Brain

Super-Speicher: Memristoren imitieren die "grauen Zellen"

24. Februar 2012, 14:04

Ein Rechner, der funktioniert wie ein menschliches Gehirn

Wer das Labor von Andy Thomas betritt, sieht gelb. "Das Gelblicht brauchen wir, weil wir mit lichtempfindlichem Lack arbeiten", erklärt der Experimental-Physiker. Thomas und sein Team von der Bielefelder Universität erforschen die sogenannten Memristoren. Ihre Messungen belegen, dass die elektronischen Bauteilchen ähnlich funktionieren wie die oft zitierten "grauen Zellen". Das Ziel, einen Computer zu bauen, der ähnlich arbeitet wie das menschliche Gehirn, scheint einen Schritt näher gerückt zu sein.

Können selbstständig von ihrer Programmierung abweichen

Mit Hilfe der Memristoren sollen Computer entstehen, die beispielsweise selbstständig von ihrer Programmierung abweichen können, wenn eine neue Verbindung häufiger genutzt wird als die ursprüngliche: Wenn etwa eine Sonde auf Weltraummission ein unvorhergesehenes Objekt gleich mehrfach registriert, könnte sie eigenständig einen Beschluss fassen, nämlich dass es von Belang sein könnte, zumindest Daten über die Begegnung zu sammeln und zur Erde zu senden.

Der Bielefelder Physiker Thomas hält eine kreisrunde Grundplatte in der Hand, den "Wafer". Hier befinden sich mehrere hauchdünne, metallhaltige Schichten übereinander. Das Herzstück besteht aus einer Schicht Magnesiumoxid, die auf beiden Seiten von Kobalt-Eisen-Bor umgeben ist. Zusammen bilden sie die Funktionsschicht, aus der mittels Photolithographie und Ätzung die Memristoren entstehen.

Fotolack

Dazu wird die Funktionsschicht mit Fotolack überzogen und belichtet. Was nach der Entwicklung vom Lack übrig bleibt, markiert die späteren Memristoren. Und nur, was sich unter dem Lack befindet, bleibt, die restliche Funktionsschicht wird komplett weggeätzt. Am Ende befinden sich auf dem Wafer zahlreiche winzige Türmchen der dreiteiligen Funktionsschicht: eine Vielzahl von Memristoren, die zusammen ein Nano-Speicherelement bilden, das Thomas und sein Team für ihre Untersuchungen benötigen.

Das Ganze spielt sich in Größen-Dimensionen ab, die die menschliche Vorstellungskraft stark strapazieren, wie Andy Thomas durch einen Vergleich deutlich macht: "Die Höhe eines Memristoren- Türmchens entspricht der Dicke eines tausendmal gespaltenen Haares." Doch die Winzlinge haben es in sich: Denn anders als die bisher üblichen Transistoren merken sie sich, wenn Strom durch sie hindurch geflossen ist; die sogenannte memristive Leistung erbringt die mittlere Schicht, hier das Magnesiumoxid.

Ähnlich wie bei menschlichen Nervenzellen

Die Verbindung wird stärker, je öfter sie genutzt wird - ähnlich wie bei menschlichen Nervenzellen, deren Synapsen umso schneller reagieren, je häufiger sie aktiviert werden. Beispiel: Wenn etwa ein Schüler das Einmaleins so lange übt, bis zwischen den Zahlen vier, sieben und 28 sozusagen eine Standleitung geschaltet ist.

Was im Pennäler-Hirn automatisch funktioniert, hat das Team um den Experimental-Physiker Thomas jetzt erstmals für die Memristoren nachgewiesen. "Unsere Messungen zeigen, wie stark der Strom sein muss und wann er fließen muss, damit die Leitfähigkeit sich auf ähnliche Weise verstärkt wie die Verbindungen im menschlichen Gehirn", erläutert er. "Damit ist belegbar, dass Memristoren tatsächlich Nervenzellen imitieren und mit ihnen der Bau künstlicher Gehirne möglich ist."

