Wunderkammer des Designs

26. Februar 2012, 18:16
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In der Ausstellung "Magie der Vielfalt" stellt sich das Museum für angewandte Kunst selbst dar

Die Kustoden präsentieren mit viel Liebe zum Detail skurrile Objekte und Highlights der Sammlungen.

Wien – Im Herbst 1992, anlässlich des 300-Jahr-Jubiläums der Akademie der bildenden Künste, zeigte Peter Greenaway, ein damals ziemlich angesagter Filmregisseur aus Großbritannien, in einer dreiteiligen Ausstellung 100 Objects to Represent the World: Man staunte u. a. über eine ausgestopfte Kuh, Adam und Eva, Freuds Praxisstuhl, Schuhe und Ventilatoren, Quecksilber und Tinte, Flugzeugwracks und Fischerboote.

Einen durchaus ähnlichen Versuch unternahm nun das Museum für angewandte Kunst: Für Magie der Vielfalt trugen die Kustoden voll Enthusiasmus all das aus den Depots und Schausammlungen zusammen, was ihrer Meinung nach das Mak repräsentiert. Die kunterbunte Schau ist mehr oder weniger der Höhepunkt eines Nachdenkprozesses, den Christoph Thun-Hohenstein, der neue Direktor, dem Haus im Herbst 2011 verordnet hat. Mit dem Projekt " Memory and Progress", kurz "Map", sollte die Ausrichtung des Museums hinterfragt und "eine Landkarte für die Zukunft" erstellt werden. Magie der Vielfalt gibt zwar keine Antworten, liefert auch keinen großen theoretischen Überbau, aber sie unterhält zumindest gut – mit Kuriositäten wie mit Fülle. Und sie überrascht mit einigen ungeahnten Bezügen zwischen Kunst und Handwerk.

Unter den für die Ausstellung angefertigten Installationen von Krüger & Pardeller funktioniert als Eyecatcher ganz besonders eine knapp zehn Meter lange, keilförmig zusammenlaufende Vitrine, in der die Gegenstände wie Jolly-Buntstifte nach den Farben des Regenbogens angeordnet sind. Zu entdecken gibt es wertvolle Objekte von der Antike bis heute, darunter ein Netsuke, einen Kelch aus dem 15. Jahrhundert oder eine chinesische Grabfigur aus der Tang-Dynastie, aber auch höchst Profanes (und nicht Inventarisiertes) wie ein Einwegfeuerzeug, ein Sparschwein oder ein gelber Post-it-Block.

Das vom Mak zu bestellende Feld ist scheinbar weit: Es reicht von Sebastian Brants Das Narrenschiff in der Erstausgabe bis zur E-Gitarre und dem Dyson-Staubsauger. Aber nicht grenzenlos. Denn das Flaschenregal von Wolfgang Hints findet gleich dreimal Verwendung, um die Farbpalette zu komplettieren. Wunderkammermäßig geht es weiter: Der Mantel ohne Ärmel aus Menschenhaar von Carol Christian Poell und die ausgestopfte Ferkeltotgeburt mit Aktenkofferhenkel berühren unangenehm. Eine monströse Porzellanvase von Fischer/Herend aus 1871 wird mit Glasvasen aus den 1950ern kontrastiert, Birgit Jürgenssens bekannter Schuhsessel mit einem schmucklosen Schuhkasten und ein Fauteuil aus der Möbelwerkstatt Franz Augustin, wie ein anatomisches Präparat seziert, mit dem Schichtwerk einer Mauer aus der Bronx von Gordon Matta-Clark.

Einziges Manko ist die verblasste Magie des Mak. Die Aufseher drehten samstags mutterseelenallein ihre Runden. (Thomas Trenkler, DER STANDARD/Printausgabe 27.2.2012)

Bis 25. März

  • Voll mit Objekten, die das Mak repräsentieren: Installation von Krüger & Pardeller.
    foto: thomas trenkler

    Voll mit Objekten, die das Mak repräsentieren: Installation von Krüger & Pardeller.

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