Monsieur le Président "zwitschert"

24. Februar 2012, 18:27
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Interaktive Netzwerke werden auch für Politiker wichtiger, besonders im Wahlkampf

Paris/Wien - Viele Staats- und Regierungschefs versprechen sich von einem Auftritt in interaktiven Netzwerken wie Facebook und Twitter, junge Wähler anzusprechen - oft allerdings mit nur mäßigem Erfolg, wie die Internet-Initiative von Bundeskanzler Werner Faymann zeigt.

Einen Vorstoß wagte nun auch der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy. Er verkündete am 15. Februar nicht nur seine Präsidentschaftskandidatur, sondern versuchte auch seine ersten Schritte in der Welt von Twitter: "Bonjour, ich freue mich, heute meinen Twitter-Account präsentieren zu dürfen. Danke an jene, die mir folgen werden! NS."

Die Follower kamen zahlreich: Mehr als 97.000 Menschen erhalten mittlerweile die Tweets des Präsidenten. Über 30-mal täglich "zwitschern" Sarkozy und sein sozialistischer Herausforderer François Hollande, der mit mehr als 170.000 Followern deutlich die Nase vorn hat. Eine Frequenz, die viele User wohl überfordert, auch weil die Kommunikation mehr plakativ denn interaktiv wirkt: Der Großteil der Tweets sind Transkriptionen von Wahlreden, wirken statisch und laden kaum zur Diskussion ein - was aber ein zen-trales Element von Twitter ist.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hat einen gänzlich anderen Zugang zu neuen Medien: Sie selbst twittert nämlich gar nicht, sondern überlässt das ausschließlich ihrem Sprecher Steffen Seibert. Dieser meldet sich seltener als Sarkozys Team zu Wort, antwortet dafür regelmäßig auf die Tweets anderer User. Die Figur von Angela Merkel ist auf Twitter wohl zu finden, allerdings in satirischer Gestalt wie @Angie_Merkel, @Merkel_CDU oder @Angela_ D_Merkel. Anders als Sarkozy, der wegen angeblicher Zensurbemühungen von Satire-Accounts in der Community scharf kritisiert wird, lässt Merkel die Witzbolde ungehindert gewähren: Eines ihrer Alter Egos hat kürzlich, wie im richtigen Leben, Partei für Sarkozy ergriffen. "Ich kann verstehen, warum @NicolasSarkozy Satire-Accounts zensurieren lässt: Der echte Account ist so absurd, dass sie unnötig sind."In wenigen Tagen werden Sarkozy & Co einen neuen " Kollegen" auf Twitter begrüßen dürfen: Papst Benedikt XVI. will zukünftig das sonntägliche Angelus-Gebet in die ganze Welt zwitschern. (DER STANDARD Printausgabe, 25.2.2012)

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