Italien schafft Steuer­privilegien der Kirche ab

26. Februar 2012, 16:14
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Auch die katholische Kirche muss in Zukunft Immobiliensteuern zahlen, wenn sie Gewinne macht - die Bischöfe sind nicht begeistert

Rom - Die Regierung Monti schafft Steuerbegünstigungen der katholischen Kirche ab und zieht sich damit den Unmut italienischer Bischöfe zu. Auch die Kirche müsse ab 1. Jänner 2013 die Immobiliensteuer IMU bezahlen, beschloss das Fachleutekabinett um den italienischen Premier Mario Monti. Kirchengebäude auf italienischem Territorium, die Gewinne generieren - wie von kirchlichen Orden verwaltete Unterkünfte für Pilger, Geschäfte mit religiösen Souvenirs oder Pfarreikinos - seien nicht mehr wie bisher von der Immobiliensteuer befreit, beschloss der Ministerrat in Rom.

Der Regierungsbeschluss löste in katholischen Kreisen heftige Kritik aus. Der Orden der Salesianer erklärte, es wäre durchaus unfair, katholische Schulen zur Zahlung der Immobiliensteuer zu zwingen. Dies würde dem Gesetz widersprechen, das private und öffentliche Schulen gleichstellt. Die Zahlung der Immobiliensteuer würde dem katholischen Schulsystem einen verheerenden Schlag versetzten, warnte Alberto Zanini, Sekretär der italienischen Salesianer-Schulen. "Wir wären gezwungen, einen Großteil unserer Schulen zu schließen und Lehrer zu entlassen", so Zanini. Die Jesuiten, die in Italien mehrere Privatschulen verwalten, warnten vor der Gefahr, dass das Schulgeld in katholischen Schulen erhöht werden müsse, was die Familien der Schüler in dieser Krisenzeit schwer belasten würde.

Nicht-kommerzielle Tätigkeiten bleiben steuerfrei

Von der Immobiliensteuer entlastet sind lediglich Gebäude, in denen exklusiv nicht-kommerzielle Tätigkeiten stattfinden, wie Kirchen, Pfarreien und Non-Profit-Organisationen. "Damit soll der Steuerdruck in Italien reduziert werden", verlautete aus Regierungskreisen in Rom. Der Plan Montis wird am kommenden Mittwoch im Senat debattiert. Schätzungen zufolge könnten mit diesem Schritt jährlich bis zu 600 Millionen Euro zusätzlich in die Staatskasse kommen.

In Italien gibt es 14.149 Privatinstitute, mehrheitlich katholische, mit rund einer Million Schülern. Der Papst hat auch zuletzt immer wieder die Gesellschaft aufgefordert, katholische Schulen zu unterstützen. Die katholische Schule sei eine wertvolle Ressource im Dienste der Schüler und ihrer Familie, die diesen Bildungsweg wählen. Der Vatikan hatte in den letzten Monaten wiederholt die italienische Regierung aufgerufen, das Recht der Familien zu respektieren, ihren Kindern eine katholische Bildung zu ermöglichen. Immer mehr katholische Schulen seien aus Geldmangel zur Sperrung gezwungen. (APA)

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    Mario Monti und Papst Benedict XVI.

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