Absurde Landesregeln

Kommentar24. Februar 2012, 19:31
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Mit der Lebensrealität hat der Mischmasch der neun Jugendschutzgesetzen der Länder wenig zu tun

Die Macht der Länder und ein seltsames Verständnis von Föderalismus machen es möglich: Der Jugendschutz wird nicht bundesweit vereinheitlicht. Warum nicht? Weil die Länder es so wollen. Jugendminister Reinhold Mitterlehner hat w.o. gegeben. Man darf nur hoffen, dass das keine Signalwirkung hat.

Jetzt darf also jedes Bundesland weiterhin seiner eigenen Vorstellung entsprechend entscheiden, was denn gut und richtig für die Jugendlichen sei. Egal, wie es der Nachbar hält. Wäre das Thema nicht zu ernst, könnte man es als eine Art Lokalkolorit abtun. Man kann erahnen, welches Verwirrspiel an mancher Landesgrenze ausgelöst wird. Mit der Lebensrealität hat der Mischmasch jedenfalls wenig zu tun: So muss derzeit ein 14-jähriger Steirer abends früher nach Hause laufen als ein gleichaltriger Niederösterreicher. Will ein Salzburger Jugendlicher länger ausgehen, sollte er bei einer Brauchtumsveranstaltung eingeladen sein. Dafür gibt es nämlich eine Stunde Aufschlag. Und Jugendliche ab dem 16. Lebensjahr, die saufen wollen, was die Schnapsbar hergibt, können sich in Wien, Niederösterreich und Burgenland auf den Weg machen. In den anderen Ländern wird es mit dem (legalen) Stamperl schwierig.

Warum das alles so ist, werden höchstens die örtlichen Jugendschützer erklären können. Falls das überhaupt möglich ist. Im richtigen Leben stehen so und so ganz andere in der Verantwortung: die Eltern nämlich. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.12.2012)

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