Fracking würde UVP standhalten

24. Februar 2012, 18:13
257 Postings

Das Umweltministerium arbeitet an einer Novelle für die Prüfung von Schiefergasabbau im Weinviertel

St. Pölten - Während die Schiefergasförderung im Weinviertel in der niederösterreichischen Landespolitik die Wogen hochgehen lässt, bemüht man sich im Wirtschaftsministerium weiterhin um Deeskalation. Der Landtag fasste am Donnerstag einen Beschluss, laut dem sich das Land dezidiert gegen Fracking ausspricht, "so lange Beeinträchtigungen für die Gesundheit der Menschen und die Umwelt nicht ausgeschlossen sind". Zuvor hatte Landeshauptmann Erwin Pröll (VP) eine verpflichtende Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) gefordert.

Im Wirtschaftsministerium gibt man sich davon unbeeindruckt. Eine Sprecherin von Minister Reinhold Mitterlehner (VP) sagte dem Standard, man warte nach wie vor darauf, dass die OMV das Projekt einreiche. Dann werde die im Ressort angesiedelte Montanbehörde aktiv. Bei der OMV wiederum will man sich nicht auf ein Einreichdatum festlegen, erst müssten die technischen Rahmenbedingungen für das "Clean Fracking" geklärt werden. Dabei soll das Wasser, das tausende Meter tief in die Erde hineingeleitet wird, nicht mit Chemikalien, sondern mit natürlichen Stoffen wie Quarzsand oder Maisstärke versetzt werden.

Für eine UVP bräuchte es eine Gesetzesänderung, zuständig ist dafür Umweltminister Nikolaus Berlakovich (VP). Der spricht sich für eine solche Prüfung aus, eine entsprechende Novelle ist laut Auskunft aus seinem Ressort in Arbeit. Im Vorjahr wurde ein entsprechender Antrag der Grünen im Parlament noch rundweg abgelehnt. Der Bürgerinitiative " Schiefes Gas" ist aber auch UVP-geprüftes Fracking nicht geheuer, man trete mittlerweile für ein generelles Verbot in Österreich ein, sagt Sprecherin Helene Waldner.

Tourismus statt Fracking

Auch in der Landes-VP sieht man die Diskussion in diese Richtung gehen. Dass der Beschluss kein kategorisches Nein beinhaltet, begründet der zuständige Abgeordnete Kurt Hackl (VP) damit, dass man in "20, 30 Jahren, wenn es neue Technologien gibt, eventuell nochmal darüber reden kann". Als Hintertür für einen Fracking-Einsatz in einigen Jahren will er das aber nicht verstanden wissen. Das Weinviertel setze auf sanften Tourismus, nächstes Jahr findet in der Region die Landesausstellung statt - da könne man keinerlei Umweltschäden riskieren, meint Hackl.

Seit zwei Jahren arbeitet man an der Montan-Universität in Leoben an der chemiefreien Fracking-Methode. Professor Herbert Hofstätter hat keine Zweifel, dass diese einer UVP standhalten würde, und versucht, die Bedenken der Bürgerinitiative zu zerstreuen, die unter anderem befürchtet, bei der Schiefergasförderung könnte das Grundwasser kontaminiert werden; das sei "zu 100 Prozent auszuschließen", meint Hofstätter. Umweltschädliches Fracking sei nicht zu tolerieren. Wie in den vergangenen Tagen bekannt wurde, verwendet die OMV im Weinviertel schon seit Jahrzehnten chemisches Fracking zur Öl- und Gasgewinnung. Dieses sei allerdings im Sommer 2011 eingestellt worden, sagt OMV-Austria-Geschäftsführer Christopher Veit. Jedenfalls sei dabei nie etwas passiert, und man habe stets "die strengen heimischen Auflagen eingehalten". (Andrea Heigl, DER STANDARD, Printausgabe, 25./26.2.2012)

  • Ein inszeniertes Begräbnis für das Weinviertel: Rund um das Thema Fracking gehen die Wogen hoch.
    foto: bürgerinitiative schiefes gas

    Ein inszeniertes Begräbnis für das Weinviertel: Rund um das Thema Fracking gehen die Wogen hoch.

Share if you care.