Experten der Luft- und Raumfahrt verfolgen die Forschung mit großem Interesse. Allerdings vor allem deshalb, weil die winzigen Speicherelemente wahre Energiesparwunder sind. Andreas Schütz vom Deutschen Zentrum für Raum- und Luftfahrt in Berlin: "Das Energiemanagement ist eine der wichtigsten Rahmenbedingungen für erfolgreiche Weltraummissionen. Wenn wir weniger Energie benötigen, müssen wir sie erst gar nicht mitnehmen."

"Bis ein Computer tatsächlich ähnlich wie ein menschliches Gehirn arbeitet, dauert es auf jeden Fall noch eine ganze Weile."

"Noch sind die Experten sich nicht einig über den genauen Nutzen der neuen Technik", sagt Rainer Waser von der RWTH Aachen, der eines der führenden Forscherteams auf dem Gebiet leitet. Deshalb werde zurzeit beispielsweise das Verhalten unterschiedlicher Materialien untersucht. "Wir müssen realistisch sein: Bis ein Computer tatsächlich ähnlich wie ein menschliches Gehirn arbeitet, dauert es auf jeden Fall noch eine ganze Weile." Aber schon mit der enormen Energieeinsparung werde der Memristor den Computermarkt revolutionieren. (APA)

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17 Postings
irata
00
25.2.2012, 15:21

Ist irgendwie witzig, wenn man derartiges schon in einer Dokumentation von 1991 gesehen hat.
Vor allem, weil die dort gezeigten neuronalen Netze und Lernsysteme teilweise aus den 1970ern waren.

juergenp83
10
25.2.2012, 08:07

das ganze wirkt wie ein weiterer Schritt in Richtung "I, Robot" ... gemeinsam mit der anscheinend doch recht intensiven Forschung bei Robotern und zB auch der Sprachsteuerung (siri etc) ...
Gott sei Dank - zumindest hoffe ich das - lebe ich nicht mehr, wenn die ersten Roboter mit künstlicher Intelligenz rumlaufen die auch noch "lernfähig" sind und dadurch ihre Programmierung "erweitern" können.

Hotblack_Desiato
00
26.2.2012, 13:00
das war in Space 2063 noch etwas besser gelöst

Die Silikanten

AI, künstliche Intelligenzen oder Silikanten sind von Menschen gebaute Maschinen. Androiden, dazu konzipiert, die Arbeiten zu verrichten, die Menschen nicht zu verrichten gewillt sind. Der für die Intelligenz maßgeblich verantwortliche Wissenschaftler war etwas eigensinnig und programmierte den Dienern einen eigenen Willen. Aus Eifersucht auf seinen Kollegen, der den Ruhm einheimste, fügte er folgenden Satz zur ursprünglichen Programmierung hinzu: „Geh' ein Risiko ein.“. So erhoben sich die künstlichen Intelligenzen gegen ihre Macher und es kam zu den Silikantenkriegen. Ihr Hang zum Glücksspiel lässt sich damit ebenfalls erklären.

Roland Schweiger1
00
25.2.2012, 10:33
nicht so wolkig!

Es handelt sich lediglich um ein (passives) Bauelement.

Josip Broz dobar skroz
00
24.2.2012, 22:31
der beginn der matrix?

trolololo

Roland Schweiger1
00
25.2.2012, 10:36
kann da nicht mal ansatzweise einen Zusammenhang erkennen.

Ausser: "was ich nicht verstehe, macht mir erst einmal Angst". Besser wäre "was ich nicht verstehe, versuche ich erst einmal zu verstehen, dann bilde ich mir eine Meinung". Erst einmal ist ein Memristor lediglich ein passives Bauteil. Ob dieses in der Computer(Speicher)technik langfristig überhaupt sinnvoll eingesetzt werden kann, ist eus heutiger Sicht uneindeutig. Die beschriebenen Szenarien (Nervenzellenähnlichkeit usw.) würden ja immerhin eine komplett umgestaltete Prozessorarchitektur voraussetzen, neue Programmiersprachen usw. Und davon sind wir doch bitteschön Lichtjahre entfernt!

