Die Jagd auf den König der Tiere

25. Februar 2012, 18:36
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Jagdreiseveranstalter ermöglichen Hobbyjägern, Tiere gefährdeter Arten zu erlegen – Bei der Salzburger Jagdmesse werden entsprechende Safaris angeboten und als "unbedenklich" bezeichnet

Salzburg - Ob Löwe, Leopard, Nashorn, Elefant, oder Eisbär - auf der Salzburger Jagdmesse "Hohe Jagd und Fischerei" können Hobbyjäger den Abschuss von gefährdeten Arten buchen. Von Tier- und Artenschutzorganisationen werden diese Jagdsafariangebote heftig kritisiert. Die Veranstalter betonen, die Reisen seien unbedenklich für den Bestand der Tiere und würden sogar zum Artenschutz beitragen.

Beinahe jedes Tier, das auf der Roten Liste gefährdeter Arten der Weltnaturschutzunion (IUCN) steht, kann in manchen Ländern legal gejagt werden. Auch österreichische Hobbyjäger lassen sich die exklusiven Jagdsafaris oft zehntausende Euro Kosten, um eine Trophäe als Souvenir mit nach Hause zu nehmen. "Durch die Großwildjagd werden gefährdete und international geschützte Arten weiter dezimiert", kritisiert Daniela Freyer von Pro Wildlife.

"Unbedenklich für den Bestand"

Die Vorwürfe der Tierschutzorganisationen seien "unsachlich", kontert Michael Lüke, Geschäftsführer des Jagdreiseveranstalters Blaser Safaris. Die Großwildjagden seien "unbedenklich für den Bestand", weil nur ältere Tiere gejagt werden. Der Bestand von Nashörnern etwa sei durch die Jagd sogar wieder aufgebaut worden, da die Tiere auf eigens eingerichteten Jagdfarmen von Jägern geschützt würden.

"Die Trophäenjäger haben es auf die stärksten und größten Exemplare abgesehen - und damit auf die für die Fortpflanzung wichtigsten Tiere", kritisiert Freyer von Pro Wilflife. Werde etwa ein männlicher Löwe im besten Fortpflanzungsalter getötet, übernimmt ein jüngeres Männchen das Rudel. Der neue Rudelchef tötet die vom Vorgänger gezeugten Jungen.

Es werde versucht genau das zu vermeiden, erklärt Michael Lüke. Bei den Safaris werde darauf geachtet, dass keine Löwen aus einem Rudel geschossen werden, sondern Einzelgänger. Damit bei den Jagden auch alles vernünftig ablaufe, werde jede Safari von einem ortsansässigen Berufsjäger organisiert und auch von einem Nationalparkmitarbeiter begleitet. "Alle Jäger sind Tierfreunde. Wir wollen die Tiere nicht ausrotten, sondern nachhaltig nutzen", bekräftigt Lüke. Zudem würden Wildtiere durch die Jagd von der Bevölkerung akzeptiert werden. "Ganze Familien und Stämme leben vom Jagdtourismus", betont Lüke.

Ein Millionengeschäft

Der Jagdtourismus ist ein lukratives Geschäft. Alleine in Afrika töten rund 18.500 Auslandsjäger 105.000 Tiere pro Jahr. Insgesamt werden so in Afrika 141 Millionen Euro eingenommen. "Nur in Ausnahmefällen wird die örtliche Bevölkerung überhaupt an den Einnahmen aus der Großwildjagd beteiligt", betont Freyer. Wissenschaftliche Studien würden widerlegen, dass die Jagd auf bedrohte Arten der Armutsbekämpfung diene und sie eine Form der Entwicklungshilfe sei.

"Die europäischen Regierungen dürfen die Einfuhr von Jagdtrophäen nicht weiter zulassen", fordert Freyer. Denn die Jäger würden nicht zu einer Jagdreise aufbrechen, wenn sie keine Trophäe mit nach Hause nehmen können. "Für die Jäger ist die Trophäe ein Zeichen der Wertschätzung", erläutert Michael Lüke. Dem Tier werde die letzte Ehre gegeben, wenn es der Jäger als Trophäe an die Wand hängt. (Stefanie Ruep, DER STANDARD, Printausgabe, 25./26.2.2012)

 

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    Großwild wie der Löwe steht bei vielen Hobbyjägern ganz oben auf der Abschussliste. Reiseveranstalter ermöglichen die Jagdsafaris und kassieren dafür zehntausende Euro pro Jäger.

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