"Heute"-Boss zielt auf "schlechte Magazine"

26. Februar 2012, 18:42
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Havranek: Verlag ohne SPÖ an Bord

Wien - Er hält Anteile an "Heute", auf eigene Rechnung, sagte er vor Gericht. Im Vorstand der "Heute"-Haupteignerin Periodika-Stiftung ist er Vize neben "Heute"-Manager Wolfgang Jansky, Werner Faymanns Ex-Sprecher. Das Gratisblatt ist, auch dank roter Buchungsfreude, Marktführer in Wien. Nun nimmt sich Steuerberater Günther Havranek (73) Magazine vor. Mit Sinn für Timing: Verteidigungsminister Norbert Darabos kürzt Heeresblättern Budgets. Da startet Havraneks QMM-Verlag "Militär Aktuell".

Dem "Einsatz", von der FPÖ gut gebucht, strich Darabos alle Budgets wegen rechtsextremer Mitarbeiter. Für 80.000 statt bisher 160.000 Euro bucht er in "Der Soldat"; für 200.000 Euro kauft er weiter Soldat-Hefte, die Heeresangestellte und Milizionäre füllen. Darunter auch jener "Kurier"-Redakteur, der von einem 150.000-Euro-Jahresvertrag für das QMM-Projekt "Militär Aktuell" berichtete. Das Ministerium bestreitet das jedoch. Ebenso Andy Dressler, der als Live-Manager bei der "Krone" aufhört und sich ganz der QMM widmet, an der er fünf Prozent hält. Havranek sagt dem STANDARD, er wisse nichts von einem Auftrag. Bestimmter ist er hier: Die QMM habe "mit der SPÖ so wenig zu tun wie Herr Faymann mit dem Kauf der Eurofighter". Außer seiner Mitgliedschaft.

QMM soll sich für das "Visa"-Magazin interessiert haben, gar für "Auto Touring" des schwarzen ÖAMTC. Das erste Projekt war noch wienerisch-rot mit "Fair Wohnen" (die Kanzlergattin betreute den Relaunch). Havranek beschreibt die QMM so: "Wir sehen einen Markt schlecht gemachter Magazine", die Dressler und Co besser könnten. Etwa solche, wo sich "Funktionäre selbst beweihräuchern". Gut möglich, dass Havranek beim Sanieren der SP-Finanzen auch zur Einstellung des Drucks von SPÖ aktuell riet. Gut möglich auch, dass er beim Wiener Kardinal anfragt, ob er eines der Kirchenblätter aufmöbeln darf. Havranek steht der Stiftung Rettet den Stephansdom vor. Dieser Initative und dem Weißen Ring käme auch das Vermögen von "Heute" zu, würde das Gratisblatt eingestellt. (fid, DER STANDARD, Printausgabe, 27.2.2012)

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