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Feride Saymaz mit ihrem Taxi. Sie ist in der Türkei aufgewachsen und Anfang der 1970er Jahre mit ihrem Mann nach Österreich gekommen.
Seit 20 Jahren bringt Feride Saymaz Fahrgäste ans Ziel. Im Wiener Taxigewerbe gibt es rund fünf Prozent Frauen - sie ist eine von ihnen. Vom Taxiunternehmen 40100 wurde Saymaz zum zweiten Mal ausgezeichnet. Kaputte Reifen wechselt die selbstbewusste Taxilenkerin selbst.
derStandard.at: Sie sind momentan eine sehr gefragte Frau. Haben Sie mit dem Medienrummel rund um Ihre Auszeichnung gerechnet?
Saymaz: Nein, überhaupt nicht, zumal ich vor vier Jahren dieselbe Auszeichnung bekommen habe. Damals erschien lediglich ein Artikel in der Taxizeitung. Allerdings wurde ich schon vor 19 Jahren für "Heimat fremde Heimat" interviewt und habe im Kinofilm "Grenzgängerinnen" mitgespielt, in dem sieben Frauen porträtiert werden. Auch für Taxi Orange wollte man mich damals interviewen, aber das war mir zu wenig seriös.
derStandard.at: Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung als fleißigste Taxilenkerin Wiens?
Saymaz: Es bedeutet, dass ich die meisten Fahrten im Dezember geschafft habe. Darauf bin ich stolz und ich freue mich sehr über die schöne Urkunde. Ich bin in der Türkei nur wenige Wochen zur Volksschule gegangen und habe mir alles selber beigebracht - auch die deutsche Sprache. Ich bin ja Anfang der 1970er Jahre mit meinem Mann nach Österreich gekommen - wir waren klassische Gastarbeiter. Dass ich die Taxilenkerprüfung in Wien geschafft habe, bedeutet mir viel.
derStandard.at: Wie kam es, dass Sie vor 20 Jahren Taxilenkerin geworden sind?
Saymaz: Ich habe damals in einem Büro gearbeitet. Dann ist mein Mann arbeitslos geworden. Daher wollte ich noch einen zusätzlichen Nebenjob annehmen, und daraus ist dann mehr geworden. Aber ursprünglich war es aus der Not heraus, die Familie erhalten zu müssen. Ich habe auch zwei Monate lang einen Dreieinhalb-Tonnen-Lkw gefahren und Materiallieferungen an Baustellen gemacht.
derStandard.at: Wie schaffen Sie diese vielen Fahrten?
Saymaz: Ganz einfach, ich bin nicht gierig, mache aber eben meine Fahrten und gebe auch die unangenehmen kurzen nicht weiter. Tiere will normalerweise niemand mitnehmen, mir macht das nichts aus, egal ob Katze, Hund oder Vogel. Ob ich mehr verdiene oder weniger - ich will vor allem nicht so viel am Standplatz stehen. Ich muss immer in Bewegung sein. Ich denke mir immer: Mit vielen kleinen Frieden kommt der große auch.
derStandard.at: Wie geht es Ihnen als Frau in der männlich dominierten Taxibranche?
Saymaz: Ich arbeite gerne hart. Meine männlichen Kollegen akzeptieren mich. Alle kennen mich, weil ich die Einzige mit Kopftuch bin. Die meisten männlichen Fahrgäste reagieren beim Einsteigen überrascht oder ängstlich. Sie glauben, ich bin Ausländerin und kann nicht Auto fahren. Später ändern sie dann ihre Meinung und loben mich für meine gute Fahrweise.
derStandard.at: Haben Sie wegen des Kopftuchs manchmal Probleme mit den Fahrgästen?
Saymaz: Ja, manchmal schon. Vor zwei Wochen habe ich ein Paar abgeholt. Der Mann hat zu mir gesagt: Meine Frau will nicht zu einer Taxifahrerin mit Kopftuch einsteigen. Die beiden sind dann nicht mitgefahren. Aber daran bin ich schon gewöhnt, ich nehme das nicht persönlich.
derStandard.at: Was sagen Sie solchen Gästen?
Saymaz: Ich habe gesagt: Sitzt das Kopftuch auf meinem Kopf oder auf dem Auto? Ich kann gut Auto fahren. Dann bin ich weggefahren. Ich kann ja niemanden zwingen.
derStandard.at: Was muss eine Taxifahrerin neben Autofahren können?
