Air-Dating

Einserkastl24. Februar 2012, 19:36
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Wenn man sich in der Wahl des Sitznachbarn total vertan hat, kann man dann die Fluglinie auf Schadenersatz klagen?

Das ist einmal eine gute Idee! Einige Fluglinien wollen Social Seating anbieten. Das heißt, der Flugreisende kann sein Profil auf sozialen Online-Netzwerken wie Facebook oder LinkedIn mit der Buchung verknüpfen. Dann kann man sich aus dem Datenpool einen passenden Sitznachbarn heraussuchen und die nächsten Stunden des Überseefluges in angeregter Unterhaltung verbringen.

Die bisherige Sitznachbar-Lotterie - dauerquatschende Nervtöter, Trinker, Schnarcher, Sitzlehnen-Okkupanten etc. - wäre damit auf eine wissenschaftliche Basis gehoben, oder?

Oder. Wer schreibt schon die Wahrheit über sich selbst auf Facebook? "Ich lese gerne zeitgenössische Literatur." Und dann ist es Donna Leon oder Dan Brown. Bei Social Media besteht überdies per definitionem leichte Exhibitionismusgefahr. Andererseits: Wenn man selbst drauf ist, hat man vermutlich nichts gegen den freien Austausch mit vollkommen fremden Leuten.

Warum die Fluglinien das machen, ist ohnehin klar. Es ist ein Teil des allgemeinen Datenraffens, zwecks Verscherbelung dieser Daten an die Werbewirtschaft. Bedenklich ist auch, dass man nicht ablehnen kann, wenn jemand unbedingt dein Nachbar sein will (nur den Sitz bis zwei Tage vor dem Flug wechseln). Und noch etwas: Wenn man sich in der Wahl des Sitznachbarn total vertan hat, kann man dann die Fluglinie auf Schadenersatz klagen? (DER STANDARD, Printausgabe, 25.2.2012)

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