kamen überall Artikel, die den Bloggern vorwarfen, Zitate aus dem Zusammenhang zu reißen.
Da überall betont wurde, Gauck sei der Wunschkanditat aller Deutschen, ist es doch verständlich, dass anders Denkende das Bedürfnis haben, sich deutlich zu distanzieren.
In welchen Zeitungen haben Sie eine Kampagne gegen Gauck beobachtet, Herr Minsk?
Es wirkt wie abgesprochen. Gauck startete mit einem neuen Buch in die Medienlandschaft am 20. Februar 2012 und zwar wieder von der Random-House-Verlagsgruppe, einer Unternehmenssparte der Bertelsmann AG, wo bereits mit seinem vorigen Buchtitel die Vergauckelung angekündigt wurde: "Winter im Sommer - Frühling im Herbst". Sarrazin erschien im DVA-Verlag München, gehört zur Verlagsgruppe der deutschen Unternehmensfamilie Mohn.
http://www.randomhouse.de/Buch/Frei... 403309.rhd
http://www.randomhouse.de/Buch/Deut... 296641.rhd
Als Fazit kann man einfach sagen:
Gauck wägt ab und siegt mal dies und mal jenes, richtet sein Fähnchen aber immer nach dem Wind. Da ist er schon ganz Politiker und deswegen auch für das Amt des Bundespräsidenten ausreichend qualifiziert.
Am Ende wird er aber - hoffentlich - besser sein als Wulff. Immerhin ist er ein bisschen weniger peinlich. (Was neben Leuten wie Philip Rösler kein großes Kunststück sein dürfte) und dann liest man einen Artikel über seine Antrittsrede, einen über eine "aufrüttelnde Rede an die Nation", evtl. noch einen über seine Wiederwahl 2017 und schon ist´s vorbei.
3 Ereignisse am selben Tag am 2. August 1998:
Herr Milosevic erklärte die Operationen gegen die Aufständischen am Kosovo für beendet.
Herr Erzbischof Desmond Tutu erklärte die Arbeit der "Kommission für Wahrheit" in Südafrika für beendet.
Herr Gauck in Deutschland betrieb dasselbe Geschäft.
natürlich ist eine gewisse gleichheit jedes einzelnen die voraussetzung für freiheit. aber um zu dieser gleichheit zu kommen, muss man eben oft die freiheit des einzelnen einschränken.
nichts anderes besagt das bild der waage. das argument dagegen verstehe ich nicht.
Apropos Selbstkritik Netzcommunity: ist Thilo Sarrazin wirklich nur ein "krauser Rassentheoretiker"? Wird da nicht auch nur das herausgepickt, was ideologisch stört und leicht angreifbar ist und seine ganze Lebensgeschichte und die sonstigen wahren Dinge, die er anspricht, einfach ausgeblendet um sich damit nicht beschäftigen zu müssen? Ist bei Sarrazin nicht genau das gleiche geschehen, was jetzt bei Gauck passiert?
Die "Netzcommunity" ist linksliberal und denkt leider meist sehr ideologisch und in Gut-Böse-Begriffen. Misik ist ein perfektes Beispiel dafür.
Warum soll sich rot-grün gegen Gauck stellen? Der kann doch als optimales Gegengewicht einer rot-grünen Regierung verkauft werden, und stört dann, da er kaum Gewicht hat, nicht beim Regieren.
Politiker sind keine Poster die dauernd ein trotziges "das stimmt so nicht" einwerfen müssen.
http://www.youtube.com/watch?v=ZLBfKhvq-Ng
http://www.youtube.com/watch?v=KyULM-c8t4Q
Mit der Wahl Gaucks trifft die Linke (bzw.Rot/Grün) der Fluch ihrer bösen Tat, die darin besteht, dass sie vor zwei Jahren Gauck nur aus taktischen Gründen, nicht aber aus Liebe und Sympathie unterstützt haben, also nur um die Regierung unter Druck zu setzen und parteipolitisches Kleingeld einzufahren.
egal ob privat oder als bp: natürlich soll gauck eine meinung dazu haben.
als privatmann hat er sie geäußert.
auch als BP kann (und wird?) er sie äußern. aber in anderer weise.
er wird also weder den namen sarrazin erwähnen, wenn er auf problematik bei der integration hinweisen will. noch wird er es in keinerlei zusammenhang zu tagesaktualität tun (wenn also thilo s. gerade wieder in den schlagzeilen sein sollte, dann lässt ein BP gauck mit sicherheit einige tage verstreichen, bevor er sein statement abgibt).
der grund ist ein ganz einfacher:
ein BP muss über den dingen des alltags stehen. seine ansicht darf nicht missbraucht werden, um damit tagespolitik zu machen.
sondern relativiert ist, geht mir schon so etwas auf den Hammer. Wenn man nicht die Kraft hat sich mit einer unbequemen Realität auseinanderzusetzen, dann resigniert man halt und wettert gegen die Rückständigen, die etwas "pöse" bezeichnen (Böses gibts ja nicht, wurde abgeschafft; einfache Logik).
Warum das Kind nicht lieber beim Namen nennen?
z.B. wenn jemand für Bürgerüberwachung ist, dann ist er für mein Empfinden ein astreines Werkzeug des Bösen (wenn man das Böse mal ganz neutral als solche Willenshandlungen und Motive definiert, die dem gesunden Menschsein zuwiderlaufen bzw. es verhindern).
Genauso wie bei uns die ÖVP keine andere Bezeichnung verdient hat.
Denn der Mensch macht die Realität, nicht die Technik.
Wenn wir weiter Betonschädeln einsetzen, die eigentlich ins vorletzte Jahrhudnert gehören und die lediglich mit ihrer Wampe und ihrer Intellektualität darüber hinwegtäuschen, dass sie der Rasanz der aktuellen technischen und ökonomischen Entwicklung vollkommen blind und hilflos gegenüberstehen,
brauchen wir uns nicht wundern, wenn gerade alle demokratischen Errungenschaften den Bach runter gehen.
http://www.sueddeutsche.de/digital/f... -1.1293845
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