Kein Streikende in Frankfurt in Sicht

28. Februar 2012, 08:23
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Arbeitskampf von Sonntagabend bis Donnerstag in der Früh - AUA erwartet kaum Beeinträchtigungen

Frankfurt - Mit einer weiteren Streikwelle haben die Vorfeld-Beschäftigten am Frankfurter Flughafen auch am Montag jeden sechsten Flug lahmgelegt. Von 1.300 geplanten Starts und Landungen an Deutschlands größtem Luftdrehkreuz würden rund 200 gestrichen, erklärte der Flughafenbetreiber Fraport. Ein Ende des Arbeitskampfs ist nicht in Sicht: Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF), die für die Vorfeld-Beschäftigten deutliche Lohnerhöhungen fordert, wollte den Streik vorerst bis Donnerstagfrüh fortsetzen und beriet sogar über eine Ausweitung des Arbeitskampfs auf weitere Berufsgruppen. Fraport erklärte dagegen, der Flughafen sei in der Lage, längere Streiks auszuhalten.

Die GdF hatte ihre Mitglieder auf dem Vorfeld am Sonntag zu einem erneuten Ausstand aufgerufen. Wie auch an den vorangegangenen fünf Streiktagen waren am Montag Kurzstreckenflüge innerhalb Deutschlands und Europas betroffen, während Langstreckenflüge verschont blieben. Fraport hat zusätzliches Personal für die Arbeit auf dem Flugfeld geschult, um die Beeinträchtigungen in Grenzen zu halten. "Wir reden hier von einem geordneten Betrieb", sagte ein Fraport-Sprecher.

Die Gewerkschaft hat nach eigenen Angaben einen langen Atem. "Die Streikkasse ist kein Problem", sagte der GdF-Sprecher. Das reiche für mehrere Wochen. Der Bundesvorstand der Gewerkschaft sollte am Abend über eine Ausweitung des Streiks beraten. "Die Tower-Lotsen könnten sich beispielsweise solidarisieren", sagte ein Gewerkschaftssprecher.

Jeder Streiktag kostet Fraport rund eine Million Euro an Umsatz. Die Lufthansa, die in Frankfurt ihre Heimatbasis hat, war bisher von den Ausfällen am stärksten betroffen. Auch drei Flüge zwischen Frankfurt und Wien fielen aus. Der Lufthansa gingen nach eigenen Angaben in den ersten vier Streiktagen bereits Umsätze im hohen zweistelligen Millionen-Bereich verloren. Neuere Angaben machte sie nicht.

Auswirkungen auf Österreich

Auswirkungen gibt es auch auf Österreich. Im Laufe des Tages fielen drei Lufthansa-Flüge zwischen Frankfurt und Wien aus. Auch am Dienstag wird zumindest der Morgenflug aus Schwechat ausfallen, wie aus einer Liste auf der Lufthansa-Homepage hervorgeht. Bei den Fluglinien flyniki und Austrian Airlines kommt es heute voraussichtlich zu keinen Stornierungen. Allerdings müssen Passagiere mit Verspätungen rechnen. Dennoch empfiehlt die AUA ihren Passagieren, sich vor geplanten Flugreisen mit der AUA über den aktuellen Stand der Dinge zu informieren, etwa via Internet - über https://book.austrian.com/app/ar.fly?pos=AT&l=de, wo unter Angabe der Flugnummer nähere Details zu erfahren sind.

Fraport schule auch weiter Personal, um die Ausfälle durch die streikenden Mitarbeiter in Vorfeldkontrolle, Vorfeldaufsicht und Verkehrszentrale auffangen zu können, sagte der Konzernsprecher. "Weiterbildungen und Schulungen laufen weiter. Wir halten dies für geboten, weil wir nicht wissen, wie es weitergeht." Jedoch sei Fraport vorbereitet, auch längere Streiks zu bewältigen.

Wie schon in der vergangenen und vorvergangenen streiken auch in dieser Woche am Frankfurter Flughafen rund 200 Vorfeldbeschäftigte. Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) hatte zu einem Streik bis Donnerstagfrüh um 05.00 Uhr aufgerufen, nachdem erneute Verhandlungen zwischen GdF und Fraport vor dem Wochenende gescheitert waren. Fraport hatte der GdF zur Wochenmitte ein schriftliches Gesprächsangebot unterbreitet.

Gescheiterte Verhandlungen

Am Freitag war der Versuch, den Tarifkonflikt am Verhandlungstisch zu lösen, erneut gescheitert. Nach Angaben der GdF war Fraport nicht bereit, ein eigenes früheres Angebot als Basis weiterer Verhandlungen zu akzeptieren. Zudem habe Fraport knapp 90 Vorfeldaufsicht-Mitarbeiter aus dem Tarifvertrag ausschließen wollen.

Verdi-Chef Frank Bsirske hatte vor Konsequenzen gewarnt, sollte sich die GdF mit ihren Forderungen durchsetzen. Dann werde es entsprechende Forderungen auch für andere Beschäftigten am Flughafen geben. Fraport sieht sich durch die Verdi-Äußerungen gestärkt. "Das belegt doch die Einschätzung von Fraport, das es nicht unterschiedliche Gehaltsniveaus innerhalb des Konzerns für ähnliche Tätigkeiten geben darf", sagte der Fraport-Sprecher.

Einen Kompromissvorschlag des als Schlichter berufenen früheren Ersten Hamburger Bürgermeisters Ole von Beust hatte Fraport abgelehnt. Auf die Frage, ob er bereit wäre, erneut zu schlichten, antwortete von Beust am Montag: "Das wäre zu überlegen. Ich bin dazu bereit." (APA/Reuters)

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