Das Comeback einer Ikone aus Hamburg-Pöseldorf

24. Februar 2012, 19:31
  • Als dieses Bild 1983 entstand, waren gerade breite Schulterpolster in - und Jil Sander schon eine international erfolgreiche Designerin. Jetzt will sie an ihre ehemaligen Glanzzeiten anschließen.
    foto: apa/dpa

    Als dieses Bild 1983 entstand, waren gerade breite Schulterpolster in - und Jil Sander schon eine international erfolgreiche Designerin. Jetzt will sie an ihre ehemaligen Glanzzeiten anschließen.

Die Rückkehr von Jil Sander zu der nach ihr benannten Modemarke überrascht die Fashionwelt

Mailand/Wien - Wenn an diesem Wochenende in Mailand die neue Jil-Sander-Kollektion vorgestellt wird, dann wird sich am Ende der Modeschau wohl kein Designer verbeugen. Obwohl es das Ende einer Ära ist - und ein bis vor kurzem als undenkbar geltender Neuanfang bevorsteht.

Donnerstagnachmittag gab die Jil Sander Group bekannt, dass sie die Zusammenarbeit mit dem seit Juli 2005 der Marke vorstehenden Designer Raf Simons nach der Modeschau am Samstag beendet. Damit nährte sie die Gerüchte, die in den Stunden zuvor vom Hamburger Magazin Gala in Umlauf gebracht wurden und Freitagnachmittag auch offiziell bestätigt wurden: Dass Jil Sander kurz vor ihrer Rückkehr zu der von ihr gegründeten und viele Jahre geleiteten Marke stehe. Das Comeback einer Ikone.

Minimalistischer Stil der Neunziger

Die mittlerweile 68-jährige Hamburger Designerin stand wie kaum jemand sonst für den minimalistischen Stil der Neunziger. 1999 verkaufte sie 75 Prozent ihres Unternehmens an die Prada-Gruppe, ein Schritt, der zu einem Abschied auf Raten führte.

Ein Jahr später schied sie aus dem Unternehmen aus, 2003 kam sie wieder zurück - um das Label kurze Zeit später wieder zu verlassen. Bis auf ein Engagement beim japanischen Handelsriesen Uniqlo kehrte Sander dem internationalen Modebusiness für acht Jahre den Rücken. Sie kehrt jetzt allerdings zu einem komplett anderen Unternehmen zurück als jenes, das sie 2003 verlassen hat.

Von Prada an den Londoner Finanzinvestor Change Capital verkauft und von diesem zwei Jahre später mit hohem Gewinn an die japanische Onward Holdings weiter veräußert, hat die Marke Jil Sander heute nur mehr das Hauptquartier in Mailand mit dem damaligen Modehaus gemein. Die Werkstätten in Hamburg geschlossen, beinahe die gesamte Mannschaft ausgetauscht, ein äußerst strenger Kostendruck vonseiten der Eigner. Die wesentliche Neupositionierung der Marke passierte allerdings durch das Engagement von Raf Simons.

Liebkind der internationalen Presse

Unter dem belgischen Designer (er leitete mehrere Jahre die Modeklasse der Wiener Angewandten) schwang sich das Label zu einem Liebkind der internationalen Presse auf. Sanders reduzierter Stil traf auf einen Designer, dessen Wurzeln in der Jugendkultur liegen und der zum Schrecken der Händler und Eigner kaum bereit war, ästhetische Kompromisse einzugehen. Vom typischen Jil-Sander-Stil war in den vergangenen Saisonen kaum mehr etwas auszumachen. Bei den Kollektionen der Herren war dies noch deutlicher zu sehen als bei jenen der Damen.

Die Aufmerksamkeit der Modebranche war Simons aber sicher. Zuletzt wurde sein Name als Nachfolger von Stefano Pilati bei Yves Saint Laurent und vor allem von John Galliano bei Dior genannt. Noch Ende vergangenen Jahres ging man davon aus, dass Simons mit der zum weltgrößten Luxuskonglomerat LVMH gehörenden Marke Dior keine Übereinkunft erzielen konnte. Neben den Prêt-à-porter-Kollektionen für die Damen müsste er dort auch die Haute Couture verantworten. Angesichts der jüngsten Entwicklungen scheint das Spiel jetzt allerdings wieder offen zu sein. Bei Dior verweigerte man dazu allerdings in den vergangenen Tagen jegliche Stellungnahme. (Stephan Hilpold, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.2.2012)

Share if you care
1 Posting

Chill Sandler - der neue song von trackshittaz

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.