"Als Politiker soll man auch im eigenen Land auf die Jagd gehen dürfen"

26. Februar 2012, 11:29
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Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) sieht Jagen als "gute Verbindung"

Innsbruck - "Mit jemandem auf die Jagd zu gehen oder auf einen Berg darf nicht automatisch kriminalisiert werden. Damit muss Schluss sein", sagte Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) in einem Interview mit der "Tiroler Tageszeitung" (Sonntagsausgabe). Er nahm damit zu den nach Jagdeinladungen laut gewordenen Korruptionsvorwürfen und letztlich dem Rücktritt von Finanzlandesrat Christian Switak (ÖVP) vom Freitag Stellung. Von einem Spitzenpolitiker werde verlangt, dass er gute Verbindungen hat. "Da geht es nicht um persönliche Vorteilnahme oder Begünstigungen für Unternehmer, sondern um den Wirtschaftsstandort Tirol", so Platter.

Platter gab zu, dass die Optik rund um Switak "nicht ideal" gewesen sei. Allerdings habe dieser die Konsequenzen gezogen. "Aber man muss endlich aufhören, Politiker zu kriminalisieren", forderte er in dem Blatt, "als Politiker soll man auch im eigenen Land auf die Jagd gehen dürfen. Wenn ein Politiker heute in ein Café geht, muss er sich schon die Frage gefallen lassen, wer den Kaffee bezahlt hat."

Auf die Frage, ob Platter nicht schon nach der Wohnungsaffäre - Switak hatte in einem Appartement des Zillertaler Seilbahnbetreibers Heinz Schultz residiert - im vergangenen Dezember ein Machtwort hätte sprechen sollen, meinte der Landeshauptmann: "Switak hat selbst gesagt, dass er im Nachhinein einiges anders gemacht hätte. Er hat aber auch nicht das alles gemacht, was ihm vorgeworfen wird. Hier handelt es sich um Anschüttungen, die nicht bewiesen sind. Deshalb habe ich keinen Grund gesehen, Switak den Rücktritt nahezulegen. Es war seine Entscheidung."

Weitere personelle Veränderungen schloss der Landeschef allerdings aus. "Nein, sonst hätte ich im Zusammenhang mit Switaks Rückzug gleich eine große Regierungsumbildung gemacht. Das war nie angedacht", wurde er in der "TT" zitiert.

Eine unter anderem in dieser Causa laut gewordene Regelung des Parteienfinanzierungsgesetzes werde "in Tirol noch vor der Wahl getan, sollte der Bund heuer kein Gesetz beschließen". Platters Aussage nach solle der Anfütterungsparagraf "selbstverständlich klar geregelt" sein. "Aber es macht keinen Sinn, dass es in Österreich neun Regelungen gibt. Deshalb bin ich froh, dass die Bundesregierung auch eine Entscheidung über die Parteienfinanzierung treffen möchte", erklärte er. (APA)

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    Tirols Landeshauptmann Günter Platter (r.) mit dem Maskottchen der Olympischen Jugend-Winterspiele Yoggl (m.) und IOC-Präsident Jacques Rogge (l.) im Jänner in Innsbruck.

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