Spannungen um Iran verteuern Ölrechnung

24. Februar 2012, 21:43
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Bei einem um 20 Dollar je Fass höheren Durchschnittspreis müsste allein Österreich rund 100 Millionen Euro mehr für Ölimporte aufwenden

Wien - Österreich ist eines der wenigen Länder in der Eurozone, für die heuer noch ein kleines Wirtschaftswachstum prognostiziert wird. Damit könnte es aber rasch vorbei sein, sollten der Ölpreis auf dem hohen Niveau verharren oder gar noch weiter steigen. Der Preis für ein Fass Brent erreichte am Freitag 125 Dollar.

Bei Ölimporten von knapp sieben Mio. Tonnen pro Jahr würde ein um 20 Dollar höherer Durchschnittspreis pro Fass (159 Liter) Mehrkosten von umgerechnet rund 100 Mio. Euro bedeuten. Verteuerungen bei dem noch immer am Ölpreis hängenden Gas, bei Strom und vielen anderen auf Erdöl basierenden Produkten sind da noch gar nicht eingerechnet."Wenn es sich um ein vorübergehendes Phänomen handelt, ist es verkraftbar. Ist der Spuk in ein paar Wochen aber nicht vorbei, können die hohen Ölpreise sehr wohl auf die Realwirtschaft durchschlagen", sagte Wifo-Expertin Angela Köppl dem Standard.

Von 2010 auf 2011 hat sich der Durchschnittspreis der für Europa maßgeblichen Nordseesorte Brent von 79,50 Dollar auf 111,26 Dollar je Fass erhöht. Seit Jahresbeginn hat sich Brent-Öl um weitere knapp 16 Prozent verteuert.

Als Grund für die Preishausse nennen Händler Spannungen um den Iran und dessen Atomprogramm. Die EU hat das Aussetzen der Ölbezüge ab 1. Juli beschlossen; Iran, drittgrößter Ölexporteur der Welt nach Saudi-Arabien und Russland, ist dem zuvorgekommen und hat seinerseits die Öllieferungen an Frankreich und Großbritannien eingestellt. Im Extremfall hat Teheran das Schließen der für den Öltransport wichtigen Straße von Hormus angedroht. Erst am Donnerstag hat der Ölpreis auf Eurobasis mit 93,50 einen Rekordstand verzeichnet. Zum Wochenausklang bewegten sich die Preise knapp darunter.

Teurere Flugtickets

Infolge des hohen Ölpreises hebt die Lufthansa den Kerosinzuschlag neuerlich an. Ab 28. Februar verteuern sich Tickets für Flüge innerhalb Europas sowie nach Israel, Jordanien, Nordafrika und in den Libanon um vier Euro auf 35 Euro. Bei Langstreckenflügen werden die Tickets um zwölf Euro angehoben. Von der Preiserhöhung ist auch die Lufthansa-Tochter Austrian Airlines betroffen. (Günther Strobl, DER STANDARD, Printausgabe, 25./26.2.2012)

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    Rohöl (im Bild eine Pumpanlage in Bahrein) ist so teuer wie schon lange nicht. Darunter könnte das Wirtschaftswachstum leiden.

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