Saymaz: Heute ist auf einer Fahrt zum Flughafen ein Reifen kaputt gegangen. Den habe ich dann gewechselt. Der Fahrgast hat die Zeit gestoppt: Acht Minuten habe ich gebraucht.
Man braucht auch Geduld beim Warten auf Aufträge. Ich spreche gerne mit den Fahrgästen und den Kollegen. Man kann es aber nicht allen recht machen. Frage ich, welchen Weg ich fahren soll, bekomme ich den Vorwurf: Sie sind die Taxifahrerin. Frage ich nicht, heißt es danach garantiert: Sie sind falsch gefahren.
derStandard.at: Sie fahren ja schon 20 Jahre Taxi, hat sich etwas verändert?
Saymaz: Ja, es gibt viel mehr Taxis. Manche Standplätze sind kürzer geworden. Auch die Fahrgäste sind ungeduldiger. Und es gibt auch Aggressive, ich wurde auch schon bedroht. Manche fragen um eine Zigarette. Deswegen habe ich immer Reservezigaretten mit dabei. Aber seit Jänner darf man im Taxi nicht mehr rauchen.
Gestern habe ich zum ersten Mal in 20 Jahren eine Beschwerde über die Taxiinnung bekommen. Jemand hat gemeldet, dass ich den Gehsteig vermüllt hätte, doch ich habe nur einen Vogel gefüttert. (derStandard.at, 27.2.2012)
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Mal auf dem Teppich bleiben, die Huldigungen wirken langsam absurd.
Sie hat deutsch gelernt und fährt nun fleißig Taxi, das ist gut aber keine solche Sensation, das man sich niederwerfen muss.
Und wieso sollte man gute Beispiele nicht öffentlich machen? Außerdem hat Frauen Diskriminierung nichts mit Einwanderer zu tun, und diese Artikel befasst sich mit beiden Themen. Man kann natürlich überall was negatives raus zuzeln, ist nur Einstellung Sache. In Österreich auch keine Seltenheit.
Wieviel weibliche Taxifahrer gibts eigentlich in Wien? Nach meiner Erfahrung sehr sehr wenige, was mich nicht wundert.
Würde ich diesen Job machen, ich würde (ganz ohne religiösen Hintergund) mir auch so ein Outfit verpassen. Ich denke, damit verpasst man mal eine Fuhre, dafür lebt es sich sicherer.
mit "so einem outfit" wird man eher nicht ausgeraubt oder was?? hä? wieso? glaub ich nicht, oder ich verstehe was nicht...
oder meinen sie dass sie eher nicht vergewaltigt wird? glaube aber nicht dass taxilenkerinnen so oft vergewaltigt werden ;) ausrauben ist wohl eher die gefahr...
... der taxler fragt "wie soll i foan?". ich sag dann "sie können mich fragen ob ich eine wunschroute habe. wie sie fahren sollen müssen sie selber wissen".
ich habe auch nie eine wunschroute. ich lehn mich im taxi zurück und schließe die augen. und zu hause steige ich aus. der taxler kriegt für die arbeit bezahlt, gerne auch wenn er während der fahrt schweigt.
das eher zum Schutz vor der Sonne diente oder nur aus kultureller Gewohnheit getragen wurde. Doch das neue und religiös begründete Kopftuch, das in den achtziger Jahren in der Öffentlichkeit immer sichtbarer wurde, unterschied sich von dem Kopftuch (basörtü) in Größe, Stil und Art des Tragens. Das religiös begründete Kopftuch bedeckte nicht nur ganz streng Haar, Nacken und Hals, sondern reichte über die Brust und wurde in Kombination mit einem langen Mantel, der bis zu den Knöcheln reichte und die Züge des Körpers komplett unsichtbar machte, getragen. In der türkischen Öffentlichkeit wird dieses religiös motivierte Kopftuch als "türban" (!!).
ein "Kopftuch", das quasi bis zum Popsch geht, würde ja auch bei der Arbeit hinderlich sein.
Und die Tücheln, die aus hygíenischen Gründen oder aus Hitzegründen getragen werden, hab ich selbst in Österreich auch noch aufgehabt. Mit Religion hat das nichts zu tun gehabt. Im Gegensatz zu immer mehr aufkommender Ganzkörper"verschleierung" bzw. Verhüllung, damit nur ja ein Mannsbild nix sicht.
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