Oidda!

24. Februar 2012, 22:30
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Vorläufiger Abschied, man darf sagen: Diese Kunst wird fehlen

Vorläufiger Abschied von den "Staatskünstlern", man darf sagen: Diese Kunst wird fehlen. Nicht nur, weil die Serie mit den triefenden Anrufen des verhinderten Büroleiters Niko Pelinka (Nicolas Ofczarek) für eine der fettigsten Parodien aller Zeiten sorgte. Nicht nur, weil Fundstücke wie der Wikipedia-Eintrag von Reinhart Gaugg ("dass der Absatz , Politische Karriere' nur halb so lang ist wie ,Alkohol am Steuer'") sicher verwertet werden.

Danke auch für die "Storchenfreilassung" von Uwe Scheuch und für das Video des außenpolitischen Beraters von Kanzler Werner Faymann, Raphael Sternfeld. Angesichts dessen schlichter Ideologie ("Schlimmer als jede Parkplatzproblematik sind Rassismus und faschistische Tendenzen") kann man es den Staatskünstlern nur gleich tun: Sich ans Hirn greifen.

Zum Lachen ist das schon lange nicht mehr. Zuspielungen entwickelten eigene Kraft, brachten etwa den überraschenden Fall zutage, dass ein Politiker einen Scheck ohne Gegenleistung nicht annimmt, und sich nicht zeigen will, selbst wenn eine Fernsehkamera wartet.

Entdeckung der Reihe war aber zweifellos Claudia Kottal. Auf die rabiate Interpretation ("Oidda!") von Niko Pelinkas strenger Herrin Laura Rudas wird hoffentlich künftig nicht verzichtet. Ein wenig mehr Achtsamkeit der Künstler auf Performance und Pointengenauigkeit darf angeregt werden. Vielleicht würde ein Abweichen beim erschöpfenden Produktionsrhythmus helfen. Nicht immer sind Schnellschüsse die beste Wahl. Nichtsdestotrotz werden die Staatskünstler fehlen. Vor allem, weil das derzeitige politische Klima die hämischen Kommentare dringend braucht. (Doris Priesching/DER STANDARD; Printausgabe, 25./26.2.2012)

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"Wir Staatskünstler"

  • V.l.n.r.: Thomas Maurer, Florian Scheuba und Robert Palfrader.
    foto: orf/badzic

    V.l.n.r.: Thomas Maurer, Florian Scheuba und Robert Palfrader.

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