ÖSV-Adler katapultieren sich zu Gold

26. Februar 2012, 16:06

Morgenstern, Kofler, Schlieren­zauer und Koch zum dritten Mal in Folge Team-Weltmeister, Respekt­abstand vor Deutschland

Vikersund/Norwegen - Am Samstag hatte sich Trainer Alexander Diess nach dem Sturz von Martin Koch die Haare gerauft, 20 Stunden später hatte er leicht lachen. Das Quartett Thomas Morgenstern, Andreas Kofler, Gregor Schlierenzauer und der Einzel-WM-Dritte Koch sicherte dem Österreichischen Skiverband in Vikersund souverän die dritte Team-Goldmedaille bei Skiflug-Weltmeisterschaften in Folge. Silber ging am Sonntag an die 23,2 Punkte zurückliegenden Deutschen, Slowenien mit Einzel-Weltmeister Robert Kranjec (68,0 zurück) holte Bronze.

Bei erstmals gleichmäßigen Bedingungen auf der Weltrekordschanze brillierten die Österreicher einmal mehr als Mannschaft - kein anderes Team hat vier so gleichmäßig starke Athleten zur Verfügung. Am Sonntag stand schon zum neunten Mal in einer seit 2006 andauernden Serie ein Quartett von Cheftrainer Alexander Pointner bei einem Großereignis auf der obersten Stufe des Podests. Diess, der den vorzeitig heimgereisten Pointner vertrat, freute sich mit den Athleten. "Wir sind total happy. Das ist eine Riesenentschädigung für gestern. Jetzt sind wir Weltmeister!"

Es war beinahe ein Start-Ziel-Sieg der ÖSV-"Adler". Nur nach dem zweiten Sprung lag Deutschland knapp (0,7 Punkte) voran. Mit sieben Flügen über die 200-m-Marke wurde die Basis gelegt, Schwächen gab es kaum. Koch (217,5/218 m), am Vortag Pechvogel des Tages, machte den Erfolg als Schlussmann perfekt. "Ich habe den letzten Flug richtig genießen können. Ich habe schon probiert, Vollgas zu geben, aber es ist nicht ganz so gelaufen", sagte der Kärntner.

Kofler (212,5/210,5) hatte im Probedurchgang mit 233 Metern persönliche Bestweite fixiert ("Der war frei von der Leber weg"), im Bewerb gab sich der Sechste des Einzelbewerbs keine Blöße. "Das war ein super Wochenende für mich", erklärte Kofler, der noch um den Gesamt-Weltcup kämpft. "Der wird beim Finale im Skifliegen in Planica entschieden, dafür habe ich hier Selbstvertrauen und Sicherheit getankt."

Schlierenzauer flog im ersten Durchgang nach einer Umstellung beim Material auf 217,0 Meter, doch im zweiten war er Leidtragender einer Jury-Entscheidung. Nachdem vor ihm der Norweger Rune Velta auf die Tagebestweite von 243 Metern gesegelt war, wurde auch zum Ärger von Diess um zwei Luken verkürzt. "Das ist eine Verzerrung des Wettkampfes, ich bin happy, dass sich Gregor runtergekämpft und den Vorsprung gehalten hat", sagte der Oberösterreicher zu dem 190,5-m-Flug des Ex-Weltmeisters.

Nummer eins im ÖSV-Team war diesmal Morgenstern, der seine besten Sprünge des Wochenendes zeigte. "Kein Wind, da sitzt man mit einem breiten Grinsen auf dem Balken." Als erster Springer war der Kärntner mit 224,5 und 225,5 Metern jeweils Bester seiner Gruppe. "Es ist einfach schön.

