Lingers holen den Gesamtweltcup

25. Februar 2012, 13:06

Tiroler Brüderpaar sichert sich in Russland den letzten fehlenden Titel ihrer Karriere

Paramonowo/Russland - Das Weltcup-Finale der Kunstbahnrodler in Paramonowo hat am Samstag einen totalen Triumph für Österreichs Doppelsitzer gebracht. Die Tiroler Andreas und Wolfgang Linger sicherten sich in einem wahren "Eiskanal-Thriller" mit Platz sechs erstmals in ihrer Karriere den Gesamt-Weltcup. Und für ihre ÖRV-Teamkollegen Peter Penz und Georg Fischler bedeutete der dritte Weltcup-Sieg gleichzeitig EM-Gold, da beim Saison-Kehraus in Russland auch die Europameister gekürt wurden.

Während Penz/Fischler bereits nach dem ersten Lauf auf Goldkurs gelegen waren, hatte es für die Lingers nach Halbzeit-Rang zwölf ganz finster ausgesehen. Nach tollem Start unterlief ihnen in Kurve ein extrem schwerer Fehler und warf sie schon scheinbar aussichtslos zurück. Im Finale zeigten die Doppel-Olympiasieger und dreifachen Weltmeister dann aber mit Bahnrekord, der später noch von Penz/Fischler unterboten wurde, ihr wahres Können.

Knapp, aber doch

Trotzdem mussten sie bis zur Schlusssekunde um den letzten noch fehlenden großen Titel in ihrer einzigartigen Karriere zittern. Die Deutschen Tobias Wendl/Tobias Arlt behielten nämlich nach Halbzeit-Rang zwei auch im zweiten Lauf die Nerven. Somit mussten Penz/Fischler gewinnen, damit die Lingers erstmals den Joska-Pokal in Empfang nehmen durften. Denn mit einem Sieg hätten Wendl/Arlt den Gesamt-Weltcup erfolgreich verteidigt.

Und der Lauf von Penz/Fischler war nichts für schwache Nerven. Die Tiroler lagen zwischenzeitlich nämlich schon hinter den Bayern, doch mit einer perfekten Fahrt im unteren Teil und Bahnrekord von 45,812 Sekunden sorgten sie für kollektiven ausgelassen Jubel im ÖRV-Team. Die Lingers und die EM-Triumphatoren fielen sich im Zielgelände mit Freudenschreien in die Arme und wälzten sich glücklich am Boden.

Historisch

Zehn Punkte betrug in der Endabrechnung der Vorsprung von Andreas und Wolfgang Linger auf Wendl/Arlt. Sie sind die ersten österreichischen Doppelsitzer-Weltcup-Sieger seit 30 Jahren - 1982 hatten Günther Lemmerer und Reinhold Sulzbacher die Gesamtwertung zum dritten Mal en suite geholt - und haben damit alles in ihrem Sport gewonnen, was es zu gewinnen gibt, nachdem sie sich zuvor schon zweimal Olympia-, dreimal WM- und einmal EM-Gold gesichert hatten.

"Ich bin beim Warten fast in die Knie gegangen. Wir waren die ganze Saison so konstant, hier im Training immer sehr schnell und dann kommt so ein Tag. Der erste Lauf war einfach zum Vergessen, im zweiten haben wir nochmals zurückgekämpft und sind auf den sechsten vorgefahren. Und dann haben Peter und Georg das Ding für uns geholt und sich selbst zum Europameister gemacht. Jetzt bin ich einfach nur glücklich", frohlockte Andreas Linger nach dem "Hitchcock-Krimi".

"Ein paar Nerven sind schon verloren gegangen"

Auch ÖRV-Cheftrainer Rene Friedl war gleichzeitig fix und fertig und total zufrieden. "Das war ein Herzschlagfinale. Ich bin einfach nur glücklich und freue mich für die beiden. Ein paar Nerven sind schon verloren gegangen. Was mich noch glücklicher macht ist, dass unsere Doppelsitzer alle Titel gewonnen haben, die es zu gewinnen gibt. Gratulation an das ganze Team", lautete Friedls stolzer Kommentar nach dem totalen Triumph seiner Burschen.

Auch Penz ließ seiner Freude freien Lauf. "Ein super Rennen für uns. Wir haben die Saison so beendet, wie wir sie mit dem Sieg in Igls begonnen haben. Es ist unser erster großer Titel, und dass wir unseren Freunden auch noch so helfen konnten, freut uns natürlich sehr", sagte der Tiroler.(APA)

ERGEBNISSE von den Weltcup-Rennen bzw. der EM der Kunstbahnrodler in Paramonowo.