Roland Schweiger1
00
24.2.2012, 21:51
wäre ein Ansatz für einen Memristor nicht eher,

wenn eine Speicherzelle mehr als nur 2 Zustände kennt? Also im Moment haben ja fast alle Typen von Speicher eines gemein: sie sind binär. Also brauchen sie Schwellenwerte (beim RAM zB < 2,5v = 0 und 2,5v-5v = 1, bei einem Refresh wird entsprechend vorgegangen). Bei NAND Gattern wie in SSDs und anderen FlashSpeichern verwendet, gilt Ähnliches, bei magnetischen Speichern ebenfalls (nur gibts natürlich keinen refresh). Ich dachte immer der Weg hin zu effizienterem Speicher wäre nun (und dann wäre es vielleicht wirklich ähnlich wie im Gehirn) wenn eine Zelle nun mehr als 2 Zustände kennt. Egal ob mit Spannung oder mit magnetischer Felddichte. Klar macht dies die Controller wieder komplizierter aber wäre das nicht wirklich ein Fortschritt?

Stoppt den ZENSURWAHN der Politiker - JETZT
00
24.2.2012, 20:11

Wenn etwa eine Sonde auf Weltraummission ein unvorhergesehenes Objekt gleich mehrfach registriert, könnte sie eigenständig einen Beschluss fassen, nämlich dass es von Belang sein könnte, zumindest Daten über die Begegnung zu sammeln und zur Erde zu senden.

oder eben "das senden von daten an die erde ist ein schmerz im allerwertesten, also lassen wirs lieber"

YoungManKlaus
00
24.2.2012, 18:34
Und wer hast erfunden?

Also Breitenberg beschreibt in seinen "Vehikeln" schon genau diese Bauelemente, allerdings mit einem "die Schaltung die man dafür braucht kann sich jeder selbst ausdenken" - und verwendet das ganze um damit seinen Vehikeln ein "Gehirn" zu bauen und Input-Vorhersagen zu machen (z.B. wenn immer A und dann B gereizt wird, wird irgendwann der random verbundene Memristor so durchlässig dass auf A direkt die erst nur von B ausgelöste Reaktion hervorgerufen wird) ... wenn man das weiterspinnt kommt man dann - so meint er - auf höhere Verhaltensweisen.

Herman Toothrot
00
24.2.2012, 18:14

"wafer" und "ätzen" und elemente im nanometerbereich sind jetzt nicht unbedingt speziell memristor technologie.

mit dieser technologie hergestellte produkte hat quasi jeder von uns in der hosentasche.

womit ich nicht prinzipiell was über memristoren gesagt haben will (macht der artikel ja auch nicht); die sind sicher cool. auch wenn's da noch einen haufen mehr forschung brauchen wird, wie man damit tatsächlich was intelligentes zustande bringt, als "nur" die technische machbarkeit des aufbaus

nestrus
02
24.2.2012, 15:23
Bielefeld? Noch nie gehört, aber wirklich bahnbrechend, was die dort in den Geheimlabors entwickeln!

"Wafer" auf denen "hauchdünne, metallhaltige Schichten" übereinander existieren und zwar bestehen die aus "Magisumoxid" und "Bor" und werden per "Photolithographie" angebracht, also mit "Fotolack überzogen und belichtet" und weg"geätzt" und dann sind es auch noch Dimensionen die unsere "Vorstellungskraft" strapazieren, weil es nur so hoch wie ein tausendstel eines "Haar"es ist.

Das klingt alles so ungewohnt und futuristisch!

Lichtfreak
00
24.2.2012, 15:04
Der

Alzheimer Virus wird schon programiert

A.Spect
01
24.2.2012, 14:50
Die Funktion ist falsch erklärt

oder besser gesagt gar nicht.

Roland Schweiger1
00
24.2.2012, 21:55
und vor allem ist dieses Bauteil nicht wirklich neu,

wie ja u.a. die Wikipedia beschreibt. Daraus gleich eine Analogie zum menschlichen Gehirn zu ziehen, finde ich etwas wolkig und sehr ungenau.

zevero
00
24.2.2012, 20:57

Hoffentlich kommt kein Standardredakteur auf die Idee fuer Wikipedia zu schreiben :)

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