Bau-Trickserei bei Promi-Villa in Wien

24. Februar 2012, 18:07
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Wie eine Garage in der Donaustadt das abgekürzte Baubewilligungsverfahren stoppte

Wien - Die Geschichte liest sich wie ein Krimi: eines Tages beschloss die Tochter eines verstorbenen hochrangigen Politikers, ihre Villa in der Donaustadt ein bisschen zu vergrößern. Sie zeigte den Plan den Nachbarn, diese unterzeichneten was sie sahen, die Baupolizei erteilte die Bewilligung. Ohne Bauverhandlung.

Als die Nachbarn mitbekamen, dass aus der vereinbarten Garage mit einem Zimmer obenauf ein mehrstöckiger Zubau wurde, legten sie Protest ein. Es kam zu einer nachträglichen Bauverhandlung, allerdings ohne Resultat. In der Zwischenzeit vollendete die Bauherrin das vergrößerte Bauwerk, das nun das Haus ihrer Nachbarin Mathilde W. um etwa 15 Meter überragt. Die schläft jetzt im Keller, weil ihr die Villenbesitzerin nicht nur die Sonne wegnimmt, sondern auch direkt in die Wohnräume blicken kann.

"Gravierende Verfahrensmängel"

Mittels Devolutionsverfahren erreicht die Nachbarin, dass der Fall bei der Oberbaubehörde landet. Die stellt "gravierende Verfahrensmängel" fest, hebt die Baubewilligung auf und schreibt eine neue Bauverhandlung vor. Das war im Mai 2011. Dann passierte lange nichts. Die Nachbarn wähnen einen Zusammenhang zwischen dem zögerlichen Vorgehen der Behörden und dem prominenten Nachnamen der Bauherrin und wenden sich - neben der Volkanswaltschaft und der MA 2 - auch an das Kontrollamt.

Die Spekulationen wurden bisher nicht verifiziert, die Causa wurde dennoch zum Präzedenzfall: Seither untersagt die Oberbaubehörde die Möglichkeit, eine Bauverhandlung zu umgehen, indem die Anrainer auf den Plänen unterzeichnen. Das sei zwar nie Gesetz, aber gelebte Praxis gewesen, bestätigt Gerhard Cech, Leiter der Baupolizei. In dem konkreten Fall behaupten die Anrainer, der ihnen vorgelegte Bauplan sei so gefaltet gewesen, dass sie die Lage, aber nicht das Bauwerk selbst erkennen konnten. Cech: "Wir sind davon ausgegangen, dass sie die Pläne alle kennen."

Neuverhandlung nach Anfrage

Noch am Dienstag hieß es aus dem Büro von Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SP), es sei nicht außergewöhnlich, dass für die Neuverhandlung bisher kein Termin gefunden werden konnte. Doch bereits einen Tag nach der Standard-Anfrage erklärte Cech, dass die seit neun Monaten angekündigte Bauverhandlung nun noch im März stattfinden soll.

Da die Oberbaubehörde die Bewilligung 2011 nur aus "formalen Gründen" aufgehoben hat, sind inhaltliche Bedenken an dem Bau eher unwahrscheinlich. Sollte das Verfahren dennoch hervorbringen, dass der Villenaufputz nicht genehmigungsfähig ist, müsste alles wieder abgetragen werden. Wie bei anderen Schwarzbauten eben auch. (Julia Herrnböck, DER STANDARD, Printausgabe, 25./26.2.2012)

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    Aus einem angekündigten kleinen Zubau wurde ein Gebäude, das jenes einer Nachbarin um 15 Meter überragt.

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