Das Umschuldungsprogramm läuft bis 2042, die neuen Anleihen sollen bis 2015 einen Zinssatz von zwei Prozent haben
Athen - Die griechische Regierung hat am Freitag Banken und anderen
privaten Finanzhäusern das offizielle Angebot zum Schuldenschnitt unterbreitet.
Das entsprechende zehnseitige Dokument wurde vom Ministerrat gebilligt und am
Abend auf einer Internetseite des Athener Finanzministeriums in englischer
Sprache veröffentlicht.
Das Umschuldungsprogramm läuft bis 2042. Die neuen Anleihen sollen bis 2015
einen Zinssatz von zwei Prozent haben. Danach soll der Zinssatz stufenweise steigen
- bis 2020 auf 3,0 Prozent, 2021 3,65 und danach 4,3 Prozent. Verzicht und
veränderte Konditionen summieren sich nach Berechnungen von Experten auf einen
Verlust von mehr als 70 Prozent des Nominalwerts der Anleihen. Das Angebot sieht
vor, dass die privaten Gläubiger auch zum Forderungsverzicht gezwungen werden
könnten, falls die Beteiligung am freiwilligen Schuldenschnitt zu niedrig
ausfallen sollte.
Weniger Schulden
Der Schuldenschnitt soll die griechische Schuldenlast um 107 Mrd. Euro
verringern. Insgesamt sollen private Gläubiger auf 53,5 Prozent ihrer
Forderungen gegenüber Athen verzichten. Die neuen Anleihen sollen einen
Zinsbonus erhalten, sollte die griechische Wirtschaft in den nächsten Jahren
wachsen. Die Höhe wird von der Wachstumsrate abhängig sein. Für die neuen
Anleihen wird englisches Recht gelten. Damit soll Griechenland die Möglichkeit
genommen werden, einen erneuten Schuldenschnitt zu fordern.
Es gilt als wahrscheinlich, dass die Ratingagenturen Griechenland nach
Durchführung des Schuldenerlasses vorrübergehend für pleite erklären - obwohl
die Maßnahme zusammen mit dem zweiten Rettungspaket der internationalen
Geldgeber das Land ja gerade vor dem Bankrott retten soll. Allerdings wäre die
Herabstufung der Ratingagenturen technisch bedingt: Ein Schuldenschnitt bedeutet
eben auch, dass ein Land seine Schulden nicht bedienen kann und damit de facto
insolvent ist. Gefährlich wäre ein Staatsbankrott allerdings erst dann, wenn
Athen keine weitere Unterstützung erhält und tatsächlich seine laufenden
Rechnungen nicht mehr bezahlen kann, also zum Beispiel auch keine Renten oder
Gehälter im öffentlichen Dienst.
Dem Fahrplan des griechischen Finanzministeriums nach soll nun bis zum 9.
März gezählt werden, welche Banken und Halter von Anleihen sich im sogenannten
Buch der Willigen für den Schuldenschnitt eintragen werden. Sollten die
angepeilten 107 Mrd. Euro nicht erreicht werden, dann soll der
Schuldenschnittzwang (CAC) in Kraft treten. (APA)