Der Norweger Rune Velta, am Vortag Vize-Weltmeister, kam mit 243 Metern bis auf 3,5 Meter an den Weltrekord seines zurückgetretenen Landsmannes Johan Remen Evensen heran (der Japaner Daiki Ito landete bei 240,0 m), sein Team ging dennoch leer aus. Weil Ex-Weltrekordler Björn Einar Romören im Finale patzte (172,5), blieb den vom Tiroler Alexander Stöckl betreuten Gastgebern nur der vierte Platz, 38,2 Punkte hinter Slowenien. (APA)

Die Erfolgsserie von Österreichs Skispringern in Teambewerben:

  • Olympia 2006 in Turin: 1. Österreich (Widhölzl, Kofler, Koch, Morgenstern) - 2. Finnland - 3. Norwegen
  • WM 2007 in Sapporo: 1. Österreich (Loitzl, Schlierenzauer, Kofler, Morgenstern) - 2. Norwegen - 3. Japan
  • Skiflug-WM 2008 in Oberstdorf: 1. Österreich (Koch, Morgenstern, Kofler, Schlierenzauer) - 2. Finnland - 3. Norwegen
  • WM 2009 in Liberec: 1. Österreich (Loitzl, Koch, Morgenstern, Schlierenzauer) - 2. Norwegen - 3. Japan
  • Olympia 2010 in Vancouver: 1. Österreich (Loitzl, Kofler, Morgenstern, Schlierenzauer) - 2. Deutschland - 3. Norwegen
  • Skiflug-WM 2010 in Planica: 1. Österreich (Loitzl, Morgenstern, Koch, Schlierenzauer) - 2. Norwegen - 3. Finnland
  • WM 2011 in Oslo: Normalschanze: 1. Österreich (Schlierenzauer, Koch, Kofler, Morgenstern) - 2. Norwegen - 3. Deutschland
    Großschanze (1 Dg.): 1. Österreich (Schlierenzauer, Koch, Kofler, Morgenstern) - 2. Norwegen - 3. Slowenien
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"Nummer eins im ÖSV-Team war diesmal Morgenstern, der seine besten Sprünge des Wochenendes zeigte."

stimmt nicht wirklich. morgenstern hatte es nur um einiges einfacher immer der beste seiner gruppe zu sein, weil von den anderen nationen oft sogar die schwächsten des teams in der ersten startgruppe zu finden waren. außerdem ist morgenstern von gate 14 bzw 13 angefahren. davon konnten kofler (12/10), schlierenzauer (12/8) und koch (9/8) nur träumen.

wenn man teamintern schon eine nummer 1 ausmachen will, so wäre das martin koch. mit abstand! schlierenzauer hat sich wenn man sich die ergebnisse, windverhältnisse, etc. ansieht sogar richtig gut geschlagen. man hätte ihm halt noch einen zweiten langen flug vergönnen können.

Ich denke, auch Kofler hat sich gut geschlagen - seine persönliche bestweite von 216m auf 233m gesteigert, 6. im einzelbewerb, keinen einzigen vergeigten sprung das ganze wochenende. Im teamwettbewerb hatte er halt das Pech, dass Richard Freitag zwei mal vor ihm seine bestweite gesteigert hat und knapp an bzw. über hillsize geflogen ist, so dass bei ihm dann das gate verkürzt wurde. Trotzdem - tadellose leistung für einen, der bis jetzt als "nicht-flieger" gegolten hat.

kofler war auch sehr stark, da haben sie recht! hätte ihm so ein starkes flugwochenende nicht zugetraut, da hat er meinen vollen respekt.
allerdings wurde nie genau vor ihm verkürzt und auch nicht wegen richard freitag, sondern piotr zyla hat die verkürzung in beiden durchgängen "erzwungen". ;) bis auf zyla und muotka hatten alle dasselbe gate in koflers gruppe.

für alle interessierten:
http://www.fis-ski.com/pdf/2012/... 3166RL.pdf
da kann man sich die tolle gateschieberei nochmals ansehen. :P

Stimmt, sorry, da hatte ich was falsch abgespeichert.

Ich suche, aber leider bislang erfolglos, das Video wo Diess den Bakken runterslidet. Hat das irgendwer gefunden / kann das wer auf youtube hochladen?

Rutschpartie- Alex Diess

http://insider.orf.at/stories/7... MSPRINGEN/

für ein paar tage/stunden (beim orf weiß es nie) wird es wohl noch online sein.

Bei all der Diess Euphorie sei nicht vergessen,...

