ÖBB suchen Chef für Güter, McKinsey könnte liefern

26. Februar 2012, 18:24
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Wien - Der dritte Vorstandsposten in der ÖBB-Gütersparte Rail Cargo Austria (RCA) ist noch nicht ausgeschrieben, schon schießen die Spekulationen über Wunschkandidaten ins Kraut. Auffällig oft fällt in dem Zusammenhang der Name McKinsey, gilt der seit vielen Jahren im Dienste der Staatsbahn tätige Unternehmensberater in ÖBB-Eigentümerkreisen doch als eine Art heimliche Personalreserve. Nun wird Georg Kasperkovitz als Hoffnungsträger genannt.

Der promovierte Techniker kenne die ÖBB aus diversen Um- und Restrukturierungsprozessen wie seine Westentasche und bräuchte nur die Seite zu wechseln, heißt es. Auf die Frage, ob sich die insbesondere im Güterverkehr mit wenig Eigenkapital herumkurvende ÖBB den Berater auch leisten könne, erntet man freilich fragende Blicke statt Antworten. Als Alternative, wohl aber auch nicht viel billiger, kursiert der Name Christoph Wolff. Der Logistikspezialist war in der Ära Mehdorn von McKinsey ins Ostgeschäft des Güterverkehrs der Deutschen Bahn gewechselt und bereits 2010 für einen Vorstandsjob bei ÖBB und RCA im Gespräch; seit 2011 ist Wolff Chef der Solar Millennium AG.

Sehr unterschiedlich werden die Chancen auf Aufstieg in die RCA-Führung für Arnold Schiefer eingestuft. Einst Sektionschef unter Verkehrsministerin Monika Forstinger (FPÖ) und danach Vorstandsdirektor für ÖBB-Betrieb, wechselte Schiefer im Vorjahr in die Chefetage der RCA-Ungarn-Tochter RCH (früher MávCargo). Er wäre im Fall eines Koalitionswechsels nicht nur Rechtsverbinder, sondern könnte sogar ohne Ausschreibung an der Spitze des ÖBB-Güterverkehrs gehievt werden. Konzerninterne Besetzungen ohne Ausschreibung habe es mehrfach gegeben. Alle Kandidaten haben eines gemeinsam: Sie gelten als Ersatz für den von ÖBB-Holding-Chef Christian Kern geholten Erik Regter.

Heute, Montag, soll sich der ÖBB-Holding-Aufsichtsrat auf die Vorgangsweise verständigen. Vorher steht allerdings eine intensive Diskussion über die RCA an. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Printausgabe, 27.2.2012)

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