Spiel auf Zeit

Kommentar24. Februar 2012, 18:10
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Der dräuende Wahlkampf spielt den Fracking-Gegnern in die Hände

Ein Hintertürchen hat sich die niederösterreichische VP offengelassen: Wenn sichergestellt sei, dass weder Mensch noch Umwelt beim Schiefergasabbau im Weinviertel zu Schaden kämen, dann könne man über das Fracking reden. Trotzdem ist der Landtagsbeschluss gegen das Herauspressen von Gas durch die Einleitung eines Wasser-Chemie-Gemisches in die niederösterreichische Erde ein Wendepunkt im Streit Land gegen Wirtschaftsministerium gegen Bürger gegen OMV: Die Schwarzen stellen sich hochoffiziell auf die Seite der Weinviertler Bevölkerung.

Im Frühjahr 2013 sind Landtagswahlen, voraussichtlich die letzten für Landeshauptmann Erwin Pröll. Es sollte noch einmal eine absolute Mehrheit drin sein, aufgebrachte Weinviertler Bauern sind das Letzte, was der Weinviertler Bauernsohn brauchen kann. Da ist ein Konflikt mit dem Wirtschaftsminister das deutlich geringere Übel. Dass sich die VP nicht zum kategorischen Nein durchringen konnte, dürfte eher nicht darauf zurückzuführen sein, dass sich Pröll auf einmal der Bundesregierung beugt; die OMV ist einer der größten Arbeitgeber, da darf man die Stimmung nicht verderben. Der dräuende Wahlkampf spielt den Fracking-Gegnern in die Hände. Die OMV spielt aber auf Zeit, vor der Wahl wird sie ihre Pläne für die Probebohrung wohl kaum einreichen. Ob es die VP wirklich ernst meint mit ihrer Unterstützung für die besorgten Bürger, das wird sich erst nach dem Frühjahr 2013 weisen. (Andrea Heigl, DER STANDARD, Printausgabe, 25./26.2.2012)

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