Herren-Doppelsitzer (EM-Platzierungen in Klammern): 1. (1) Peter Penz/Georg Fischler (AUT) 1:31,688 Min. - 2. (2) Tobias Wendl/Tobias Arlt (GER) 0,149 - 3. (3) Toni Eggert/Sascha Benecken (GER) 0,264 - 4. (4) Christian Oberstolz/Patrick Gruber (ITA) 0,474 - 5. (5) Wladislaw Juschakow/Wladimir Machnutin (RUS) 0,536 - 6. (6) Andreas und Wolfgang Linger (AUT) 0,698

Weltcup-Gesamtwertung - Endstand nach neun Rennen: 1. Linger/Linger (AUT) 730 Punkte - 2. Wendl/Arlt 720 - 3. Eggert/Benecken 630 - 4. Penz/Fischler 509 - 5. Oberstolz/Gruber 497

Herren-Einsitzer: 1. (EM-1.) Andi Langenhan (GER) 1:31,876 Minuten - 2. (2.) Armin Zöggeler (ITA) 0,085 Sekunden zurück - 3. (3.) Felix Loch (GER) +0,166 - 4. (4.) Albert Demtschenko (RUS) 0,308 - 5. (5.) David Möller (GER) 0,367 - 6. (6.) Dominik Fischnaller (ITA) 0,392 - 7. (7.) Manuel Pfister (AUT) 0,517. Weiter: 13. (13.) Daniel Pfister 0,962 - 20. (19.) Reinhard Egger (beide AUT) 2,439

Weltcup-Gesamtwertung - Endstand nach 9 Rennen: 1. Felix Loch 815 Punkte - 2. Andi Langenhan 617 - 3. David Möller (alle GER) 612 - 4. Armin Zöggeler (ITA) 548 - 5. Johannes Ludwig 530 - 6. Ralf Palik (beide GER) 366 - 7. Manuel Pfister 362. Weiter: 10. Daniel Pfister 298 - 11. Reinhard Egger 280 - 15. Wolfgang Kindl 255

Damen-Einsitzer: 1. (1.) Tatiana Iwanowa (RUS) 1:32,262 Min. - 2. (2.) Tatjana Hüfner (GER) +0,235 Sek. - 3. (3.) Corinna Martini (Winterberg) 0,247 - 4. (4.) Natalie Geisenberger (GER) 0,271. Weiter: 11. (9.) Nina Reithmayer (AUT) 1,646

Weltcup-Gesamtwertung - Endstand nach 9 Rennen: 1. Hüfner 761 Punkte - 2. Geisenberger 710 - 3. Anke Wischnewski (GER) 581 - 4. Martini 548 - 5. Alex Gough (CAN) 509 - 6. Erin Hamlin (USA) 421 - 7. Iwanowa 374 - 8. Reithmayer 359

Staffel (nur EM): 1. Russland (Tatjana Iwanowa, Albert Demtschenko, Wladislaw Juschakow/Wladimir Machnutin) 2:31,975 Minuten - 2. Deutschland (Tatjana Hüfner, Andi Langenhan, Tobias Wendl/Tobias Arlt) +0,233 - 3. Italien (Sandra Gasparini, Armin Zöggeler, Christian Oberstolz/Patrick Gruber) 0,243 - 4. Österreich (Nina Reithmayer, Manuel Pfister, Peter Penz/Georg Fischler) 0,943 - 5. Slowakei 2,509 - 6. Lettland 3,608

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10 Postings

Jaja, gewinnt eine deutsche Rodlerin den Weltcup ist es die langweiligste Sportart der Welt, für die sich keiner interessiert und am Besten von der Liste der olympischen Disziplinen gestrichen werden sollte....

Aber hey, DOPPELSITZER .... lol

Stimmt ja gar nicht

Damen-Rodeln ist ein absoluter Klassiker. 50% der Rennen in DE, die ersten vier Plätze gehen an die DeutschInnen - und dabei ist eine weiblich anmutiger als die andere.

Ich sitz bei Damen-Rodelrennen immer mit deutschem Fähnchen, reichlich Bier und vielen eroddischen Fantasien vor dem TV-Kastl.

Solltest du mal lieber, dann hättest du auch mitbekommen, dass gestern eine Russin (VOR zwei Deutschen) Europameisterin wurde.

@Mayreder...

...auf seinem täglichen Amoklauf...!!!

Gestern war das Rennen auch nicht auf einer deutschen Heimbahn. Das zeigt ja nur, wie sehr die DeutschInnen von der permanenten Heimrennen profitieren.

Der Rodelsport hat sich selbst ins Knie geschossen, indem so viele Bewerbe in DE stattfinden.

...Österreichs Sportlerin des Jahres: http://www.lizz.at/popup.cfm... &au_id=260

Jetz sind sie komplett...

Das ist heute ja perfekt gelaufen - und das bei der Formel I des Rodelns

Gratulation nicht nur an die Linger-Brüder. sondern auch an Penz/Fischler: Europameister und Dritter bei der WM.

Wenn man sich am Start verbessern könnte, dann......

yes! gut, dass das jetzt geschafft ist!

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