Mobilfunk-Branche zwischen Boom und Patentkriegen

Analyse26. Februar 2012, 11:53
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Sektor ist Motor der High-Tech-Branche

Die Zeiten, als ein Handy vor allem für Telefongespräche und SMS da war, sind vorbei. Heute übernehmen Smartphones die Macht, selbst das Wort Handy scheint veraltet. Die Mobilfunk-Branche ist heute ein Multi-Milliarden-Geschäft, um das sich immer mehr die gesamte Computer- und Internet-Welt dreht. Doch wenn sich in den nächsten Tagen Top-Manager der Industrie zum "Mobile World Congress" (MWC) in Barcelona versammeln, feiert die Branche keineswegs nur ein Fest der Sieger: Die neuen Machtverhältnisse führen auch zu Konflikten, die in aller Härte vor Gericht und von Lobbyisten im politischen Feld ausgetragen werden.

Schlammschlacht

Der kaum noch überschaubare Patentkrieg zwischen Herstellern wie Apple, Samsung oder Motorola gehört inzwischen zum Tagesgeschäft - kaum eine Woche vergeht ohne neue Klagen, Urteile, Vorwürfe. Das sind aber nur die offensichtlichen Feindseligkeiten über viel tiefer gehenden Streitlinien. Die tiefste davon trennt zwei große Gruppen, die ohneeinander nicht können, sich aber immer mehr ins Gehege kommen: Die Netzbetreiber auf der einen und die Geräte-Hersteller und Diensteanbieter auf der anderen Seite.

Diese Gegensätze sind in Barcelona schon seit Jahren ein heißes Eisen. Die populären Smartphones sind ohne schnelle Datennetze nur ein nutzloses Stück High-Tech. Und Netzbetreiber wie Vodafone und Deutsche Telekom brauchen attraktive Geräte, um ihre mobilen Internet-Dienste an die Kunden zu bringen. Mit dem Vormarsch der Computer-Telefone mussten die Provider jedoch massiv Kontrolle abgeben.

Netzbetreiber in der Defensive

Nicht mehr die Netzbetreiber entscheiden, welche Programme auf ein Mobiltelefon kommen, sondern der Kunde, der sie sich selbst aus den App Stores herunterlädt. Apple oder Google verdienen am Umsatz der App-Plattformen mit. Die einst mächtigen Telekom-Konzerne dürfen dagegen nur noch den Datenverkehr in ihren für viele Milliarden ausgebauten Netzen umschlagen. Jahr für Jahr wiederholen ihre Top-Manager in Barcelona gebetsmühlenartig, dass sie sich nicht auf die Rolle einer "dummen Pipeline" reduzieren lassen werden. Jahr für Jahr heißt es aus der Internet-Ecke hinter vorgehaltener Hand, dass dies längst geschehen ist. Die Datenfunk-Gebühren seien doch immer noch üppig genug, es gebe keinen Grund zu klagen, wetterte ein Online-Manager vergangenes Mal.

Schmerzhafte Verluste

Der Machtverlust der Telekom-Riesen schlägt aber auch schmerzhaft auf die Zahlen durch. Und es geht um schwindelerregende Summen. So rechnete der britische Marktforscher Ovum jüngst vor, dass den Netzbetreibern allein 2011 knapp 14 Milliarden Dollar (10,5 Mrd Euro) an SMS-Einnahmen entgangen seien - weil die Kunden statt der teuren Kurzmitteilungen verstärkt auf Kommunikation über kostenlose Onlinedienste umschwenken, egal ob Facebook, Twitter oder die vielen Messaging-Apps wie WhatsApp. Apple setzt jetzt noch eins drauf und weitet seine iMessage-Plattform demnächst auch auf die Macs aus. Die Botschaft ist klar: Die SMS wird als eine der wichtigsten Geldquellen der Telekom-Branche versiegen.

Smartphones unaufhaltbar

Der Wandel der Mobilfunk-Branche ist nicht mehr aufzuhalten. Das iPhone von Apple war der Vorreiter, der 2007 als erster die festgewachsenen Strukturen aufbrach. Das Google-Betriebssystem Android machte dann den Umschwung komplett. Den Marktforschern von Gartner zufolge war im vergangenen Jahr bereits rund jedes dritte verkaufte Mobiltelefon ein Smartphone. Bis zum Jahr 2015 rechnen sie damit, dass der Anteil weltweit auf mindestens 50 Prozent steigt - und in entwickelten Märkten wie die USA oder Westeuropa so gut wie keine einfachen Handys mehr abgesetzt werden. Der Wandel werde weiter beschleunigt durch die Welle günstiger Smartphones, die in diesem Jahr auf den Markt kommen, sagt Gartner-Analystin Roberta Cozza.

Diese Entwicklung werde den Wettbewerb in nächster Zeit prägen, prophezeit Cozza. Vor allem die billigen Android-Smartphones dürften ins heutige Geschäft mit einfachen Handys hereinbrechen. Noch-Marktführer Nokia sei mehr denn je auf den Erfolg seiner neuen Lumia-Smartphones mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows Phone angewiesen. Auch der Blackberry-Anbieter RIM stehe unter Druck: "Für RIM ist es das entscheidende Jahr."

Zwei Spitzen

Zuletzt wurde der Smartphone-Markt von zwei Plattformen beherrscht. Googles Android mit Samsung als führendem Anbieter besetzte gut die Hälfte des Marktes. Und Apple kam durch sein neues iPhone 4S auf fast ein Viertel der Verkaufszahlen - und einen Großteil der Branchengewinne. Der Konzern mit dem Apfel im Logo bleibt dem Mobile World Congress auch in diesem Jahr fern - sein Einfluss dürfte aber auf dem Messegelände Fira Barcelona wieder einmal nicht zu übersehen sein. (APA)

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