Harte Nüsse für die Österreicher

25. Februar 2012, 16:07
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Christian Fuchs gastiert mit Schalke im Topspiel bei angeschlagenen Bayern, Emanuel Pogatetz gibt für Hannover in Dortmund sein Liga-Comeback

Berlin - Die deutsche Bundesliga wartet gespannt auf das Comeback von Otto Rehhagel. Nach elf Jahren und 148 Tagen sitzt der 73-Jährige wieder als Trainer auf einer Bundesligabank - eine Revolution wird es bei Hertha BSC am Samstag in Augsburg aber nicht geben. "Großartig Umstellungen plane ich nicht", verriet der neue Berliner Chefcoach vor der richtungsweisenden Partie der seit elf Ligaspielen sieglosen Hertha.

Mit einigen Psychotricks will "König Otto" seine verunsicherten Profis wieder in die Spur bekommen. So versuchte er, den Brasilianer Raffael mit einem Vergleich mit Weltfußballer Lionel Messi aufzubauen. Alles scheint erlaubt, denn die Aufgabe in Berlin ist keine einfache. "Wir haben nicht mehr viel Zeit", sagte Rehhagel vor dem Gastspiel des 15. beim 17. der Tabelle. Für den Trainer-Oldie liegt die Wahrheit nur auf dem Platz, unerwartet deutlich räumte er auch ein: "Ein Allheilmittel habe ich auch nicht."

Für Rehhagel ist es das 821. Spiel als Liga-Trainer, das erste nach 4.165 Tagen Pause. Die Fußball-Welt des Altmeisters hat sich nicht sehr verändert. Das wurde schon in der ersten Woche in Berlin deutlich. Rehhagel setzt wie vor 40 Jahren mit dem 1. FC Saarbrücken, vor 30 Jahren mit Werder Bremen oder vor 15 Jahren mit dem 1. FC Kaiserslautern auch bei Hertha auf Disziplin, Regeln, Motivation und klare Rollenverteilungen.

Viererketten sind ihm nur wichtig, so lange er damit nicht verliert. Die theoretischen Debatten um taktische Systeme hält er für lästig. "Wichtig ist, wenn der Schiedsrichter anpfeift, müssen die Spieler auf dem Feld Fragen situationsbedingt beantworten", sagte Rehhagel. Lange war sie gut, die alte und einfache Rehhagel-Schule. Ob sie auch im Zeitalter des modernen Konzeptfußballs mit seinen wissenschaftlichen Trainingsmethoden funktioniert, werden die kommenden zehn Wochen zeigen.

Zumindest die Hertha-Profis vertrauen uneingeschränkt in ihren neuen Trainer. "Ich erwarte, dass er uns mit all seinen Erfahrungen weiterbringt", sagte Torhüter Thomas Kraft. "Unter ihm zu trainieren, ist eine Ehre", meinte Stürmer Pierre-Michel Lasogga. Drei Vereine liegen trotz der Negativserie noch immer hinter den Berlinern. "Wir müssen diese Position, die wir jetzt haben, verteidigen", sagte Rehhagel. "Noch ist ja nichts passiert."

Heynckes: "Mehr reden", Fuchs fit

Viel passiert ist diese Woche beim FC Bayern. Nach einem missglückten Frühjahresstart und dem 0:1 in Basel hängt beim Rekordmeister der Haussegen schief. Die Geduld der Vereinsführung scheint aufgebraucht. Zum wiederholten Mal gelobten die Profis Besserung. "Ich glaube an unsere Ziele, die wir haben - nicht nur ich, sondern auch die Mannschaft", sagte Kapitän Philipp Lahm. Am Sonntag (15.30) gastiert mit Schalke 04 jedoch ein unangenehmer Gegner in München. Mit einem Erfolg könnten die Gelsenkirchner mit Christian Fuchs die Bayern mit David Alaba von Platz drei verdrängen.

Deren Trainer Jupp Heynckes hat trotz angespannter Lage keine Sorge, selbst in Bedrängnis zu geraten. "Ich bin ein optimistischer Mensch, ich sehe das Spielerpotenzial, und ich sehe die Gesamtsituation. Wir versuchen, die Wende herbeizuführen. Darüber hinaus mache ich mir keine Gedanken", sagte er am Freitag. Gleichwohl bezeichnete Heynckes die Situation als "prekär".

"Die Kritik ist berechtigt, wir spielen nicht mehr auf dem Niveau wie bis Oktober. Auch ich muss mir Kritik gefallen lassen", sagte der 66-Jährige. Vor dem Topspiel gegen Schalke forderte Heynckes daher, ab sofort den "Teamgeist über alle persönlichen Interessen zu stellen".  Besonders mangelnde Kommunikation auf dem Platz macht der Trainer als Problem aus. "Ich fordere die Kommunikation untereinander. Die Mannschaft muss auf dem Spielfeld viel mehr miteinander reden

Bei den Schalkern haben sich drei Wackelkandidaten fit gemeldet. Christian Fuchs (Leistenprobleme), Kyriakos Papadopoulos (Verdacht auf Nasenbeinbruch) und Chinedu Obasi (Sprunggelenk) absolvierten das Samstag-Training ohne Beschwerden Alle drei hatten sich am Donnerstag beim Europa-League-Achtelfinalaufstieg gegen Viktoria Pilsen (3:1) leichte Blessuren zugezogen.

Dortmund könnte sich absetzen

Spitzenreiter Dortmund könnte mit einem Heimsieg gegen Hannover 96 dann bereits sieben Punkte Vorsprung auf den Titelrivalen aus Bayern herausspielen. Der Meister ist vor dem Spiel am Sonntag aber gewarnt: Seit insgesamt elf Spielen ist Hannover ungeschlagen, in der Europa League verbuchte 96 mit dem Einzug ins Achtelfinale den größten internationalen Erfolg der Klubgeschichte.

"Wir fahren auch nach Dortmund mit einer Chance", sagte Trainer Mirko Slomka. Seine Mannschaft ist jene, die in der Liga zuletzt gegen den deutschen Meister gewonnen hat. In der Hinrunde gab es am 18. September ein 2:1 gegen die Dortmunder. Emanuel Pogatetz wird nach Ablauf seiner Sperre ein Comeback geben. (APA/sid/red)

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    Möchte in München nicht baden gehen: Christian Fuchs.

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