...Alex Pointner hat diese Mannschaft zu der gemacht, die sie jetzt ist!
http://sport10.at/home/wint... nke-sagen-

das wird sicher nicht vergessen.

es ist nur eine erfrischende abwechslung mal einen typen wie diess agieren zu sehen, der offensichtlich mitfiebert und sich sprichwörtlich einen "haxn" ausfreut.

nicht, dass pointner weniger mitfiebert, er trägt es nur nicht so nach aussen.

das hat überhaupt nichts mit der vollkommen unumstrittenen leistung von alex poitner zu tun.

hier geht es einfach nur darum, dass diess eben ein lässiger typ zu sein scheint, und nicht um die trainerqualitäten.

und mir ist pointner absolut nicht unsympatisch.

aber es gibt, glaube ich, am gesamten trainerturm keinen typen , der auch nur annähernd so mitfiebert wie diess, zumindest sehe ich dort meist vorwiegend ernste gesichter und doch eher verhaltene freude.

Ich stimme voll und ganz zu, sein Auftreten, so wie er seiner Euphorie freien Lauf gelassen hat, das war schon sehr erfrischend und ist dem emotionsbeschnittenen Skisprung sicher zuträglich!
Vielleicht nimmt der Alex den Alex in Zukunft ja mit auf den Trainerturm!;-)

3. Postingversuch

Ergebnisorientiert betrachtet, erweisen sich die neuen Regeln als fair, Zufallssieger gibt es (fast) keine mehr. Das Grundproblem liegt darin, dass eine Tendenz zu erkennen ist, auch jene Springer weit springen zu lassen, die das bei jenem Anlauf, der für die aktuell besten Athleten gewählt wird, nie und nimmer schaffen würden. Den TV Konsumenten werden so viele weite Sprünge geboten, ein Unterschied zwischen den Athleten ist aber nicht mehr wahrnehmbar. Ich halte es für besser, wenn nur die Besten die maximalen Weiten erzielen können. Dass bei einer Team WM, wo nach jeder Gruppe der Anlauf gewechselt werden kann, trotz Windstille der Anlauf mehrmals innerhalb der Gruppe gewechselt werden musste ist ein Armutszeugnis für die Jury.

hm

eigentlich ist sowas skandalös und extrem unsportlich und unfair. der, der vor schlieri sowas entschieden hat, kann entweder kein fairer gerechter mensch sein oder brutal harter empfehlsempfänger, der todesangst vor einer falschen entscheidung hat, es gibt wirklich keinen grund, eine sportart unfair zu gestalten. es ist schlicht erstaunlich und nach solchen aktionen macht es mir bald keinen spaß mehr, überhaupt mir sowas anzuschauen. wenn hätten alle aus dieser gruppe nochmals springen müssen. alles abgesehen vom wind, der naturgemäß anders zu bewerten ist. aber einfach so, der darf 80 meter anlauf haben, der andere 76... is ja eh wurscht. das nächste mal gibts ein fußballspiel, wo ein Tor 1 Meter kürzer ist. wäre sehr fair

Gateregel

Das es vor allem beim Fliegen ohne Gateregel nicht mehr geht, haben m.E. Kranjec und Koch mehrmals bewiesen. Aber zur Verkürzung vor Schlierenzauer muss man auch anmerken, dass zum gleichen Zeitpunkt voriges Jahr sich wahrscheinlich keiner über eine Verkürzung aufgeregt hätte, denn der Gregor wäre trotzdem 240 Meter gesprungen. Heuer ist das eben anders und man sollte sich am aktuell besten orientieren. In diesem Fall hätten alle von Gate 8 springen müssen, das wäre dann fair gewesen. Wenn das so weiter geht, werde ich bald auch nicht mehr zusehen, obwohl ich es prinzipiell sehr cool finde.

wenn es letztes jahr gewesen wäre:

es war ja letztes jahr etwas ähnlich, nur dass es kein teambewerb war.

aber da sprang evensen in einer eigenen liga und in der quali den weltrekord.

dann sprang er im bewerb wieder sehr weit und nach ihm kam schlierenzauer.

und immer wurde vor schlierenzauer verkürzt-auch das war nicht in ordnung,wurde auch kritisiert.

erstens waren flüge von evensen locker zu stehen,zweitens kann es nicht sein, dass wenn ein topspringer weit springt,der andere nicht auch die möglichkeit dazu bekommt,WENN der wind mitspielt!

damals bestand keine gefahr von unvorhergesehen windböen,die zu weit tragen könnten,genau wie diesen sonntag-siehe letzte gruppe.

