EZB bietet Banken Nachschlag am Geldbüffet

26. Februar 2012, 16:35
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Banken können sich am Mittwoch mit Geld zu historisch niedrigem Leitzins von derzeit einem Prozent eindecken

Frankfurt/Berlin - Mit einer weiteren gigantischen Geldspritze impft die EZB die Euro-Zone gegen eine Kreditklemme und das Ausufern der Schuldenkrise. Am Mittwoch holen sich die Banken ihre Dosis ab. Dann können sie sich bei der EZB für drei Jahre zum historisch niedrigen Leitzins von derzeit einem Prozent mit Geld eindecken. "Das ist eine einmalige Chance und quasi geschenkt", sagt ein Händler. Viele Banken dürften sich die zweite und vorerst letzte Gelegenheit dieser Art nicht entgehen lassen, zumal EZB-Chef Mario Draghi sie ausdrücklich dazu ermuntert hat.

Wenn seine Rechnung aufgeht, wird der Geldsegen das Kreditgeschäft und auch den Anleihemarkt beleben. Dort muss das klamme Italien in den kommenden beiden Monaten fast 100 Mrd. Euro einsammeln, um sich finanziell über Wasser zu halten. Von Reuters befragte Analysten erwarten im Schnitt, dass sich die Banken ähnlich wie beim ersten längerfristigen Geldgeschäft (LTRO) dieser Art im Dezember mit rund einer halben Billion Euro vollsaugen werden. Ökonomen der Schweizer Großbank UBS rechnen gar damit, dass der Appetit der Banken auf frisches Geld drei Mal so groß sein wird.

Ohne Scheu

EZB-Präsident Draghi hatte die Institute aufgefordert, von dem Angebot der Zentralbank ohne Scheu Gebrauch zu machen. Es sei keine Schande, die Möglichkeit zu nutzen. "Für einige Banken ist das Thema Schande zwar akut, aber das ist ein gutes Angebot. Viele Banken werden sich so oder so eindecken", sagt Analyst Frank Oland Hansen von der Danske Bank voraus.

Volumen steht noch nicht fest

Die EZB hat noch nicht darüber entschieden, wie viele Milliarden an zinsgünstigen Refinanzierungskrediten sie in dieser Woche den Banken anbieten wird. "Wie groß das Volumen des zweiten Geschäfts wird, steht noch nicht fest", sagte EZB-Direktor Jörg Asmussen dem "Handelsblatt".

"Das erste dreijährige Refinanzierungsgeschäft hatte, soweit man es heute schon beurteilen kann, positive Auswirkungen", sagte Asmussen am Rande des Gipfels der G-20-Finanzminister und Notenbankchefs in Mexiko. Die Gefahr einer Kreditklemme sei heute deutlich geringer als im Dezember. "Beide Refinanzierungsgeschäfte sind nicht Teil der Standardmaßnahmen und daher temporär", sagte er.

"Die Durchführung des zweiten Refinanzierungsgeschäfts sollte nicht automatisch die Erwartung wecken, dass wir es ein drittes und viertes Mal tun werden", so Asmussen laut einer Vorab-Meldung der Zeitung. "Die die EZB verpflichtet sich nie im Vorhinein zu irgendeiner Aktion", sagte er.

Asmussen trat dem Eindruck entgegen, dass die EZB mit den Liquiditätshilfen für die Banken für jene Stabilisierung des Eurosystems sorgt, für die der Euro-Rettungsschirm EFSF aus Sicht vieler Marktteilnehmer nicht ausreicht. "Die Verantwortung für die Rettungsschirme liegt bei den Staaten. Notenbanken können Regierungshandeln nicht ersetzen", so der EZB-Direktor.

Bis zu einer Billion

Wie viel Geld diesmal abgerufen wird, ist und bleibt die große Frage. Bei der Reuters-Umfrage unter 60 Analysten reichen die Prognosen von 200 Mrd. bis zu einer Billion Euro. Laut einer separaten Umfrage unter 29 Geldmarkthändlern dürfte die Nachfrage leicht auf 470 Mrd. sinken. Ob die im Dezember erreichte Marke von 489 Milliarden geknackt wird, ist für die Währungshüter im Frankfurter Euro-Tower jedoch Nebensache. Wichtig ist für sie, dass das Geld nicht gehortet wird. Es soll in die gewünschten Kanäle - sprich den Anleihenmarkt und den Kreditsektor - strömen. Die Chancen stehen in dieser Hinsicht besser als im Dezember, dass der Tender zum Volltreffer wird.

Analysten schätzen, dass die Banken beim LTRO vor Weihnachten bis zu 250 Mrd. Euro zur eigenen Entschuldung nutzten. Rund 200 Mrd. Euro dürften zudem für die Begleichung älterer EZB-Darlehen abgehen. Somit blieben nur 40 Mrd. Euro für eine Kapitalmarkt-Investition wie den Kauf von Staatsanleihen. Dieses Mal werden voraussichtlich nur rund 90 Mrd. Euro an die EZB für fällige frühere Papiere zurückfließen. So könnte der Tender selbst bei niedrigerer Zuteilung als im Dezember aus Sicht der EZB effektiver sein.

Doch auch der erste an den Leitzins gekoppelte Tender, bei dem 523 Banken zugriffen, gilt als Erfolg. "Im Herbst 2011 zweifelten doch noch viele Investoren daran, dass es Italien und Spanien gelingt, ihre in den ersten Monaten von 2012 fälligen Staatsanleihen zu refinanzieren", sagt Christoph Weil von der Commerzbank. Die EZB habe mit der Einführung der dreijährigen Kredite für die Banken diese Sorge spürbar verringert.

Seit Dezember sind die Risikoprämien italienischer und spanischer Staatsanleihen markant gesunken. "Für die italienischen und spanischen Banken dürfte es sehr attraktiv sein, sich bei der EZB für drei Jahre billiges Geld zu leihen und dieses in höherverzinsliche nationale Staatsanleihen zu investieren", sagt Weil. "Und das quasi risikofrei", wie ein Händler betont. Denn die Banken können die Titel auch als Sicherheit bei der Notenbank hinterlegen. Solche quasi risikolosen Arbitrage-Geschäfte liebt die Bankenbranche, die auch von einem "Free Lunch" spricht: Insbesondere Italien kann daher nach dem großen Schlemmen am EZB-Geld-Büffet auf rege Nachfrage bei seinen Anleihe-Emissionen rechnen. Das Land muss im März und April jeweils rund 45 Mrd. Euro aufnehmen.

Verpufft

Am Interbankenmarkt ist die Großzügigkeit der EZB jedoch weitgehend verpufft. Das gegenseitige Misstrauen der Geldinstitute ist zu stark. "Wir haben am Geldmarkt eine Zweiklassengesellschaft: Die einen haben die Kohle, geben sie aber nicht weiter. Die anderen bekommen nichts und stehen bei der EZB auf der Matte", fasst ein Händler zusammen.

Trotz dieser Probleme heißt es für die Banken nach dem 29. Februar: keine Selbstbedienung mehr am EZB-Geldschalter. Wie aus Zentralbank-Kreisen verlautete, können die Privatbanken nicht auf eine dritte Mega-Geldspritze zum Leitzins bauen. Denn die EZB will den Instituten helfen, sie aber nicht auf Dauer an den Tropf hängen. (APA/Reuters)

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    Rauf- und reinschaufeln, wie viel man will. Das Buffet für die Banken wurde neu aufgefüllt und wird am Mittwoch eröffnet.

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