Uni-Budgets werden an Kriterien gebunden

24. Februar 2012, 17:14
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Die autonomen Unis sollen mehr an die Kandare genommen werden - Wer entsprechende Ergebnisse liefert, kriegt Extra-Euros - Die Unis wollen Klagsrecht

Wien - Einmal quasi am Verhandlungstisch ausgeknockt durch ein ausgefuchstes Gegenüber auf Rektorenseite reicht dem Wissenschaftsministerium. Ein zweites Mal will es nicht mehr zu einer Millionennachzahlung gezwungen werden, wie es dem Rektor der WU Wien, Christoph Badelt, gelungen war. Er hatte in seiner Leistungsvereinbarung, dem über je drei Jahre geschlossenen Vertrag über das Uni-Budget, einen Passus hineinreklamiert, der ihm mehr Budget zusicherte, falls sich die kapazitären Rahmenbedingungen gravierend ändern sollten.

Das taten sie, denn die versprochene Möglichkeit, in Massenfächern den Zugang zu beschränken, kam nicht, weil die SPÖ nicht mitzog. Badelt klagte und erhielt sechs Millionen extra. Die Bereitschaft, so etwas zu wiederholen, werde "nicht groß sein", formulierte Ministeriums-Generalsekretär Friedrich Faulhammer am Freitag. Weniger diplomatisch heißt das: sicher nicht mehr. Verhindern will das Ministerium das, indem es die autonomen Unis wieder mehr an die Kandare nimmt. "Besser, gezielter, schärfer" soll der "Prozess" für die im Herbst zu verhandelnde Leistungsvereinbarungsperiode 2013 bis 2015 ablaufen, sagte Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle.

30 Indikatoren (Drop-outs, Publikationen, Absolventen etc.) sollen die Leistungen der Universitäten messen. Das heißt, die Geldzuweisungen werden an "mehr Transparenz, höhere Verantwortlichkeit, Steuerungsmöglichkeiten und Kontrolle" gekoppelt sein.

Als "neues Schärfungsmittel" ist der 450 Millionen Euro schwere " Strukturfonds" gedacht, aus dem es Geld nur für konkrete Leistungen geben soll. Wer möglichst viele der 100.000 "inaktiven" Studenten (die kaum Prüfungen ablegen) erfolgreich "aktiviert", soll "belohnt werden", sagte Töchterle. 270 Millionen sind dafür da.

Extrageld gibt es auch für mehr Drittmittel (67 Millionen), mehr Absolventen sowie für Kooperationen in Forschung und Lehre (je 45 Millionen für drei Jahre) oder in der Verwaltung (23 Millionen).

Das "unerträgliche" Problem

Bleibt das Problem der Kapazitätsfrage, die mit einer Studienplatzfinanzierung entschärft werden soll. Töchterle hätte zwar schon "sehr weit ausgefeilte Rechenmodelle" fertig, "politisch stehen wir aber noch am Anfang".

Er will "Zugangsregeln für Massenfächer", die SPÖ aber "völlige Freiheit" , die Töchterle für "unerträglich" hält. Also bleibt: "Da müssen wir einen Modus finden."

Dieser Suchmodus wird auch für die Rektoren gelten. Der Präsident der Universitätenkonferenz, Heinrich Schmidinger von der Uni Salzburg, deponierte umgehend, dass nicht nur die Unis in die Pflicht genommen werden dürften. Sie fordern "einklagbare Regelungen für den Fall, dass das Ministerium seine Verpflichtungen nicht einhält" - etwa bestimmte Budget-Kapazitäts-Relationen.

In der umkämpften neuen Lehrerbildung - Unis und Pädagogische Hochschulen (PH) ringen um die Zuständigkeitshoheit - kam am Freitag von der Uni für angewandte Kunst Wien ein radikaler Vorstoß. In einer auch von Rektor Gerald Bast unterzeichneten Erklärung werden "Auflösung der Pädagogischen Hochschule Wien und Übertragung der dort angesiedelten Ressourcen an die zuständigen Unis in Wien" gefordert.

Dagmar Hackl, Rektorin der PH Wien, hält wenig davon: "Man kann das Know-how einer Institution weder kaufen noch schlucken, nur ergänzend wirken." (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.2.2012)

  • "Zugangsregeln für Massenfächer" - einige residieren im Audimax der WU Wien - ist das "vorrangige Ziel" von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle. Fehlt nur noch ein "Modus" mit der SPÖ.
    foto: standard/urban

    "Zugangsregeln für Massenfächer" - einige residieren im Audimax der WU Wien - ist das "vorrangige Ziel" von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle. Fehlt nur noch ein "Modus" mit der SPÖ.

  • Die Uni-Budgets als Grafik.
    grafik: standard

    Die Uni-Budgets als Grafik.

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