Ein Schrei nach Weltrekord

24. Februar 2012, 20:28
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Von "Der Schrei" schuf Munch vier Versionen, eine davon wird nun für geschätzte 80 Millionen Dollar versteigert

Der Überlieferung eines Kunsthistorikers nach soll Edvard Munch an Platzangst gelitten haben. Schon das Überqueren einer Straße hätte ihm Schwierigkeiten bereitet, und auch auf weite Landschaften reagierte er nicht minder sensibel. Jedenfalls soll er diese Phobie in seinen Bildern zum Ausdruck gebracht haben, allen voran in Der Schrei. Es ist dieser Aspekt, der die von Betrachtern durchaus als bedrückend erlebte Stimmung wohl am besten erklärt. Munch selbst hatte sich zur Entstehung des Bildes geäußert: Bei einem Abendspaziergang sah er hinaus über den Fjord, "die Sonne ging unter, die Wolken färbten sich rot wie Blut. Ich fühlte, wie ein Schrei durch die Natur ging (....). Ich malte dieses Bild, malte die Wolken als wirkliches Blut."

Eine Ikone für den Markt

Das war 1893, und bis 1910 schuf er - abgesehen von einer Lithografie (1895, "Geschrei") - insgesamt vier Varianten: Drei befinden sich in Museumssammlungen, darunter die im August 2004 aus dem Munch-Museum (Oslo) gestohlene und zwei Jahre später sichergestellte. Eine Version, 1895 in Pastell, fristete seit sieben Jahrzehnten fernab der Öffentlichkeit ihr Dasein in der Privatsammlung des norwegischen Geschäftsmannes. Nun hat sich Petter Olsen entschlossen, sich von dieser Ikone der Kunstgeschichte via Sotheby's zu trennen.

Bereits 2006 hatte er via deren Londoner Niederlassung eine Gruppe von Arbeiten Edvard Munchs zum damaligen Gegenwert von 16,89 Millionen Pfund (ca. 20,14 Mio. Euro) versteigern lassen, darunter Summer's Day (1904-1908), für das der Hammer bei 6,16 Millionen Pfund fiel. Zwei Jahre später notierte Sotheby's in New York den vorläufigen Rekordpreis, als Munchs Vampire von 1894 für stolze 38,16 Millionen Dollar den Besitzer wechselte. Dieses ursprünglich Liebe und Schmerz betitelte Gemälde gehört ebenso wie der nunmehr offerierte Der Schrei zu einer 20-teiligen Serie namens Lebensfries. Um die 80 Millionen Dollar beziffern Sotheby's-Experten ihre Erwartungen, die angesichts des Ikonenstatus des Gemäldes aber am 2. Mai durchaus übertroffen werden könnten. Knapp 490.000 Besucher hatte das Centre Pompidou (Paris) im Zuge der Ausstellung Edvard Munch. Der moderne Blick gezählt, die nun in der Schirn-Kunsthalle (bis 13. Mai) in Frankfurt die Massen begeistern wird. (Olga Kronsteiner, DER STANDARD/ALBUM - Printausgabe, 25./26. Februar 2012)

  • Den vorläufigen Auktionsrekord für Munch notierte Sotheby's 2008 für " 
Vampire" (rund 29 Mio. Euro). Für "Der Schrei" erwarten die Experten ein 
Ergebnis von etwa 60 Millionen Euro oder auch mehr.
    foto: sotheby's

    Den vorläufigen Auktionsrekord für Munch notierte Sotheby's 2008 für " Vampire" (rund 29 Mio. Euro). Für "Der Schrei" erwarten die Experten ein Ergebnis von etwa 60 Millionen Euro oder auch mehr.

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