Prinzessin Estelle "klingt wie eine Nachtklubkönigin"

24. Februar 2012, 19:11
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Schwedens Hofhistoriker spottet über Namen der künftigen Königin, das Volk gratuliert per Facebook

Kronprinzessin Victorias und Prinz Daniels Tochter sorgt bereits einen Tag nach ihrer Geburt für einen kleinen Eklat. Nachdem der Großvater, König Carl Gustaf XVI. am Freitag stolz enthüllte, dass seine Enkeltochter Estelle Silvia Ewa Mary, Herzogin von Östergotland, getauft wird, rügte ausgerechnet der persönliche Hofhistoriker der Königsfamilie, Hermann Lindqvist, die Namenswahl. "Estelle. Das ist total unerwartet und äußerst unpassend", sagte er der Boulevardzeitung Aftonbladet. "Das klingt wie eine Nachtklubkönigin. Das ist völlig gegen schwedische Traditionen", fügte er hinzu, in Anspielung auf die im vergangenen Herbst enthüllten Nachtklubbesuche des Großvaters und Königs.

Im Volk wurde die Freude über den ersten Kindersegen am schwedischen Hof nach langen drei Jahrzehnten durch die kleinliche Kritik nicht getrübt. "Königin Estelle ist etwas gewöhnungsbedürftig, fließt nicht genauso wie Königin Victoria, aber ich finde es süß", sagt die 35-jährige Helena Westermark, die wie hunderte andere Schaulustige zum Schloss Haga in Stockholm gekommen ist, um vielleicht einen Blick auf das Neugeborene oder die glücklichen Eltern zu erhaschen.

Sie ist selbst gerade erst Mutter geworden, verrät sie stolz, und ihr kleiner Sohn habe mit "Odd" auch einen ungewöhnlichen Namen. "Das ist gerade Mode in Schweden. Estelle ist doch weniger langweilig als die Namen meiner Generation, wo alle Helena oder Anna heißen."

Vier Zeugen für Thronfolge

Die Prinzessin verbrachte bereits den zweiten Tag ihres Lebens mit Zeremonien: Zunächst mussten Schwedens Ministerpräsident, der Reichstagspräsident, der Reichsmarschall und die Oberhofdame bezeugen, dass es sich bei dem in der königlichen Krippe liegenden Kind um das gleiche Kind handelt, dass die Kronprinzessin am Vortag zur Welt gebracht hat. Danach unterzeichneten die vier Estelles Geburtsurkunde. Anschließend feierte die königliche Familie eine Dankesmesse in der Kapelle des Schlosses.

In früheren Zeiten konnte der geringste Zweifel bei solchen Fragen zu blutigen Fehden um die Thronfolge führen. Ursprünglich waren königliche Zeugen auch in der Hochzeitsnacht anwesend.

Der Bruder der Kronprinzessin, Prinz Carl Phillip, rutscht mit der Geburt Estelles auf Platz drei in der Thronfolge zurück, schien damit aber kein Problem zu haben. "Ich bin so glücklich meine kleine Nichte kennenzulernen", sagte er. Prinzessin Madeleine, die das Kinderzimmer in Schloss Haga mit eingerichtet haben soll, kam bisher zum Ärger der Familie nicht aus New York, wo sie derzeit lebt, zurück nach Schweden.

Aus dem Volk kamen zehntausende Glückwünsche, auch über die neue Facebookseite des königlichen Hofes, wo das erste Foto der glücklichen Eltern mit Kinderkorb zu sehen ist. Und auch Erziehungsempfehlungen haben die Untertanen abgegeben. Die meisten scheinen sich zu wünschen, dass ihre Prinzessin Estelle so volksnah wie möglich aufwächst. " Verwöhnt sie nicht", empfiehlt der 14-jährige Gustav Holmberg; der 41-jährige Polizist Gustavo Fulgencio schreibt: "Gebt ihr Liebe und Verständnis. Denkt an die Tradition, aber seht nach vorn". (André Anwar aus Stockholm, DER STANDARD, Printausgabe, 25./26.2.2012)

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    König Carl Gustaf XVI, Königin Silvia, Prinz Daniel und Prinz Carl Philip bei der Dankesmesse in der Hofkapelle in Stockholm.

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