Drei Tote bei Angriff auf UN-Komplex

25. Februar 2012, 14:26
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Angriff von Demonstranten auf Gebäudekomplex - Weiterer Toter bei Schießerei in Kunduz

Kabul/Kunduz - Bei einem Angriff tausender Demonstranten auf einen Gebäudekomplex der Vereinten Nationen sind am Samstag in der nordafghanischen Stadt Kunduz drei Menschen getötet und 56 verletzt worden. Die Demonstranten versuchten, das Gebäude zu stürmen, die Polizei halte sie davon aber ab, sagte ein Polizeisprecher. Die Angaben über die Toten und Verletzten kamen von den Gesundheitsdiensten. Ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP sah, wie Polizisten in die Menge schossen, um die Demonstranten zu vertreiben.

Augenzeugen warfen Demonstranten zunächst Steine auf die Polizisten, die dann in die Luft und schließlich in die Menge schossen. Die Polizei schickte Verstärkung, um das UNO-Büro zu schützen, wie der Polizeisprecher sagte. An mehreren Orten der Stadt stiegen Rauchsäulen auf.

Kunduz liegt im Verantwortungsbereich der deutschen Bundeswehr, nahe der Stadt ist ein Bundeswehrfeldlager mit rund 1.500 deutschen Soldaten. Ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der deutschen Bundeswehr in Potsdam sagte, die Bundeswehr habe "Kenntnis" über die Vorfälle in Kunduz. Weitere Angaben konnte er zunächst nicht machen. In Afghanistan gibt es seit Dienstag gewaltsame Protestdemonstrationen, nachdem bekanntgeworden war, dass US-Soldaten in Baghram Exemplare des Koran verbrannt hatten. Bei den gewalttätigen Auseinandersetzungen wurden mehr als 20 Menschen getötet.

Ein Toter bei Schießerei in Kabul

Nach offiziellen Angaben kam es südlich der Hauptstadt Kabul in der Provinz Logar zu einer Schießerei, als Hunderte wütende Demonstranten mit den Sicherheitskräften zusammenstießen. Dabei sei ein Mensch erschossen worden, teilten die Behörden mit. Zwei weitere Menschen seien verletzt worden. Die Proteste dauerten damit den fünften Tag in Folge an. Bereits am Freitag waren zwölf Menschen ums Leben gekommen, Dutzende weitere wurden verletzt.

Auslöser der Proteste war der Fund von verkohlten Koran-Exemplaren durch afghanische Arbeiter auf einer Müllhalde des US-Stützpunkts Bagram bei Kabul. Die USA haben sich mittlerweile für ihr Verhalten entschuldigt. Die Bücher sollten zusammen mit anderer "extremistischer Literatur" aus einer Bibliothek für Gefangene in Bagram entsorgt werden, wie aus US-Kreisen verlautet war. Die Ereignisse zeugen von der tiefen kulturellen Kluft zwischen den USA und Afghanistan auch mehr als zehn Jahre nach dem Einmarsch der US-Truppen zum Sturz der islamistischen Taliban. Der Koran gilt den Muslimen als direktes Wort Gottes und die Verbrennung des Buches als Gotteslästerung. (Reuters/APA)

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    Demonstranten protestierten am Freitag in Kabul gegen Koran-Verbrennungen. 

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