und von anfang an ein niedriges gate für ALLE,das wäre fair.

hm

ich hätte mich exakt gleich aufgeregt, weil nicht sein darf, dass nicht alle die gleichen anlaufbedingungen haben, egal wer danach springt. hätte mich bei jedem volle aufgeregt. das ist einfach erbärmlichst und unsportlich. nächstesmal beim 100-meter schwimmen muss dann einer 103 meter schwimmen. sowas darf nicht sein

wenn schlierenzauer in der form vom letzten jahr gewesen wäre und velta auch in der bestechenden form von heuer, dann hätte man sich sehr wohl aufgeregt, denn auch dann hätten alle vom gleichen gate anfahren müssen und man hätte eben VORHER niedrig wählen müssen.

und dann wäre die aufregung sicher deswegen gross gewesen, da man schlierenzauer mit einer verkürzung die chance auf den weltrekord genommen hätte.

ich erinnere an letzte saison, wo evensen u. er in top-form waren, und immer unmittelbar vor schlierenzauer verkürzt wurde, der aber trotzdem noch auf 143,5 m kam.

wenn es angeblich möglich ist auf der schanze 250m zu springen u. diese auch zu stehen, dann war auch da kein grund zur verkürzung, da der sprung locker gestanden wurde.

dem boris jirka hätte ich gestern an schlierenzauers stelle aber auch eine ganz andere anwort gegeben, als er ihn als unsicherheitsfaktor in der mannschaft betitelt hat.noch dazu vor seinem zweiten sprung, das war sicherlich auch gaaaaaanz förderlich für das ego.

unsere reporter sind teilweise seltene vollkoffer.

hab ich mir auch gedacht. eh schon verunsichert und dann kannst dir so einen scheiß auch noch anhören.
gregor hat schon so oft im team brilliert als andere schwächelten, aber natürlich wird bei ihm diese kleine "schwächephase" betont.

teilweise seltene vollkoffer

Wer ist der "Nicht-Vollkoffer"?

Auf dem bild sieht man wunderbar...

...das der schlieri nach dem absprung quasi im wind steht während alle anderen schon fertig sind mit absprung-übergang.

Nein.

Am Markenlogo erkennt man deutlich, dass der Aufnahmewinkel unterschiedlich ist. Daher sind die Bilder nicht vergleichbar.

bezüglich gateverschiebungen und weltrekord:

früher hatte theoretisch jeder springer die chance den weltrekord zu knacken, da ja alle athleten von der gleichen luke abgelassen wurden.

man erinnere sich, dass es da auch vorkam, dass dieser zweimal in einem bewerb geknackt wurde (hautamäki zb.) oder ahonen/romoeren, wenn ahonen ihn gestanden hätte.

jetzt verhält sich die sache doch gleich anders,da durch die gateverkürzungen doch einigen athleten die chance weltrekord zu springen genommen wird.

das gleiche gilt für sonstige schanzenrekorde.

wird es in zukunft so sein, dass die schwächeren springer dank eines langen anlaufs sämtliche rekorde knacken und die besten der besten schauen durch die finger???

Das ist ja letztes Jahr in Vikersund geschehen. Evendsen sprang immer direkt vor Schlierenzauer und aufgrund seiner Riesenweiten mußte Schlierenzauer anschließend von weiter unten starten und hatte selbst keine Chance mehr auf den Weltrekord.

Die Gate/Windregel...

...mag die Fairness des Sportes zwar steigern, die Attraktivität steigert sie sicher nicht. Darüber hinaus denke ich auch, dass die Springer selbst lieber Sieger nach Weite werden, als Sieger durch Wind oder kurzen Anlauf.

Dass es immer weniger Rekorde geben wird, ist nach dem gestrigen Springen auch klar, wenn jedesmal verkürzt wird sobald einer mal gut springt.

hm

die gate-verkürzung vor schlierenzauer war das unsportlichste, was ich jemals im sport gesehen habe. gehts überhaupt noch? offensichtlicher unfairer gehts ja gar net. als schlieri wäre ich nicht angetreten. das nächste mal machma das fußballtor der gastmannschaft um 2 meter schmäler. is eh net unfair

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