Neuer Chef der ÖVP-Wien: 92,9 Prozent für Juraczka

25. Februar 2012, 16:51
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Manfred Juraczka als Chef der Wiener ÖVP gewählt - Rede von Spindelegger und Leitantrag mit künftigen Schwerpunkten

Wien - Der Mann mit dem nicht ganz einfach zu schreibenden Namen ist jetzt offiziell Wiener ÖVP-Chef: Manfred Juraczka (43) wurde am Samstag zum neuen Obmann gekürt. Er erhielt bei der Wahl am 34. Landesparteitag der Stadt-Schwarzen 92,9 Prozent der gültigen Delegiertenstimmen. Der nicht amtsführende Stadtrat und ehemalige stellvertretende Bezirksvorsteher von Hernals folgt auf Christine Marek, die sich im September des Vorjahres als Obfrau verabschiedet hat.

Die internen Turbulenzen in der Vergangenheit waren wohl mit ein Grund, warum für den Parteitag das simple Motto "Willkommen zum Neustart" gewählt worden war. Auch Juraczka konstatierte: "Dieser Neustart ist notwendig, machen wir uns nichts vor." Das Wahlergebnis 2010, interne Diskussionen und bescheidene Meinungsumfragen hätten gezeigt, dass es nicht so weitergehen könne.

Versprechen, Basis stärker einzubinden

"Ich werde alles in meiner Macht stehende unternehmen, um die vielzitierte Basis noch viel stärker als bisher in die politische Arbeit einzubinden", versprach der Neo-Obmann in seiner Rede. Er versicherte, dass er es durchaus als Kompliment verstehe, wenn jemand sage: "Der kommt ja direkt aus der Partei." Darauf sei er stolz: "Woher soll ich denn sonst kommen, aus der Wundertüte?"

"Liebe Freunde, heben wir das große Potenzial der Wiener ÖVP", forderte Juraczka die Delegierten auf. Wobei sich die Arbeit weniger der Partei, sondern der "großartigen Heimatstadt" Wien widmen müsse. Mit dieser steht es - jedenfalls was die politischen Rahmenbedingungen betrifft - laut Juraczka aber nicht zum Besten. "Die Wiener SPÖ ist träge, verkrustet, unbeweglich, erneuerungsresistent, aber dafür in einem hohen Maß selbstgefällig", urteilte er etwa über die stärkste Kraft im Wiener Rathaus.

Zu links?

Auch für die Grünen oder die FPÖ setzte es Kritik, interessanterweise für beide unter anderem wegen "linker Politik". Denn auch die Freiheitlichen würden sich angesichts von Forderungen nach einer Benzinpreisbindung oder nach einem Mindestlohn von 1.500 Euro immer öfter als "linke Kraft" positionieren, befand Juraczka. Die Volkspartei, so betont er, stehe hingegen für bürgerliche Werte wie Freiheit, Gerechtigkeit oder Leistung.

Beim heutigen Parteitag ergriff auch ÖVP-Bundesparteiobmann Michael Spindelegger das Wort. "Ich kenne den Manfred Juraczka als eine Persönlichkeit, die wahnsinnig viel leisten möchte", lobte er den neuen Chef in Wien. Dieser, so zeigte sich Spindelegger überzeugt, werde wieder Optimismus versprühen.

Vier ungültige, 668 gültige Stimmen: 92,2 Prozent

Juraczka erhielt 617 Delegiertenstimmen, das waren 92,9 Prozent von insgesamt 664 gültigen Stimmzetteln (668 wurden abgegeben, davon vier ungültig, Anm.). Auch die Stellvertreter-Riege wurde gewählt, wobei es vier Neuzugänge gab: Gemeinderätin Isabella Leeb erhielt 95,3 Prozent, die Bezirksvorsteherin der Josefstadt, Veronika Mickel, 93,7 Prozent, der Nationalratsabgeordnete Wolfgang Gerstl 92,2 Prozent und Wirtschaftsbund-Direktor Alexander Biach 96,5 Prozent der Stimmen.

Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz und Gemeinderätin Ingrid Korosec erzielten das beste bzw. schlechteste Abstimmungsergebnis: Sie wurden mit 97,9 bzw. 85,5 Prozent bestätigt. Die beiden hatten die Stellvertreter-Funktion schon bisher inne.

Die Vorgängerin von Manfred Juraczka, Christine Marek, musste sich keiner Wahl mehr stellen, bekam jedoch ein Abschiedsgeschenk. Sie erhielt einen Gutschein für ein Wochenende in einem Wellness-Hotel. "Damit du ein bisschen ausspannen kannst", meinte die bis zum heutigen Parteitag geschäftsführende Parteichefin Gabriele Tamandl bei der Übergabe. Marek hat bei ihrer Wahl zur Parteiobfrau übrigens deutlich mehr Stimmen bekommen als Juraczka heute - nämlich 96 Prozent. (APA)

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    ÖVP-Chef Michael Spindelegger (links) und der neue ÖVP-Wien-Chef Manfred Juraczka.

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