Das Einhorn als Haustier

Kolumne24. Februar 2012, 17:53
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Eine gute Alternative zu Hund und Katze

Seit wir ihn auf Diät gesetzt haben, ist der Kater unerträglich. In der ersten Zeit raunzte er mich zuverlässig jedes Mal an, wenn ich zum Kühlschrank ging; jetzt kann ich die Küche nicht einmal mehr betreten, ohne eine Raunz-Salve zu ernten. Und was für ein Raunzen! Übellaunig, futterheischend, vorwurfsvoll. Warum tut man sich einen solchen Raunzer an, und das auch noch in der Raunzwelthauptstadt Wien? Ich trage mich echt mit dem Gedanken, mittelfristig auf eine andere Tiergattung überzuwechseln, am ehesten auf ein junges Einhorn.

Das Einhorn ist in Österreich als Haustier wenig populär. Zu Unrecht. Herr Blaha, Inhaber einer Einhornhandlung am Alsergrund, verweist auf Vorurteile gegen Einhörner, wie etwa jenes, dass man sich häufig an ihnen steche. Unfug, meint Blaha. Die Wahrscheinlichkeit, von einem gut abgerichteten Einhorn gestochen zu werden, sei geringer als die eines Wespenstichs.

Haben Sie schon einmal gehört, dass in Österreich jemand an einem Einhornstich gestorben ist? Na eben. Wer auf Nummer sicher gehen will, hängt verspielten jungen Einhörnern ein Dartboard zum Austoben an die Wand. Das Dartboard ist für das Einhorn das, was der Kratzbaum für die Katze ist: ein optimales Spielzeug zum Tollen. Auch ein Abstecher in den Park wirkt bei aufgeregten Tieren Wunder.

Die Entscheidung "Lieber Einhorn oder Einhörnin?" ist Geschmacksache. Männliche Einhörner trinken häufig einen über den Durst, Einhörninnen reagieren unwirsch, wenn man ihnen beim Nestbau in die Quere kommt. Welchen Namen gibt man dem Tier? Lassen Sie Ihrer Fantasie freien Lauf! Es müssen nicht immer Klassiker wie "Spitzi", "Stichi" oder "Horny" sein, man kann es auch ruhig "Franz" oder "Charlotte" nennen. Es empfiehlt sich aber, das Tier stets beim selben Namen zu rufen, sonst reagiert es irritiert.

Die Futterkosten, das soll nicht verschwiegen werden, sind erheblich: Einhörner ernähren sich ausschließlich von Belugakaviar und Jahrgangschampagner. Das geht zwar ins Geld, doch ein Einhorn, das sich bei seinem Besitzer wohlfühlt, entschädigt für seine Kosten. Es ist flauschig, zutraulich und springt gern mit dem Horn ein, wenn man den Korkenzieher verlegt hat, zusätzlichen Platz zum Wäschetrocknen braucht, ein Loch für einen Dübel bohren oder die Fingernägel reinigen will. Und eines ist fix: Raunzen tut es nie. (DER STANDARD/ALBUM - Printausgabe, 25./26. Februar 2012)

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